„Permanent Record“: Whistleblower Edward Snowden erzählt eindrucksvoll seine Geschichte

Mit "Permanent Record - Meine Geschichte" hat Whistleblower Edward Snowden jetzt ein Buch veröffentlicht. Auf 400 Seiten gibt er dem Leser einen Einblick in die Arbeit der Geheimdienste und zeigt auf, warum man dem kritisch gegenüber stehen sollte.

Edward Snowden: "Permanent Record" (Bild: Jörg Carstensen/DPA/Belga)

Bild: Jörg Carstensen/DPA/Belga

„Mein Name ist Edward Joseph Snowden. Früher stand ich im Dienst der Regierung, heute stehe ich im Dienst der Öffentlichkeit. Ich habe fast dreißig Jahre gebraucht, um zu erkennen, dass das nicht dasselbe ist, und als ich so weit war, bekam ich ein wenig Ärger mit meinem Arbeitgeber. Aus diesem Grund verbringe ich meine Zeit nun damit, die Öffentlichkeit möglichst vor der Person zu schützen, die ich einmal war: ein Spion der CIA und der NSA. Ich war nur einer von vielen jungen Technikern, der dabei mithelfen wollte, das aufzubauen, was ich für eine bessere Welt hielt.“

So beginnt sein Buch, seine Geschichte. Die Geschichte des berühmtesten Whistleblowers der Welt. Alle sollen wissen, wie er sich damals gefühlt hat, als er Top-Secret-Dokumente an Journalisten gegeben hat, dass das keine Entscheidung war, die er mal eben schnell getroffen hat und wie die US-Geheimdienste die Massenüberwachung organisieren.

Kindheit und Jugend

Aber fangen wir vorne an, denn so macht es Edward Snowden in seinem Buch ja auch. Der erste Teil behandelt vor allem seine Kindheit und seine Jugend. 1983 wurde er geboren, in Elizabeth City in North Carolina.

Snowden beschreibt in seinem Buch alle Situationen sehr detailliert. Mit und mit versucht er dem Leser zu erklären, wie seine Begeisterung für Computer und Technik gewachsen ist: vom ersten Videospiel über den ersten Nintendo und den ersten Computer und schließlich der Spaß und das Interesse am Hacken.

Als Teenager ziehen er und seine Familie nach Maryland um, in die Gegend von Fort Meade, einer Einrichtung der Streitkräfte der Vereinigten Staaten und der Hauptsitz der NSA. Zu dem Zeitpunkt ist Edward Snowden noch ein Teenager, rechnet vermutlich nicht einmal damit, dass genau dieser Geheimdienst irgendwann mal sein Arbeitgeber wird.

Snowden war das, was man vermutlich einen Nerd nennen würde oder nennt. Er mochte Matheaufgaben, durfte schon als Teenie aufs College und hat eine Prüfung abgelegt, damit ihm die letzten beide Highschool-Jahre erspart blieben.

Erste Zweifel

Nach den Angriffen den 11. Septembers 2001 entscheidet er sich für eine Ausbildung bei der Army, muss die aber abbrechen. Er möchte aber trotzdem seinem Land dienen und entscheidet sich für die Arbeit am Computer. Er geht zur NSA und wird eingestellt, da ist er gerade mal 22. Er arbeitet sich hoch, wechselt irgendwann zur CIA und bekommt Zugriff auf die sensibelsten Daten und Netzwerke. Er geht nach Genf und Tokio, und erst nach einiger Zeit im Job kommen ihm so langsam Zweifel.

Edward Snowden schafft es in seinem Buch, auch Nicht-Informatikern oder Nicht-Hackern die Arbeit der Geheimdienste verständlich zu erklären. Er erklärt zum Beispiel, dass es bei der Massenüberwachung nicht unbedingt darum geht zu erfahren, worüber die Menschen sich am Telefon unterhalten haben oder welche Nachrichten per SMS verschickt wurden. Stattdessen interessieren sich die Geheimdienste für die Metadaten. Das heißt, wann und wie oft wurde telefoniert, von welchem Standort aus? Wann hat sich wer online eingeloggt und mit welcher Kreditkarte wurde der Onlineeinkauf bezahlt? Und so weiter.

Veröffentlichung

Dass das alles nicht sein dürfte und das diese Art von Überwachung gegen die Verfassung verstößt, lässt Edward Snowden nicht los. Zurück in den USA arbeitet er weiter für die Geheimdienste, gleichzeitig aber recherchiert er und sammelt Dokumente, was sich als gar nicht mal so einfach heraus stellt, da es ja geheim bleiben muss. Dann trifft Snowden die Entscheidung, an die Öffentlichkeit zu gehen – mit Hilfe von Journalisten.

Ausgewählte Journalisten sind es, die das Konzept der Massenüberwachung im Juni 2013 an die Öffentlichkeit bringen. Zu dem Zeitpunkt hat Edward Snowden die USA bereits verlassen, für immer. Niemandem hat er von seinem Plan erzählt – nicht mal seiner Freundin. Wie sie die Situation erlebt hat, wird im Buch auch erzählt.

Über Umwege ist Edward Snowden in Russland gelandet. Moskau ist jetzt seit sechs Jahren sein Zuhause. Er lebt mit seiner Freundin im Exil.

Während man das Buch liest, staunt man immer wieder. Was wissen die Geheimdienste über uns? Was genau geschieht mit den Daten? Warum wird eine solche permanente Überwachung geduldet? Das Buch öffnet einem die Augen, zeigt, dass wir alle Spuren im Netz hinterlassen und dass wir im Grunde alle ein offenes Buch sind. Edward Snowden kämpft dafür, dass unsere Privatsphäre und unsere Bürgerrechte gewahrt werden. Dafür hat er viel geopfert und einiges aufs Spiel gesetzt.

Lena Orban

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2 Kommentare
  1. Michael Weegen

    Sehr treffender Beitrag zum Buch!
    Edward Snowden wird immer mehr zu einem tragischen Held. Nicht nur persönliche Datenschutzrechte sind gebrochen sondern auch grundlegende Werte beschädigt worden. Die Schadensgröße ist enorm und immer noch nicht absehbar. Mehr Zivilcourage würde man sich von den EU-Regierenden wünschen, damit Snowden in den Ländern Asyl erhält, die eigentlich für diese Aufdeckungen dankbar sein sollten. Aber anscheinend funktioniert Politik anders! Oder?

  2. Katja Engel

    Interessanter und schön langer und ausführlicher Beitrag.

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