Spurensuche: Bruno Kartheuser schreibt über seinen Großvater Baltes von Schlommefurth

Familiengeschichte, Heimatgeschichte, Wirtschafts- und Sozialgeschichte - das alles vereint eine neue Veröffentlichung, die Bruno Kartheuser jetzt vorgelegt hat. Das Buch mit dem Titel "Baltes von Schlommefurth" handelt im Besonderen von seinem Großvater, aber generell auch von der Lebenssituation der Menschen in der zweiten Hälfte des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Bruno Kartheuser mit seinem neuen Buch "Baltes von Schlommefurth" (Bild: Stephan Pesch/BRF)

Bruno Kartheuser mit seinem neuen Buch "Baltes von Schlommefurth" (Bild: Stephan Pesch/BRF)

Da, wo sich – trotz der vielbefahrenen Umgehungsstraße – Fuchs und Hase „gute Nacht“ sagen, ist er groß geworden: Bruno Kartheuser hat sich auf Spurensuche begeben, nach der eigenen Geschichte und der seines Großvaters Balthasar Kartheuser, für alle nur Baltes von Schlommefurth. Die Familie wohnte zusammen mit der Familie Rose in dem stattlichen Haus Nummer 1 mitten im Nirgendwo, in der Rodter Mühle.

„Hier wohnten dann zwei Familien. Ich bin 1947 hinzugekommen, habe dann hier gelebt mit meiner Mutter, meinem Bruder und meinem Großvater. Der hatte eine gewisse Aura für mich. Wir haben 14 Jahre zusammen verbracht und haben uns blendend verstanden. Das war eine starke Empathie füreinander – und keine Reden. Er hat nie Reden geschwungen und auch nicht moralisiert.“

Kartheusers Großvater Baltes stammte aus Recht, vom „Berg“ – so wie sich der Ortsteil heute noch vom „Dorf“ abhebt -, denn sein Vater Hubert war Steinhauer und arbeitete in den nahegelegenen Gruben am Waldrand. „Jedenfalls hatten die alle auch eine kleine Landwirtschaft, aber es war ein eher armes Leben. Das erklärt mir auch, warum Baltes es hier nicht richtig aushalten wollte. Er hat sich dann oft im Sommer in der Heuzeit verdingt, zum Mähen oder bei anderen Bauern.“

Hinlänglich bekannt ist, dass andere Steinmetze aus Tirol nach Recht zugewandert sind, wie die Familie Zangerlé, der die Mutter von Baltes, Maria Josepha, entstammte.

Aber es gab eben auch Rechter, die anderswo ihr Glück versuchten, so etwa Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts im industriell aufstrebenden Wales, in der Stadt Swansea. Johann Schommers, aus dem in der Fremde „John“ wurde, hatte sich als erster Rechter anwerben lassen – und holte Bekannte und Verwandte nach. „(Aber) das war für meinen Opa der Konnex und der Anstoß, nach Wales zu gehen. Er ist noch einmal zurückgekommen für seinen Militärdienst von 1899 bis 1901 – das waren drei Jahre damals – und ist dann einige Jahre später wieder zurückgefahren nach Wales.“

Das gehörte noch zur abenteuerlichen ersten Lebenshälfte von Balthasar „Baltes“ Kartheuser – ebenso wie sein Einsatz im Ersten Weltkrieg, über den Bruno Kartheuser aber außer der Regimentszugehörigkeit keine Unterlagen gefunden hat. Gesprochen habe sein Großvater nie darüber. Dann schon eher über den für frühere Generationen selbstverständlichen kleinen Grenzverkehr am Schnittpunkt zwischen Belgien und dem früheren Preußen.

„Wir haben den Ort Poteau als Nachbarschaft empfunden. Mein Großvater ging nicht in alle Häuser, aber in einigen war er regelmäßig anzutreffen. Das war dann hier, besonders bei einem Verwandten aus der Familie Kartheuser. Das war der alte Nicolas Kartheuser. Der ist umgezogen – hier nach Poteau, ins Ausland also. Hier gab es billiges Land zu kaufen.“

Baltes Kartheuser seinerseits hatte mit gut 42 Jahren Regina Rose geheiratet und war in der Getreide- und Sägemühle der Familie in Schlommefurth sesshaft geworden. „Das ist auch eine Neuerfindung für ihn, indem er hier heiratet. Er hat sich aber nie hier in den Sägereibetrieb eingebracht. Er legte sehr hohen Wert auf seine Selbstständigkeit. Das war Landwirt, Bauer, Holzarbeiter, Tagelöhner. Es heißt, viele Arbeiten im Dorf erledigen für andere auf Bezahlung. Das war also ein sehr stilles, ruhiges Leben.“

In seinem Buch widmet sich Bruno Kartheuser ausführlich auch der Mühlengeschichte von Schlommefurth. Damit endet Teil eins seines „Rodter Bilderbogens“. Im zweiten Teil will er sich dann der Zeit nach 1920 widmen.

Stephan Pesch