Wenn Henri Kreklow zeichnet, tut er das auch, um seine eigenen Erfahrungen zu verarbeiten. Sein Vater ist 1933 geboren, war also gerade mal sechs Jahre alt, als der Krieg begann. "Wenn er zuhause etwas getrunken hatte, hat er immer im Schlaf geheult und geschrien. Das hat auch mir manchmal den Schlaf geraubt", erzählt Kreklow.
"Die Folgen des Zweiten Weltkriegs für meinen Vater haben also auch mich getroffen. Sie haben einen Teil meiner Kindheit geprägt und deswegen habe ich mich damit auseinandergesetzt. Ich wollte wissen, was da war - und je mehr ich mich eingelesen habe, desto mehr Dinge habe ich entdeckt, die man nicht vergessen sollte. Man sollte das alles nicht vergessen, deswegen mache ich die Bücher."
Um seine Bilder zu gestalten, kehrt Kreklow gern an die historischen Originalschauplätze zurück. Einer davon ist der Grenzübergang Köpfchen. 1944 hätte man hinter dem Zollhäuschen den Pelzerturm erkannt. Der Namensgeber des neuen Comics stand im Wald zwischen Hauset und Aachen und war ein strategischer Aussichtspunkt. "Es war der erste Militärstützpunkt auf deutschem Boden, der von den Alliierten eingenommen wurde. Und zwar kampflos."
Um Aachen zu befreien, nutzten die amerikanischen Soldaten das ostbelgische Hinterland. Viele ehemalige Bauern können heute noch davon erzählen. Einige hat Kreklow für sein Buch interviewt, zum Beispiel die Familie Radermacher. Ihr Hof liegt in Hauset. Früher sah man auch von hier den Pelzerturm auf seiner Hügelkuppe.
Die Mutter von Hanneliese Hick-Radermacher hat die Amerikaner in ihren Panzern über die Wiesen Richtung Hof rollen sehen. "Sie hatten natürlich furchtbare Angst, aber zum Glück konnte ein Soldat etwas Deutsch. Er hat dann gefragt, wer hier wohnt. Da hat meine Mutter gesagt: meine Mutter, meine Schwester und ich. Der Soldat hat sich dann die Räumlichkeiten angesehen und gesagt: ihr oben, wir unten", erzählt ihre Tochter.
Diese kollektive Erinnerung lässt Kreklow in seinen Bildern wieder aufleben. Für sein Buch arbeitet der Autor schon zum zweiten Mal mit Verleger Alexander Samsz. "Ich mag seinen Stil, den schnellen Strich, das Cartoonhafte. Ich kann mich an den Bildern gar nicht satt sehen und ich denke, viele Menschen werden das auch merken."
Ein Comic sei ideal, um Geschichte zu vermitteln, besonders an Jugendliche, findet Kreklow. Dabei muss er immer den Spagat schaffen zwischen einer guten Geschichte und den historischen Fakten. "Das ist keine historische 'graphic novel', sondern ein Comic. Und das ist ein schwieriger Spagat, weil der Leser hier Unterhaltung erwartet. Und mit dem Zweiten Weltkrieg zu unterhalten, das ist nicht so einfach, ohne dass jemand etwas dagegen hat", so der Autor.
Zum Buch soll es auch eine Ausstellung geben. Die Ausstellung "Der Pelzerturm – Graphic Novel, Krieg und Befreiung 1944" startet am 19. September im ZVS-Museum in St. Vith. Der Comic dazu ist im "Nonplusultra Verlag" erschienen, kostet 15 Euro und ist in verschiedenen regionalen Buchhandlungen erhältlich.
Anne Kelleter

