"Ich hatte grundsätzlich schon immer den Gedanken, dass ich gerne mal in entweder den Niederlanden oder Belgien studieren möchte, weil ich die Länder immer irgendwie schön fand, mich da wohlgefühlt habe, wenn ich dort gereist bin. Und dann ist es Brüssel geworden eben auch, weil der franco-belgische Bezug zu Comics mehr präsent ist und weil es da eben auch einfach Studiengänge gibt, die sich auf Graphic Story Telling fokussieren", erklärt Nele Jongeling, was sie dazu bewogen hat, nach einem Bachelor im Kommunikationsdesign aus Düsseldorf nach Brüssel zu ziehen, um dort einen Masterstudiengang an der Sint Lukas School of Arts zu absolvieren.
Ihr Ziel war es, sich in der Kunst des Comiczeichnens zu spezialisieren. "Ich habe mich darauf gefreut, andere Comiczeichner und -zeichnerinnen kennenzulernen und wirklich umgeben zu sein von anderen, die auch Comics zeichnen, gemeinsam voneinander lernen, miteinander arbeiten, sich inspirieren zu lassen. Ich habe mich sehr auf diesen Austausch gefreut."
Die Covid-Pandemie sorgte dafür, dass dieser Austausch mit den anderen Studierenden nicht so intensiv stattfinden konnte wie eigentlich geplant. Trotzdem verlief der Aufenthalt in Brüssel für Jongeling erfolgreich. Ihre Studienprojekt "Emil:ia" erschien als Graphic Novel 2022 - sowohl in einem deutschen als auch in einem belgischen Verlag.
Jetzt liegt das neue Werk der 30-Jährigen vor, die mittlerweile wieder in Düsseldorf wohnt: "Ich will nicht arbeiten". "In dem neuen Comic geht es um eine Fernsehsendung, Projekt Traumjob, in der Teilnehmende ihren Traumjob gewinnen können. Die Hauptfigur, Edith Feder, die möchte eigentlich gar nicht arbeiten, und nimmt deswegen an dieser Sendung teil, um irgendwie einen Job zu finden, der ihr vielleicht doch Spaß macht. Sie muss dann aber in dieser Sendung mit den anderen Teilnehmenden ganz viele Challenges überwinden, und Einzelinterviews mit der Moderatorin durchführen, um irgendwie diesen Job zu bekommen."
Frau Feder hat einen schlanken menschlichen Körper, aber einen Hals und einen Kopf, die entfernt entweder an einen Schwan oder eine Giraffe denken lassen. Auch die anderen Figuren in der Graphic Novel haben Tierköpfe. "Für mich ist das auch eine Möglichkeit, Humor zu integrieren in Geschichten, die sich teils auch mit ernsten Themen befassen. Das ist auch etwas, was ich in Brüssel auf jeden Fall vertieft habe, dieses Zeichnen von Tieren, und halb Tier, halb menschliche Figuren."
Tatsächlich ist es oft humorvoll, wie die Graphic Novel verschiedene Aspekte rund um das Arbeiten, den Willen oder Nichtwillen zum Arbeiten und die verzweifelte Suche nach Arbeit in Bildern und Worten thematisiert. Oft ist dieser Humor allerdings vermischt mit einer gehörigen Portion Bitterkeit. Denn die Graphic Novel ist auch ein Spiegel dafür, wie unsere Gesellschaft mit Menschen umgeht, die auf der Suche nach Arbeit sind - denen man aber nicht wirklich eine faire Chance gibt, ihren Traumjob zu finden.
"Ich denke, dass jede Person, die irgendwie ab und zu einmal denkt: Boah, ich habe keine Lust zu arbeiten, spricht der Titel des Buchs schon mal sehr an. Und ich denke, dass es viele Menschen in der Arbeitswelt irgendwo auch erreicht, oder auch Menschen, die nicht in der Arbeitswelt sind. Eben weil es da Problematiken gibt oder Herausforderungen. Für die ist das auf jeden Fall interessant."
Ausführliches Radio-Interview mit Nele Jongeling im Player:
Nele Jongeling, Ich will nicht arbeiten, Verlag Reprodukt, Berlin 2026, 304 Seiten, 29 Euro.
Die französische Übersetzung ist erschienen als:
Nele Jongeling, Je ne veux pas travailler, Verlag L’employé du moi, Brüssel 2026, 304 Seiten, 28 Euro.
Kay Wagner