In Malmedy kennt sich Armin Foxius aus. Die ganze Stadt war als Kind sein "Auslauf", wie er sagt, sein eigener Kosmos. "Hier bin ich Mensch geworden. Ja, alle grundständigen Erfahrungen, die man als kleines Kind und dann Heranwachsender lernt, haben hier stattgefunden. Es hätte auch eine ganz andere Stadt sein können, aber es war eben Malmedy. Und deswegen ist meine persönliche Menschwerdung malmédisch."
Geboren ist Armin Foxius 1949 in Köln, wo er auch als Erwachsener leben sollte, wo er als Lehrer unterrichtete. Aber die Stadt seiner Kindheit hat es ihm in vielerlei Hinsicht angetan. Vieles hat sich verändert seit den 1950er Jahren. Überall aber stößt Armin Foxius auf persönliche Verbindungen wie bei dem Jugendstil-Gebäude in der Bahnhofstraße, dem früheren Sitz der Finanzverwaltung und einstigen Hotel in Familienbesitz. "Da waren vor dem Ersten Weltkrieg noch zwei Tennisplätze dahinter, das war ein vornehmes Haus und das hier ist die Tischglocke von der Rezeption. Die hat dann meine Großmutter mitgenommen in die Neustraße, als das Hotel verkauft werden musste, und über meinen Vater kam es zu mir und jetzt mach ich immer: Bing!"
In der Neustraße oder Rue Neuve 4-6 lag das Doppelhaus, in dem schon sein Urgroßvater Remaclus Foxius eine Warenhandlung führte. Später versuchte sein Urenkel Armin, von der Haustürschwelle aus die Welt zu erfassen. "Auf diesem Stein habe ich als Kind immer gesessen, auf dem Dörpel. Und da ist noch der Briefkasten mit der Aufschrift 'Briefe und Zeitungen' ... Und wir haben auf der ersten Etage gewohnt oder wie man damals sagte: Bel Etage..."
Geprägt worden ist Armin Foxius in seiner Kindheit vom unkomplizierten Neben- und Miteinander der Sprachen in Malmedy. "Die Familie meines Vaters stammt von hier. Meine Mutter kommt aus Köln, und so bin ich quasi bilingual aufgewachsen. Dazu kommt noch die Variante des Wallonischen und durch meine Mutter und meine Großmutter noch das Kölsche dazu. Das war so ein fließender Übergang. Man kommunizierte miteinander. Wie das so ist. Und ich war immer einer, der gerne gequatscht hat."
Prägende Kindheitserfahrungen fand Armin Foxius aber nicht nur in Malmedy, sondern auch bei Ferienaufenthalten in Ondenval. Später sollte er sich im Musikunterricht daran erinnern, bei "Peter und der Wolf". "Beim Hören stellten sich direkt Bilder ein: Landschaft, Haus, Garten. Musik und Erzählung waren ganz konkret, alles spielte bei Frau Binz und Cecile, den guten alten Bekannten und Freunden der elterlichen Familie in Ondenval, bei Weismes, bei Malmedy, wo man wohnte. Der Transfer russische Provinz zu einer in den Ardennen gelang dem Kind, das der Autor damals war, problemlos."
Wegen des Journalistenberufs seines Vaters zog die Familie weiter - zunächst, 1957, nach Eupen, wo Armand Foxius Chefredakteur der "Neuen Nachrichten" wurde. Armin Foxius schreibt seine Erfahrungen als Kind so nieder: "Als wir in der Unterstadt ausstiegen, sprachen in der Hütte, wie unsere Straße hieß, alle Menschen Deutsch. Was war das denn? Die Nachbarn und die in den Läden sagten, ich spräche ja richtig Deutsch, obwohl ich doch aus Malmedy käme. Da fing das erste Mal an, dass die Leute keine Ahnung hatten."
Ein zweites Mal hatte Armin Foxius diesen Eindruck, als er 1959, knapp zehnjährig von Belgien in die deutsche Eifel zog, nach Bad Münstereifel. "Die wussten, es gibt Belgien, aber die kannten die sprachliche Situation hier nicht. Und wie man zu einem Italiener sagt, den man kennenlernt: Sag mal einen Satz auf Italienisch! Als die hörten: Der Armin ist Belgier, sagten die: Sprich mal belgisch!"
Genau so hat Armin Foxius den dritten Band seiner Lebenserinnerungen genannt, der in seinem Lebenslauf eigentlich der erste ist. Neben seinen frühen Wohnorten Malmedy und Eupen kommen darin auch andere belgische Orte vor. "Ich habe auch die Staatsbürgerschaft beibehalten. Ich bin immer noch Belgier, habe meinen belgischen Militärdienst gemacht bei den Ardennenjägern, 'Chasseurs Ardennais' in Vielsalm. Ich bin sehr oft in Brüssel gewesen, in Ostende usw. Ich liebe das Land!" Und darum kommt er immer wieder gerne zurück in "sein" Belgien.
Stephan Pesch