Eine Liebesgeschichte zwischen Joséphine, der Ehefrau Napoleons, und dem Aachener Architekten Jakob Couven - das klingt nach einer historischen Sensation. Im neuen Roman von Marcel Bauer spielen angebliche Briefe eine zentrale Rolle. Sie sollen die Beziehung der beiden belegen. Nur: Diese Briefe hat es nie gegeben. Sie sind frei erfunden.
Was hingegen stimmt: Joséphine hielt sich tatsächlich längere Zeit in Aachen auf. Genau diese Mischung aus belegten Fakten und erzählerischer Freiheit macht den Reiz des Romans aus.
Erfundene Geschichten mit historischem Kern
Marcel Bauer war viele Jahre als Journalist tätig. Und dieser Hintergrund prägt auch seine Arbeit als Autor. "Als Journalist ist man immer gebunden, sich an die Fakten zu halten. Alles frei zu erfinden, liegt mir nicht. Und ich meine, dass die Realität spannender ist als die Fiktion. Wenn ich dann eine Fiktion schreibe, muss sie sehr nah an der Wirklichkeit sein", sagt er.
Jakob Couven: Ein unterschätzter Architekt
Die Idee zu seinem Roman kam Marcel Bauer über eine historische Figur, über die so gut wie nichts bekannt ist: Jakob Couven. Marcel Bauer hat mehrere Bücher über den Vater verfasst. Dabei wurde sein Interesse für den Sohn des berühmten Baumeisters geweckt, der oft im Schatten seines Vaters steht- zu Unrecht, findet Bauer.
"Jakob Couven wird masslos unterschätzt. Wenn Sie heute durch Aachen spazieren, Couven-Stadt, Couven-Museum, was noch da steht nach dem 2. Weltkrieg, sind im Wesentlichen Werke von Jakob Couven - wie das alte Kurhaus, das heutige Museum. Auch in Eupen wird immer nur Johann Joseph Couven erwähnt, obwohl zum Beispiel das Haus Grand Ry, der heutige Regierungssitz, von Jakob Couven ausgeführt wurde."
Zwei Jahre Recherche - und eine Geschichte, die sich verändert
Zwei Jahre hat Marcel Bauer für den Roman recherchiert und viele neue Fakten zutage gefördert. Beim Schreiben hat sich die Geschichte weiterentwickelt.
"Das ist ein interessanter Prozess. Man hat ursprünglich eine Idee, und meint, die entwickle ich und baue sie aus. Und beim Schreiben und Recherchieren merkt man, da stimmt etwas nicht. Oder ein ganz neuer Aspekt kommt hinzu. Dann entgleitet Ihnen die Geschichte, sie verselbstständigt sich. Das Endprodukt ist immer etwas anderes als die ursprüngliche Idee."
Aachen und (Ost-)Belgien als Schauplätze
Wer sich für Regionalgeschichte interessiert, dürfte hier auf seine Kosten kommen. Der Roman spielt nicht nur in Aachen, sondern auch in Ostbelgien. Jakob Couven reist darin unter anderem durch Henri-Chapelle. Und Joséphine, bekannt für ihre Leidenschaft für Blumen, bekommt im Buch sogar Galmeiveilchen aus Kelmis geschenkt.
Ein Roman also, der Geschichte und Fantasie bewusst vermischt -
und seine Leser dazu einlädt, selbst herauszufinden, wie viel Wahrheit darin steckt.
"Die Rosenkaiserin und ihr Kurschatten"
Historischer Roman von Marcel Bauer
278 Seiten
ISBN/GTIN 978-3-89801-491-5
Verlag Rhein-Mosel-Verlag
Gaby Zeimers
