Remote Control: Louisa Clement im Ludwig Forum

Louisa Clement ist eine junge Künstlerin, die schon auf zahlreiche Ausstellungen zurückblicken kann. Für ihre Kunstwerke filmt und fotografiert sie fast ausschließlich mit dem Smartphone. Ihre Werke sind ästhetisch und sinnlich, und gleichzeitig von ernsten gesellschaftspolitischen Hintergründen geprägt.

"Remote Control": Neue Ausstellung von Louisa Clement im Ludwig Forum (Bild: Katja Engel/BRF)

Bild: Katja Engel/BRF

Mit ihren 32 Jahren ist die Künstlerin Louisa Clement ein Kind des digitalen Zeitalters und blickt gleichzeitig mit einer gewissen Distanz auf die digitalen Medien.

Im Ludwig Forum in Aachen stellt Louisa Clement bis Ende Januar 2020 130 Fotografien, Skulpturen und Videos aus den letzten fünf Jahren aus. Ihre Ausstellung hat sie „Remote Control“ (Fernsteuerung) genannt. Die Künstlerin beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern der Mensch „ferngesteuert“ ist.

„Was formt mich? Was steuert mich im Grunde? Und wie sehr bin ich vom Digitalen ferngesteuert? Bin ich analog anders unterwegs? Wir haben den Titel gewählt, weil es immer wieder um die Frage geht, wer hier was lenkt und wo das hingeht“, sagt Louisa Clement.

Privat ist die Künstlerin nicht in den digitalen Medien unterwegs. Facebook und Co nutzt sie nur beruflich. Ganz im Gegensatz zum Smartphone, das für Louisa Clement ein Alltagsgegenstand ist. „Gerade dadurch, dass ich sehr aus dem Alltag arbeite, oder auch der konzeptuelle Ansatz für mich ein alltäglicher ist.“

„Digitalität ist eine alltägliche Sache, die jeder irgendwie betreibt. Bisher war es für mich das Logischste, das Smartphone zu nehmen. Mit dem Instrument, mit dem ich digital kommuniziere und mich digital ausdrücke, arbeite ich auch künstlerisch.“

Louisa Clement geht der Frage nach, was den Menschen in der digitalen Welt ausmacht. In ihren Arbeiten erforscht sie die Grenze zwischen Realität und Virtualität. „Was hat das alles mit der Digitalität zu tun? Wo ist der Knackpunkt, an dem ich sage: Wow, wir haben teilweise keine Verortung und keine Körperlichkeit mehr im klassischen Sinne, dass ich physisch irgendwo bin. Was macht das mit mir?“

"Remote Control": Neue Ausstellung von Louisa Clement im Ludwig Forum (Bild: Katja Engel/BRF)

Bild: Katja Engel/BRF

Das schwarze Glasfeld ist 60 Quadratmeter groß und tonnenschwer – ein erschreckendes Kunstwerk, wenn man den bedrückenden Hintergrund kennt. Eingebunden in die Glassteine ist Sarin, das im Syrien-Krieg viele Menschen getötet hat. „Das Material ist im Grunde das Giftgas Sarin, das 1913 in Deutschland erfunden worden ist. Über unerklärliche Wege ist es nach Syrien gelangt und wurde von Assad auch gegen seine eigene Bevölkerung eingesetzt.“

Ein Tunnel, genannt Schmerzraum, ist eines der jüngsten Kunstwerke. Dieser Raum ist mit einer Folie bezogen, die von der John Hopkins University in Baltimore entwickelt wurde. „Die haben diese Haut erfunden, die über Protesen gezogen wird, um dem Prothesenträger das Gefühl von Schmerz wiederzugeben.“

Eine Serie von Avataren gehört zur langen Liste der Kunstwerke von Louisa Clement. Wie sieht die Kommunikation aus, wenn wir uns digital begegnen? „Mein Avatar trifft den Avatar eines anderen. Ist das dieselbe Kommunikation, wie wenn ich den Menschen treffe, oder nicht? Die Missverständnisse entstehen im Digitalen schneller als im Realen. Das Sich-Entfernen und Sich-wieder-Annähern sind heute ganz schnelle Mechanismen.“

Für die Darstellung ihrer Avatare hat Louisa Clement Schaufensterpuppen verwendet: Körper, die ganz nah am Menschen sind.

Chantal Scheuren

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