„Rebel“ von Adil & Bilall – ihr persönlichstes Projekt

In den belgischen Kinos läuft am Mittwoch ein Film an, der in der flämischen Presse als "unglaublich klug" (Humo) und "unbedingt sehenswert" (VRT) gelobt wird. Obwohl er schockiert - darin sind sich die Kritiker einig. "Rebel" heißt der Film. Es ist das neueste Werk der flämischen Regisseure Adil El Arbi und Bilall Fallah.

Bilall Fallah und Adil El Arbi bei der Premiere von "Rebel" (Bild: Nicolas Maeterlinck/Belga)

Bilall Fallah und Adil El Arbi bei der Premiere von "Rebel" (Bild: Nicolas Maeterlinck/Belga)

Der amerikanische Regisseur Oliver Stone beglückwünschte Adil El Arbi und Bilall Fallah – kurz Adil & Bilall, wie sie sich in Hollywood nennen – höchstpersönlich in einer E-Mail. „Rebel“ sei ein „sehr starker Film“, schrieb Stone, der in seiner bisherigen Karriere drei Oscars gewann, unter anderem für den Kriegsfilm „Platoon“.

Ein Kriegsfilm ist „Rebel“ auch, genauer gesagt ein Anti-IS-Film. Erzählt wird die Geschichte von Kamal, einem jungen Mann aus Molenbeek, der wegen einer Drogensache von der Polizei gesucht wird. Seine Mutter setzt ihn deshalb vor die Tür und er beschließt, nach Syrien abzuhauen.

In Syrien herrscht Krieg, und schnell wird Kamal von Mitgliedern der Terrororganisation Islamischer Staat rekrutiert und nach Rakka geschickt. Man setzt ihn als Kameramann für Propagandavideos ein. Ehe er seine Lage richtig begreift, sitzt er dort fest. Mit Kamal als Köder gelingt es einem Anwerber des IS, seinen jüngeren Bruder Nassim dazu zu bringen, ebenfalls nach Syrien zu reisen.

„Rebl“ als Antwort

Fünf Kinostreifen haben der 33-jährige Adil El Arbi und sein 31-jähriger Studienfreund Bilall Fallah bereits gedreht. „Rebel“ bezeichnen sie als ihren bisher persönlichsten Film. Ein Film, den sie machen mussten, weil sie als Muslime mit marokkanischen Wurzeln in Belgien oft gefragt werden, was sie von den Terroranschlägen in Europa oder dem Syrienkrieg halten. „Rebel“ sei ihre Antwort darauf, sagt Adil El Arbi im flämischen Sender VRT.

Adil und Bilall haben nach eigenen Angaben selbst erlebt, wie junge Menschen aus ihrer Umgebung nach Syrien gegangen sind. Gerade als Filmemacher kennen sie die Propagandastrategie der islamistischen Terroristen und wie diese sich westliche Unterhaltungsmedien zunutze machen: Hollywood-Ästhetik, Bilder von Abenteuern und Kameradschaft, Actionszenen gedreht mit einer GoPro-Kamera wie für ein Videospiel. So locke der IS junge Leute in die Falle, sagt Bilall Fallah.

Diese brutale Bildsprache macht auch „Rebel“ aus. Dadurch, dass Hauptdarsteller Kamal in Syrien die Propagandavideos für den IS dreht, bietet sich den Kinozuschauern ein Blick hinter die Kulissen. Sie erleben, wie methodisch die Terroristen beim Casting vorgehen und wie kalt sie Dreharbeiten abwickeln. Das mache die Story noch grausamer und ungeheuerlicher, sagt Bilall.

„Das ist unser Platoon“

„Rebel“ bewegt sich zwischen Horrorfilm und Hollywood. Dabei trägt der Film eindeutig die Handschrift der beiden Regisseure. Adil und Bilall haben den Mut zu verfremden: Sie durchbrechen Action- und Gewaltszenen mit Musikeinlagen. Plötzlich wird gerappt, gesungen und getanzt – und das genau so, wie es der IS verbietet, mit durchdachter Choreografie und ausgestrecktem Mittelfinger.

Adil El Arbi und Bilall Fallah wollen mit „Rebel“ eine Botschaft übermitteln. Mit schockierenden Bildern und ohne Rücksicht auf die Befindlichkeiten der Zuschauer wollen sie die Methoden des IS entlarven und seine Anziehungskraft schwächen. „Es ist ein Film über einen Krieg, der uns nahe geht“, sagte Bilall in der VRT. „Das ist unser ‚Platoon'“.

Zu sehen ist der Film ab Mittwoch in den belgischen Kinos.

hvl/libre/rtbf/vrt/jp