Mara und Joshua sind ein Paar. Doch bei einem Autounfall wird Joshua so schwer verletzt, dass er ins Koma fällt und keine Chance hat, mehr ins Leben zurückzukommen. Bevor die Geräte aber ausgeschaltet werden, die ihn am Leben halten, wird sein Gehirn in einem medizinischen Institut gescannt und die Daten einer KI zur Verfügung gestellt.
Weiterleben im tragbaren Computer
Über die KI soll Joshua weiterleben - zumindest für Mara. Über ihren tragbaren Computer kann sie Joshua weiter in ihrem Leben behalten, ihn überallhin mitnehmen, wohin sie will. Joshuas Bild erscheint auf dem Bildschirm, und er spricht und kommuniziert mit Mara genauso wie vor seinem Tod.
Wirklich? Diese Frage steht im Zentrum des Comics - und führt weiter zu den universellen Fragen, die der Comic behandelt. Was können und wollen wir alles mit KI machen? Ist es sinnvoll oder nicht, mit ihr den Tod überwinden zu wollen?
Nicht immer gradlinig erzählt
Die Autoren des Comics sind die beiden deutschen Comic-Künstler Julia Zejn und Matthias Lehmann. Sie entwerfen ein Werk, bei dem Story und Bilder sehr stimmig zusammenpassen. Die Tusche-Zeichnungen sind - dem Thema angemessen - den ganzen Comic über in schwarz-weiß gehalten. Sie schaffen es, neben der oberflächlichen Geschichte auch Gefühle, Zweifel, Ängste, Sorgen - kurz: das Innenleben der Personen für den Leser erlebbar zu machen.
Die Geschichte wird nicht immer gradlinig erzählt ist, sondern arbeitet auch mit Rückblenden. Manchmal fließen Szenen fast unmerklich ineinander über. Auch diese Stilmittel tragen dazu bei, den ganzen Comic zu einem gelungenen Gesamtwerk zu machen, das sensible und tiefreichende Fragen aufwirft, ohne unbedingt Antworten zu liefern.
Der Comic
Julia Zejn, Matthias Lehmann, Die Summe seiner Teile, Berlin 2026, Verlag Reprodukt, 120 Seiten, 20 Euro.
Kay Wagner