Neu im Ludwig Forum: „Lust der Täuschung – von antiker Kunst bis zur Virtual Reality“

Realität und Illusion liegen oftmals nah beieinander - das wussten schon die alten Ägypter und das macht sich heute auch die moderne Medienkunst zunutze. Der "Lust der Täuschung" in der Kunst widmet sich jetzt eine neue Ausstellung im Ludwig Forum. Am Donnerstagabend wird sie eröffnet.

Bild: Melanie Ganser/BRF

Bild: Melanie Ganser/BRF

Ein Seidenhemd, das in Wahrheit aus Marmor ist, ein Salatkopf, der sich als Terrine entpuppt oder ein Geldbündel, mit dem man nirgendwo zahlen kann, da es aus Holz ist – die neue Ausstellung im Ludwig Forum führt uns beispielhaft vor Augen, wie leicht wir doch zu täuschen sind. Ein Thema, das in Zeiten von digitaler Bildbearbeitung und Fake News aktueller denn je erscheint. „Natürlich ist das Thema im Grunde immer aktueller geworden, denn wir alle leben ja heute in einer Welt, die geprägt ist von Fake News, postfaktischem Wissen“, sagt Andreas Beitin, Direktor des Ludwig Forums.

„Im alltäglichen Leben ist es natürlich eher enttäuschend, wenn man getäuscht wird. Im Sprachgebrauch ist die Enttäuschung ja auch eher negativ konnotiert. Bei uns in der Ausstellung wollen wir aber zeigen, dass die Täuschung – zumindest in der Kunst – Spaß machen kann“, so Beitin weiter. „Sie soll aber auch die Wahrnehmung schärfen, sodass man sich im Klaren darüber wird, dass viele Bilder, die man heute sieht, eben nicht echt sind, sondern gefakt. Insofern hat die Ausstellung – auch über die Kunstwerke hinaus – eine großen Mehrwert.“

Schon seit der Antike versuchen Künstler, unsere Wahrnehmung zu täuschen. Und auch die alten Ägypter verstanden es bereits, uns hinters Licht zu führen. Davon zeugt auch eine altägyptische Scheintür. Mit 4.500 Jahren ist sie das älteste Objekt, das jemals im Ludwig Forum ausgestellt wurde. „Es ist tatsächlich unser ältestes Exponat und ich finde es besonders faszinierend, weil es im Grunde genommen eine doppelte Täuschung biete: zum einen ist es eine Scheintüre, das heißt sie tut so, als wäre sie eine Öffnung in einen anderen Raum, was de facto aber nicht der Fall ist“, so Beitin.

„Zum anderen gibt es die materielle Täuschung: Sie sieht aus als wäre sie aus Holz, ist aber aus Stein, um die Jahrtausende zu überdauern. Und damit beginnen wir auch unseren Parcours hier durch die Ausstellung, weil es uns wichtig war den Bogen zum Illusionismus und Schein in der Kunst von der Antike bis zur Gegenwart zu schlagen.“

Das alte Ägypten auf der einen, moderne Medienkunst auf der anderen Seite – die neue Ausstellung im Ludwig Forum bietet eine Zeitreise durch vier Jahrtausende. Gezeigt werden rund 100 Werke, darunter Beispiele aus den Bereichen Malerei, Skulptur, Fotografie, Video und Virtual Reality.

„Ich persönlich finde vor allem die Virtual-Reality-Arbeiten spannend, weil es ein ganz neuer Erfahrungsraum ist. Man sieht daran auch, wie sich die Wahrnehmung von Menschen verändert. Am Ende des 19. Jahrhunderts sind Menschen noch weggelaufen, als sie einen Film gesehen haben, wo ein Zug auf sie zuzukommen schien. Heute würde das keinen mehr schockieren. In 20 Jahren werden die Virtual-Reality-Arbeiten vielleicht auch niemanden mehr schockieren, heute sind sie aber doch noch sehr faszinierend.“

Bestes Beispiel dafür ist eine Arbeit der Gruppe ToastVR: Bei „Richie’s Plank Experience“ sind wirklich starke Nerven gefragt: „Es ist unglaublich real, wenn man sich die Brille aufsetzt. Man fährt mit einem Fahrstuhl, steigt aus auf 160 Meter Höhe und vor einem öffnet sich der Schlund einer Großstadt“, erklärt Beitin. „Die ganz Mutigen springen sogar runter – virtuell natürlich nur – und haben dann das Erlebnis von 160 Metern im freien Fall.“

Auf die Probe gestellt wird unsere Wahrnehmung auch beim Korridor von Monika Sosnowska. Der vermeintlich lange Weg verkleinert sich so schnell, dass man schon nach wenigen Metern nicht mehr weiter kommt.

Eindrucksvoll auch die Skulptur „Groß und Klein“ von Markus Raetz, bei der je nach Blickwinkel aus der Weinflasche ein Glas und aus dem Glas eine Weinflasche wird.

Mehr als zwei Jahre lang wurde die Ausstellung in Zusammenarbeit mit der Kunsthalle München vorbereitet. Dort war sie bereits ein großer Publikumsmagnet. In Aachen setzt man aber auch eigene Akzente: „Wir haben die Auswahl an historischen Werken ein bisschen reduziert und uns mehr auf die zeitgenössische Kunst konzentriert. Außerdem haben wir unsere eigenen Werke aus der Sammlung von Peter und Irene Ludwig stärker in den Fokus gerückt, sodass wir auch hyperrealistische Skulpturen zeigen.“

Für Direktor Andreas Beitin ist es übrigens die letzte Ausstellung: „Ich wechsele zum 1. April zum Kunstmuseum Wolfsburg und ich freue mich, dass ich mit einer hoffentlich erfolgreichen Ausstellung einen guten Schlussakkord gesetzt habe.“

Die „Lust der Täuschung – von antiker Kunst bis zur Virtual Reality“ ist noch bis zum 30. Juni im Ludwig Forum in Aachen zu sehen.

Melanie Ganser

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