"Heiliger Lucky!" lautet der Titel des neuen Lucky-Luke-Bandes. Unser Cowboy will gerade wieder einmal gemütlich in den Sonnenuntergang reiten, da wird er mir nichts dir nichts in ein neues Abenteuer verwickelt. Dank einer eigentlich ganz gewöhnlichen Lucky-Luke-Heldentat entsteht plötzlich ein Heiligen-Kult um den einsamen Cowboy, eine wahre Religion: der Lukismus. Ganz gegen den Willen von Lucky Luke selbst. Der will von dem Kult um seine Person nichts wissen, versucht ihm zu entfliehen – und so nimmt die Geschichte ihren Lauf.
Verantwortlich für diesen neuen Lucky Luke, nach Zählung des deutschen Egmont-Verlags Band 103, sind die beiden französischen Comicautoren Jul und Achdé, die auch schon die letzten Lucky-Luke-Abenteuer zusammen entworfen haben. Ihnen gelingt es in diesem Band erneut hervorragend, das Universum des Lucky Luke ganz in der Tradition von Morris und dem langjährig mitverantwortlichen Szenaristen René Gosciny weiterzuführen und trotzdem mit neuen Elementen aktuell für die Gegenwart zu gestalten.
Im neuen Band tauchen deshalb – natürlich, muss man fast schon sagen – auch wieder die berühmten Daltons auf, wenn auch nur wirklich am Rand, und wird auf andere Figuren aus alten Lucky-Luke-Geschichten verwiesen wie Lulu Carabine oder den chinesischen Wäschemann Ming Li Fu. Die Badewanne für unseren Cowboy darf nicht fehlen, und auch im neuen Band spielen historische Tatsachen eine Rolle, unter anderem die Heuschreckenplage von 1874 in Kansas, wie in einem kurzen Nachwort erklärt wird.
Anspielungen auf die Gegenwart fehlen aber auch nicht. So bricht in "Heiliger Lucky!" zum Beispiel eine Epidemie aus, die an die Corona-Zeit erinnert und zu in Verbindung mit den Masken der Indianer zu lustigen Szenen führt.
Am Ende reitet Lucky Luke auch wieder – natürlich! – dem Sonnenuntergang entgegen und stimmt sein altbekanntes Lied an "I'm a poor lonesome Cowboy and a long way from home…".
Überraschend ist, dass dieses neue Abenteuer von Lucky Luke auf dem deutschen Büchermarkt schon drei Tage vor der Veröffentlichung in Belgien erscheint. Unter deutschen Comic-Fans scheint sich Lucky Luke allerdings auch einer großen Beliebtheit zu erfreuen, was den Rummel um den einsamen Cowboy im Vorfeld des neuen Comics erklärt.
Zum 80. Jubiläum von Lucky Luke ist im Berliner Museum für Kommunikation zum Beispiel jetzt eine Ausstellung mit 80 Original-Comicseiten von Morris zu sehen; die Botschaft Wallonie-Brüssel-Ostbelgien hat vor wenigen Tagen in Berlin einen eigenen Lucky-Luke-Nachmittag veranstaltet; die deutsche Zeitung "Welt am Sonntag" hat ihre vorletzte Ausgabe von vorne bis hinten mit Lucky-Luke-Zeichnungen ausgeschmückt.
Und der deutsche Verlag der Lucky-Luke-Abenteuer feiert den Cowboy bereits das ganze Jahr über mit der Veröffentlichung von zwei Hommage-Bänden, einem Interviewband, jetzt dem neuen Abenteuer und in ein paar Tagen mit der Übersetzung einer Art Tagebuch über die Dreharbeiten zum jüngsten Lucky-Luke-Film.
Dabei ist der genaue Geburtstag von Lucky Luke nicht so einfach zu bestimmen. Die allerersten 20 Seiten eines Lucky-Luke-Abenteuers waren im "L'Almanach de Spirou 1947" erschienen. Der Almanach wurde aber schon am 7. Dezember 1946 veröffentlicht, weshalb das Jahr 1946 als das Geburtsjahr von Lucky Luke gilt.
Mit mittlerweile rund 300 Millionen verkaufter Exemplare seiner Abenteuer gilt Lucky Luke als erfolgreichster franko-belgischer Comic weltweit.
Comic-Details
Achdé/Jul, Lucky Luke Band 103: Heiliger Lucky!
Berlin 2026
Egmont Verlag
48 Seiten
Hardcover 15 Euro - Softcover 8,99 Euro
Kay Wagner