Der Wall der Eifel: Fotografien von Peter Stollenwerk

Die Betonhöcker des Westwalls gehören zum Landschaftsbild der Eifel. Gerade jetzt, kurz vor dem 75. Jahrestag der Ardennen-Offensive, mahnen sie an die Schrecken des Zweiten Weltkriegs. Die Höckerlinie des Westwalls gilt als Paradestück der Nazi-Propaganda. Doch längst hat sich die Natur zurückgekämpft, wie der Fotograf Peter Stollenwerk in seinem Buch "Der Wall der Eifel" dokumentiert.

Drachenzähne der Höckerlinie des Westwalls - Bild aus dem Buch "Der Wall der Eifel" von Peter Stollenwerk (GEV)

Drachenzähne der Höckerlinie des Westwalls - Bild aus dem Buch "Der Wall der Eifel" von Peter Stollenwerk (GEV)

Mittendurch die Höckerlinie des Westwalls geht Peter Stollenwerk, wenn er seine Fotos macht. Ganz bewusst. Denn er will das Betonwerk nicht von außen betrachten, sondern er sucht die Perspektive von innen.

„Da kommt man an Stellen, die sind wirklich undurchdringlich. Im Gegensatz zur Bauzeit der Höckerlinie, als es ein leichtes war, sie zu überwinden. Heute ist sie an einigen Stellen fast unüberwindbar. Ich bin an Stellen gewesen, da war 80 Jahre kein Mensch.“

Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg wurde die Höckerlinie gebaut – als Propagandawerk der Nationalsozialisten. Doch der militärische Aspekt hat Peter Stollenwerk nicht interessiert. Als Fotograf fasziniert ihn vielmehr die besondere Ästhetik von Beton und Natur.

„Die skurrile Gegensätzlichkeit dieser Höckerlinie hat mich fotografisch interessiert. Es hat mich herausgefordert, im Bild zu erfassen, wie sich Mensch und Natur mit diesem sinnlosen und überdimensionierten Bauwerk arrangiert haben.“

Fotograf Peter Stollenwerk (Bild: Andreas Gabbert)

Fotograf Peter Stollenwerk (Bild: Andreas Gabbert)

Stollenwerks Fotos sind im Laufe der letzten 15 Jahre entstanden. Zwischen Monschau und Aachen hat der Fotograf unzählige Kilometer gemacht – bei jedem Wetter und zu unterschiedlichen Jahreszeiten. Und immer wieder entdeckte er Neues. „Wenn man mitten durch die Höckerlinie geht, findet man mal Rückzugsgebiete für scheue Tiere, mal Müll.“

„Es gab ganz viele Überraschungen, die man aus der Entfernung nicht vermutet hätte.“ Wie zum Beispiel auch einen skurrilen Viehunterstand, den ein Landwirt auf einem zugewachsenen Stück Höckerlinie errichtet hat. Mittlerweile ist die Höckerlinie ein eingetragenes Bodendenkmal.

Drachenzähne der Höckerlinie des Westwalls - Bild aus dem Buch "Der Wall der Eifel" von Peter Stollenwerk (GEV)

Bild aus dem Buch „Der Wall der Eifel“ von Peter Stollenwerk (GEV)

Ob erhalten oder entfernen – Peter Stollenwerk hat dazu eine klare Meinung. „Ich finde, sie muss unbedingt erhalten bleiben. Sie wegzumachen, wäre auch gar nicht so einfach. Man kann da Versuche sehen, aber das ist viel zu aufwändig. Aber selbst davon abgesehen finde ich, dass die Höckerlinie als Mahnmal erhalten bleiben muss.“

Im Bild festgehalten hat Peter Stollenwerk im Laufe der Jahrzehnte unzählige Drachenzähne der Höckerlinie. Für sein Buch „Der Wall der Eifel“, das jetzt im Grenz-Echo-Verlag erschienen ist, hat er eine Auswahl zusammengestellt. „Wichtig wäre mir, dass die Leute sehen, dass diese Höckerlinie ein Teil ihrer Landschaft ist und dass die Höcker genauso wie Stacheldraht und Kühe zur Landschaft der Eifel dazugehören.“

Drachenzähne der Höckerlinie des Westwalls - Bild aus dem Buch "Der Wall der Eifel" von Peter Stollenwerk (GEV)

Bild aus dem Buch „Der Wall der Eifel“ von Peter Stollenwerk (GEV)

mb/km

Kommentar hinterlassen
Keine Kommentare
Kommentar hinterlassen

Ihre Email-Adresse wird niemals veröffentlicht!
Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet.
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien zu Kommentaren.

Restl. Anzahl Wörter: 150