Von New York nach Monschau: Fotoausstellung im KUK

Die internationale Fotoszene schaut schon länger nach Monschau. Dort hat sich das Kunst- und Kulturzentrum KUK zu einem renommierten Ausstellungsforum für Fotokunst entwickelt. Und auch dieses Mal hat es deren Leiterin Nina Mika-Helfmeier wieder geschafft, hochkarätige Arbeiten in die Eifel zu bringen: aus der Howard Greenberg Gallery in New York.

Horst P. Horst: Mainbocher Corset, Paris, 1939 ©Horst Estate/Conde Nast

Horst P. Horst: Mainbocher Corset, Paris, 1939 ©Horst Estate/Conde Nast

Eine junge Frau in einem halb geöffneten Korsett, den Rücken zum Betrachter gewandt, den Kopf leicht zur Seite geneigt in einem Spiel von Licht und Schatten – es ist eines der Fotos aus der Howard Greenberg Gallery, die besonders hängen bleiben.

Eine phantastische Modeaufnahme des deutsch-amerikanischen Fotografen Horst B. Horst, findet Kuratorin Nina Mika-Helfmeier. „Diese Aufnahme wurde so perfekt inszeniert. Die Lichtverhältnisse wurden präzise aufgearbeitet. Tagelang haben sie für diese Aufnahme gearbeitet. Eine ästhetische, erotische Aufnahme, die zeigt, dass Horst B. Horst ein Meister der Lichtfotografie war.“

Die Aufnahme aus dem Jahr 1939 ist eine von rund 120 Abzügen, die das Kunst- und Kulturzentrum KUK Monschau aus der Howard Greenberg Gallery in New York zeigt. Es ist nur eine kleine Auswahl aus dem Riesenfundus dieses Archivs. „Howard Greenberg hat vor 40 Jahren eine Galerie in Woodstock gegründet“, erklärt Nina Mika-Helfmeier. „Er war Journalist und Fotograf und hat sich zu einem der größten Galeristen der Welt etabliert. Mit 30.000 Aufnahmen ist es die größte Galerie in New York. Greenberg ist ein anerkannter Experte für Fotografie.

Ihn hat Nina Mika Helfmeier überzeugen können, eine Auswahl aus seinem Archiv in Monschau zeigen zu dürfen. Es ist ein „Sammelsurium“, das die Vielfalt der Sammlung widerspiegelt. Nicht nur ein Genre, nicht nur eine Epoche oder eine Technik, sondern die ganze Bandbreite der Fotografie. Dazu gehören neben Modeaufnahmen auch Porträts. Eine der schönsten Aufnahmen: Ingrid Bergman auf Stromboli von Gordon Parks aus dem Jahr 1949.

Helen Levitt: New York City, c.1940 © Helen Levitt Film Documents LLC. All rights reserved

Helen Levitt: New York City, c.1940 © Helen Levitt Film Documents LLC. All rights reserved

Ein weiteres Genre: die Straßenfotografie. Als bekannteste Vertreterin gilt die Amerikanerin Helen Levitt, die in den 30er Jahren New Yorker Straßen fotografierte. Ihre besondere Aufmerksamkeit galt den Kindern. „Die mit Halloween-Masken durch die Straßen liefen, waren die Stars ihrer Aufnahmen“, so Dr. Nina Mika-Helfmeier. „New York war die Bühne, das Theater, in dem sie gearbeitet hat. Diese ungezwungene freie Art der Kinder mit den Masken faszinierte sie. Die Arbeiten wirken humorvoll, aber auch ein Tick surreal. Das ist natürlich auch der Zeit der Surrealisten damals geschuldet.“

Die Ausstellung zeigt Kontraste: Fassaden aus dem Manhattan der 30er Jahre von Berenice Abbott hängen gegenüber japanischer Landschaft aus dem Jahr 1961 von W. Eugene Smith. Auf der einen Seite beschauliche Miniatur-Aufnahmen des Tschechen Josef Sudek, auf der anderen Seite Robert Capas Anprangerung von Krieg und Gewalt aus dem Jahr 1943: weinende Mütter, die um ihre Kinder trauern.

Shoji Ueda: Self-portrait with Gorilla mask, 1975 ©Shoji Ueda Office

Shoji Ueda: Self-portrait with Gorilla mask, 1975 ©Shoji Ueda Office

Ein gemeinsamer Nenner ist die humane Einstellung der Fotografen zum Leben und zu den Menschen, meint Nina Mika-Helfmeier. So wie bei dem amerikanischen Soziologen und Dokumentarfotografen Lewis Hine, „der sich für soziale Missstände in Amerika der 30er Jahre interessierte, Kinderarbeit festhielt und fotografierte und dazu beigetragen hat, dass in den 20er Jahren in Amerika eine heftige politische Diskussion geführt wurde mit dem Ergebnis, dass 1938 die Kinderarbeit verboten wurde“.

Was alle Künstler aus der Howard Greenberg Gallery verbindet ist die Faszination für die Fotografie. Die Realität aus der Perspektive eines Fotografen zu sehen – das fasziniert auch die Kuratorin Nina Mika-Helfmeier. „Mal ist das ein flüchtiger Moment wie bei Henri Cartier-Bresson, mal eine Banalität des Alltags. Dieses Moment bekommt durch eine Fotoaufnahme einen gewissen Respekt, eine Ehrung. Man verleiht diesem Moment eine respektvolle Ewigkeit.“

Mit der Ausstellung in Monschau werden die Fotografien aus der Howard Greenberg Gallery erstmals und auch einmalig in Deutschland gezeigt – bis zum 22. September. Danach geht sie nach Paris und Avignon.

Michaela Brück

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