Buchvorstellung: Crombacher Marzel Maraite schildert Kindheit in der Eifel

Der Autor Marzel Maraite zeichnet in seinem ersten Buch ein Sittengemälde seiner Kindheit in der Eifel. Er war vor einigen Jahren freier Mitarbeiter des BRF. Jahrgang 1965, von Beruf Lehrer, gehört der Germanist zu den literarisch Spätberufenen.

Marzel Maraite mit seinem Buch "mon oeil" (Bild: Stephan Pesch/BRF)

Marzel Maraite mit seinem Buch "mon oeil" (Bild: Stephan Pesch/BRF)

In dem Buch mit dem vielsagenden Titel „Mon oeil! oder warum die Muttergottes bei ihren Erscheinungen immer so schrecklich nuschelt“ zeichnet er eine fiktive Kindheit in Ostbelgien nach, die sich an sehr realen Gesellschaftsentwicklungen abarbeitet.

Keine Angst, in „Mon oeil!“ geht es nicht nur um Religion. Aber um eine Gesellschaft, in der die autoritäre Rolle der Kirche noch eine wichtige sozialisierende Rolle spielte.

Es entsteht ein humorvolles Sittengemälde im zeitlichen Rahmen von Mitte der 60er bis Mitte der 70er Jahre – als gesellschaftliche Kontrolle noch nicht über die Social Media lief, sondern über Institutionen wie Kirche und Schule, über das, was die Nachbarn wohl denken mögen, oder was sie hintenrum freimütig beim Frühschoppen oder beim Frisörbesuch zum Besten geben.

Das alles lässt Marzel Maraite seinen Protagonisten, das kleine „Mäxchen“, vordergründig unschuldig mit der ihm zugedachten kindlichen Naivität erleben. Es sprechen aus ihm aber auch die Lebenserfahrung und Altersklugheit des Autors – nicht nur im Laufe der Geschichte wird „Mäxchen“ schon bald zum Max.

Das Buch schildert die bodenständig-handfeste Lebenseinstellung einer hinreichend geplagten Landbevölkerung, die sich darum auch gerne mal kleine Fluchten gönnt – solange keine gesellschaftlichen Grenzen überschritten werden.

Mäxchens Erlebnisse entstammen der realen Lebenserfahrung des Autors, wie er zugibt. Der Leser, der selbst in dieser Zeit sozialisiert wurde oder in dieser Gegend wohnte, wird sich an vielen Details erfreuen, die Marzel Maraite aus der eigenen Erinnerung gräbt oder sorgfältig recherchiert hat.

Dass der Autor gerne und immer wieder abschweift, führt mal zu genialen Pointen, die einen laut auflachen lassen, mal muss man sich die verschachtelten Satz- und Gedankenkonstruktionen noch einmal vornehmen, um ihm folgen zu können.

Denn es wäre schade, etwas zu verpassen – vielleicht weniger von der alles in allem doch recht unspektakulären Geschichte Mäxchens als von den vielen gesellschaftlichen Fragen, mit denen der Autor sie verknüpft: die Gleichberechtigung der Geschlechter, das Kratzen an autoritären Strukturen oder – interessant gerade im ostbelgischen Kontext: die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und das Streben nach Autonomie.

„Mon oeil!“ ist kein ostbelgisches Geschichtsbuch. Aber eine Geschichte, die viel über Ostbelgier verrät und darüber, wie sie ticken.

Das Buch „Mon oeil!“ über eine fiktive Kindheit in Ostbelgien ist zum Preis von 20 Euro erhältlich – direkt beim Autor Marzel Maraite oder in der Buchhandlung Thiemann in St. Vith.

Stephan Pesch

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Ein Kommentar
  1. Maria Wiesemes

    Hallo Marzel!

    Du weiß schon das ich Dich sehr gut noch kenne, auch als kleiner Junge,
    beglückwünsche ich Dich heute zu diesem schönen Buch was mich sehr interessiert und mir auch gerne besorge, schreibe viel und gerne. Bin in Eupen in einem Poetenclub. LG und viel Erfolg Maria

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