Kinetische Kunst: Milky Way in Eupen

Es ist ein bisschen wie ein Ausflug in die Milchstraße: In der Eupener Galerie vorn und oben stellt ein Kölner Künstler kinetische Installationen aus. Es gibt schwebende Objekte, leuchtende Installationen und genügend Raum für Phantasie.

Bild: Simonne Doepgen/BRF

Bild: Simonne Doepgen/BRF

Kinetische Kunst – der Kunstkenner weiß wovon die Rede ist. Alle anderen brauchen aber eine Erklärung: „Bewegung ist eigentlich mein großes Arbeitsfeld“ sagt der Kölner Künstler Max Scholz, „die meisten meiner Arbeiten bewegen sich kinetisch, das heißt sind elektromotorisch angetrieben.“

Max Scholz hat in der Bildhauerklasse in der Hochschule in Köln angefangen. Da hat er plastische Insektenstudien gemacht und war so fasziniert vom Insektenreich, „dass die mich in die Bewegung hinein getrieben haben. Eigentlich waren das für mich kleine Automaten, kleine Roboter. Denn im Insektenreich liegen ja die Gelenke weitaus sichtbarer als beim Menschen. Für mich war das gleich die Assoziation zu Bewegungsapparaturen. Da kam eines zum anderen. Da hatte ich auf einmal so ein großes Arbeitsfeld. Deswegen muss ich noch recht alt werden, um das alles bearbeiten zu können. Es ist noch so viel zu tun. Deswegen muss ich mich auch ein bisschen ran halten, dass ich auch fertig werde!“

Der in Köln lebende Max Scholl ist international bekannt. Er hat auch auf der Kunstbiennale in Venedig ausgestellt. Seine Werke werden in Fachkreisen hoch gehandelt. Und nun ist der 64-Jährige in Eupen. Das freut den Galeristen Benjamin Fleig: „Ich habe es geschafft, Max Scholz hierher zu holen, indem ich mit ihm gesprochen habe.“ Gemeinsam haben Scholz und Fleig überlegt, wie man die Räume der Galerie  „am besten knechten, am besten bespielen kann“.

„Milky Way“, so heißt die Ausstellung, die zustande gekommen ist. Der Besucher kann sich treiben lassen, der Bewegung folgen und Gedankenspiele zulassen. Eine Ausstellung als technische Spielwiese und philosophische Plattform. Für Künstler und Galerist soll im besten Fall ein Gesamtkunstwerk entstehen: „Das ist nicht einfach nur so aufgebaut“, sagt Benjamin Fleig., „das ist auch wirklich installiert. Das ist ein ständiges Verbessern. [….] Es ist eine sehr technische Ausstellung, auch eine sehr strenge. Aber in seiner Stringenz ist es auch eine sehr philosophische Ausstellung.“

Seit vier Jahren betreibt Benjamin Fleig seine Galerie im Eupener Katharinenweg. Hochwertige Kunst gibt es hier. Eines der größten Kunstwerke, die dort stehen, ist die „Leuchtspur“, eine Installation, deren Preis bei 80.000 Euro liegt. Für solche Kunstwerke finden sich auch Käufer, selbst auf der grünen Wiese in Ostbelgien. „Ich finde sowieso unsere Region ist ein kulturelles Zentrum Europas“ sagt Benjamin Fleig, „mit unseren 4,5 Millionen Menschen in der Euregio. Aber ich bin jetzt nicht die etablierte Galerie. Deshalb freut es mich, wenn so ein Künstler wie Max Scholz mich hier beehrt.“ Und weiter: „Ich bin noch jenseits von angekommen oder arriviert oder whatever.“Ankommen ist vielleicht auch gar nicht das Ziel. Denn: Die Welt ist in Bewegung, im ständigen Fluss. Kinetische Kunst eben.

Die Ausstellung „Max Scholz – Milky Way“ ist ab Samstag, dem 9. November 2019, bis zum 5. Januar 2020 in der Galerie vorn und oben in Eupen zu sehen. Jeden ersten Sonntag im Monat ist geöffnet. Und natürlich kann man Termine auf Vereinbarung machen. Informationen gibt es auf der Internetseite der Galerie.  Und mehr zu Max Scholz findet man auf der Webseite des Künstlers.

sd/est

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