Ein Pool mit blau-türkisen Fliesen, einer Leiter, einem Sprungbrett und lauter Musik - feuchtfröhlich, so wie Maiks Mutter, die singend Möbel in den Pool wirft. Maik ist 16 Jahre alt und, wie er selbst sagt, "langweilig". Oder wie andere behaupten: "ein Psycho". Denn wer erzählt schon vor der ganzen Klasse, die eigene Mutter sei den Sommer über in einer Entziehungskur gewesen?
Maik ist ein Außenseiter. Als Tschick neu in die Klasse kommt - ein russischer Junge aus einfachen Verhältnissen - gibt es kaum Gemeinsamkeiten. Bis sie den Sommer zusammen verbringen: Mit einem Lada fahren sie quer durch Deutschland und erleben so einiges.
Das ist nur der Anfang einer Geschichte voller Abenteuer. Und dieses Abenteuer bringt Regisseur Tom Hirtz auf die Bühne: "Tschick" von Wolfgang Herrndorf. Eine Lieblingsszene hat Tom Hirtz dabei nicht: "Nein, ich glaube, das Stück lebt tatsächlich genau davon, dass es so viele Begegnungen für die beiden Jungs gibt. Die machen sich auf den Weg und treffen zum Teil durchaus skurrile Menschen, kommen in skurrile Situationen mit einer gewissen Komik. Aber vor allen Dingen haben sie immer die Bereitschaft, sich auf die Leute einzulassen."
Sich auf etwas Neues einlassen - so schaffen es die zwei Schüler, die Welt und sich selbst neu zu entdecken. "Es gibt einen Satz, den finde ich ganz schön. Da sagt Maik: 'Mein Vater hat mir immer gesagt, 99 Prozent der Menschen wären schlecht. Wir haben auf unserer Reise das eine Prozent der Menschen getroffen, die gut sind'."
Auch Überforderung ist Teil mancher Begegnungen. Gerade sie helfen bei der Entwicklung, wie im echten Leben. "Auch wenn die Zeiten heute anders sind als vielleicht vor 30-40 Jahren, diese Grundfragen: Welche Begegnungen prägen mich im Leben? Wie bereit bin ich, mich auch auf Abenteuer einzulassen? Diese Fragen haben sich vor 40 Jahren gestellt, die stellen sich auch heute. Von daher ist das Stück, glaube ich, noch hochaktuell."

Auf den ersten Blick wirken die Dialoge oft oberflächlich. Doch dahinter steckt eine Tiefe, die teilweise herausfordernd war. An manchen Szenen saß Tom Hirtz mit seinem Team drei bis vier Stunden.
Auch das Bühnenbild war keine leichte Aufgabe. "Wir haben überlegt, was kann der Ort sein? Wir haben uns dann entschieden, den Pool zu nehmen. Das ist Maiks Zuhause, wo er mit seiner Familie lebt. Dieser Pool kann dann alles werden: Aus dem Pool wird das Auto generiert, es wird die Müllhalde, es sind die Begegnungen im Braunkohleabbaugebiet - all das kann der Pool, den wir auf der Bühne haben, werden."
Der Pool, in den Maiks betrunkene Mutter die Möbel wirft. Ein Spiel aus Bühne und Licht. Fällt das Licht auf Maik, wird er zum Erzähler. Der Zuschauer ist mitten im Geschehen - raus aus der eigenen Bubble.
Das erhofft sich auch Tom Hirtz: Raus aus der digitalen Welt und Neues hören. Es so machen wie Maik: Das Handy weglegen. "Da sind wir vielleicht wieder bei dem Thema Fantasie und was erschaffe ich mir selber. Vielleicht auch an der Stelle die Frage: Ist die digitale Welt immer so bereichernd? Die Algorithmen zeigen mir letztendlich immer die gleiche Welt. Oder ist das dann nicht doch spannender in der analogen Welt auf echte Entdeckungen zu gehen?"
Nicht nur Maik und Tschick machen Entdeckungen. Auch das Publikum kann sie erleben. Die Premiere im Das-Da-Theater in Aachen ist am 26. Februar. Gespielt wird bis in den Juli hinein.
Lea Reimus (Praktikantin)