Les beaux jours de Francorchamps: Trilogie zum 100. Geburtstag der „schönsten Rennstrecke der Welt“

Es ist eine Liebeserklärung an Spa-Francorchamps: Zum runden Geburtstag blicken mehrere Autoren auf die 100-jährige Geschichte der Rennstrecke zurück. Dabei graben sie nicht nur in Archiven, sondern lassen auch Anwohner, Fahrer und Mitarbeiter zu Wort kommen und zeigen Fotos, die zum großen Teil noch nie veröffentlicht worden sind. Die Trilogie gehört in den Wohnzimmerschrank jedes Motorsportfans.

"Les beaux jours de Francorchamps" - Band zwei (Bild: Katrin Margraff/BRF)

"Les beaux jours de Francorchamps" - Band zwei (Bild: Katrin Margraff/BRF)

Diese Rennstrecke ist wie keine andere. Sie hat bewegte Zeiten durchgemacht, immer wieder ihr Gesicht verändert – das ist auch momentan der Fall, mit den Vorbereitungen für das 24-Stunden-Rennen für Motorräder und dem kompletten Neubau der Tribünen an der alten Start- und Zielgeraden.

Francorchamps ist einfach die schönste Rennstrecke der Welt. „Und dieser Titel kommt ja schließlich nicht von uns Menschen aus der Region“, erklärt Autor Claude Yvens. „Er ist der Strecke damals von den Fahrern selbst verliehen worden. Und der Titel blieb auch nach dem Umbau 1978-79. Zum 100. Geburtstag wollten wir der Rennstrecke ein Denkmal setzen.“

Autor Christophe Gaascht ist in Meiz aufgewachsen – einem der Dörfer, das innerhalb der alten Rennstrecke liegt. Die Begeisterung für das Thema ist ihm also in die Wiege gelegt worden. „Ich bin 1965 geboren und habe als Kind schon alles aufgesogen, was mit der Rennstrecke zu tun hat. Mein Leben lang hat die Rennstrecke mich magisch angezogen“, erzählt er.

Claude Yvens hat sich unter anderem in Zeitungs-Archiven vertieft und tatsächlich noch Neues ausgegraben. Zum Beispiel die genaue Entstehungsgeschichte des Raidillon und wer der berühmtesten Kurve der Welt überhaupt ihren Namen gegeben hat. Ein Name, an dem ausländische Journalisten immer wieder verzweifeln, weshalb sie lieber auf die Bezeichnung „Eau Rouge“, eigentlich die untere Kurve, zurückgreifen. Spoiler: Es war Jacques Ickx, der Vater von Jacky Ickx, was sogar Jacky Ickx selbst überhaupt nicht wusste.

Geschichte des Raidillon

Dass es den Raidillon überhaupt gibt, ist eine Kombination aus dem typischen Wetter – was auch dieses Jahr bei der Formel 1 wieder zugeschlagen hat – und einer Versicherungsprämie. Mehr will Claude Yvens nicht verraten, um dem Leser nicht die Vorfreude zu nehmen. Denn es sind diese Geschichten, die das Buch so besonders machen.

„Das hat mir am meisten Spaß gemacht bei der Recherche: Solche Geschichten auszugraben, die längst in Vergessenheit geraten sind.“ Entdeckt hat Yvens die Entstehung der Raidillon-Kurve in einer Zeitung aus dem Jahr 1938. „Wer mir sagt, dass er diese Geschichte schon kannte, der bekommt sein Geld zurück“, verspricht Yvens.

Neben den wiederentdeckten Geschichten macht den zweiten Band der Jahre 1957 bis 1978 vor allem eines aus: Fotos, die noch nie veröffentlicht wurden. 90 Prozent der Bilder sind nach Angaben der Autoren noch nie zu sehen gewesen. Aufgetrieben hat sie Christophe Gaascht unter anderem auch bei den Anwohnern. „Neben den Profifotografen habe ich auch Anwohner getroffen, Sammler, Motorsportbegeisterte.“

„So haben wir Fotos von der gesamten Rennstrecke. Denn die offiziellen Fotografen machten bei der alten Rennstrecke, um auf Nummer sicher zu gehen, Fotos in der Source-Kurve – wo die Autos sehr langsam fuhren – oder oben im Raidillon. Für eine komplette Runde um die 14 Kilometer lange Strecke reichte die Zeit nicht.

Christophe Gaascht und Claude Yvens, Autoren von "Les beaux jours de Francorchamps" (Bild: Katrin Margraff/BRF)

Christophe Gaascht und Claude Yvens, die Autoren von Band eins und zwei (Bild: Katrin Margraff/BRF)

Geschichte der Menschen

Das offizielle Buch zum 100-Jährigen ist kein klassisches Jubiläumsbuch. Denn über die Rennen ist schon enorm viel veröffentlicht worden. „Ziel war diesmal, die Geschichte der Rennstrecke zu schreiben – mit allen Schwierigkeiten und  Erfolgen“, erklärt Claude Yvens.

„Aber eine Rennstrecke ist nicht nur ein Streifen Asphalt. Deshalb ist es vor allem ein Buch über die Menschen, die Spa-Francorchamps ausmachen: Fahrer, Mechaniker, Anwohner, Hotel-Mitarbeiter, Zuschauer, Rettungskräfte. Diese Menschen machen die Strecke zur Legende.“

Und sie liefern unzählige Anekdoten. Wie Jackie Stewart 1966 von seinen Kollegen mit Werkzeug aus einer Scheune an der Rennstrecke aus dem verunfallten Formel-1-Rennwagen befreit wird, was die Frage der Sicherheit im Motorsport anstößt.

Wie Fangio Tango tanzt – „und auch andere Fahrer haben es nach den Rennen ordentlich krachen lassen, zum Beispiel Jim Clark, wie sich ein Zimmermädchen aus dem Val d’Amblève erinnert“, erklärt Christophe Gaascht. „Oder wie damals die Rennteams in den Werkstätten der Region untergebracht waren, als es noch keine Boxen an der Rennstrecke gab wie heute.“

Band vier ist schon in Planung. Denn es gibt so viel zu erzählen über die 100 Jahre Rennstrecke von Spa-Francorchamps, über die Menschen und so viele Anekdoten auf- und abseits der Rennstrecke, dass nicht alles in drei Bände gepasst hat.

Praktisches

  • Wer Fotos zum vierten Band beisteuern möchte, meldet sich bei cyvens@skynet.be.
  • Die Übersetzung der Texte auf Deutsch, Niederländisch oder Englisch bekommen Käufer der Trilogie auf Anfrage als PDF-Datei zugeschickt.
  • Die drei Bände gibt es im regionalen Buchhandel und bei den üblichen Verkaufsstellen rund um die Rennstrecke, unter anderem bei Spa Racing. Preis pro Buch: 49 Euro.

Katrin Margraff