„Stolen Memory“: Ausstellung in St. Vith zu gestohlenen Objekten von NS-Opfern

Zigtausende Erinnerungsstücke wurden NS-Opfern in den Konzentrationslagern geraubt. Die Arolsen Archive gelten als das weltweit umfassendste Archiv zu den Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus. Jetzt sind sie mit einer Ausstellung in Ostbelgien zu Gast. "Stolen Memory" ist seit Donnerstag in St. Vith zu sehen.

Ausstellung "Stolen Memory" (Bild: Michaela Brück/BRF)

Ausstellung "Stolen Memory" (Bild: Michaela Brück/BRF)

Eine Taschenuhr war alles, was noch von Edmond Ameye, Chef der Geheimarmee in Gent, blieb, nachdem er 1944 im Konzentrationslager Bergen-Belsen gestorben war. Jahrzehnte später wird seine Familie in Belgien ausfindig gemacht. Als der Enkel Yves Stappers die Taschenuhr zurückerhält, ist das für ihn ein bewegender Moment.

Ausstellung "Stolen Memory" (Bild: Michaela Brück/BRF)

Bild: Michaela Brück/BRF

Dieses und viele weitere Schicksale dokumentieren die Arolsen Archive, die zum Unesco-Weltkulturerbe zählen. Dabei handelt es sich um eine Einrichtung in Hessen, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, diese geraubten Objekte zu sammeln und wieder an ihre rechtmäßigen Besitzer beziehungsweise deren Nachfahren zurückzugeben. Mit der Unterstützung freiwilliger Helfer konnten bereits hunderte sogenannter Effekte zurückgegeben werden. „Beim Abtransport in die Vernichtungslager und Gaskammern hat man den Menschen alles abgenommen und das gehortet und gesammelt. Viele dieser Effekte sind im Archiv gelandet: Uhren, Schmuck, Dokumente oder nur Bilder“, erklärt Jens Giesdorf, der Präsident des Geschichtsvereins ZVS.

Einen Eindruck davon vermittelt die Ausstellung „Stolen Memory“, die in einer transportablen Container-Konstruktion gezeigt wird. In Zusammenarbeit mit dem Zentrum für ostbelgische Geschichte hat das ZVS-Museum sie nach Ostbelgien geholt. „Es geht um Menschen, die im Holocaust ihr Leben verloren haben, und um besondere Effekte, die in diesem Archiv gesammelt wurden. Es sind noch 2.500 vorhanden“, so Giesdorf. „Die Idee war mitzuhelfen, dass diese Effekte wieder zu den Nachfahren kommen. Das hat eine große Recherchearbeit zur Folge gehabt. Manchmal ist es nur ein Eintrag auf der Rückseite eines Bildes, der eine Recherche ausgelöst hat.“

Ausstellung "Stolen Memory" (Bild: Michaela Brück/BRF)

Bild: Michaela Brück/BRF

Mit kurzen Biografien von Opfern geht die Ausstellung auf einzelne Schicksale ein. Mittels QR-Code kann der Besucher Videos herunterladen, in denen die Nachfahren zu Wort kommen. Hinzu kommen Hintergrundinformationen in knapper und übersichtlicher Darstellung. Damit sei die Ausstellung besonders interessant für den Geschichtsunterricht. „Das ist wichtig, dass aus der anonymen Masse der sechs Millionen ermordeten Juden auch Namen und Gesichter auftauchen. Das ist natürlich eine Bereicherung für den Geschichtsunterricht, weil es anschaulicher ist und weil man tiefer in die Materie eintauchen kann als im regulären Unterricht“, sagt der ZVS-Präsident.

Zur Ausstellung gibt es ein Begleitheft der Arolsen Archive. Ergänzend dazu hat das Zentrum für ostbelgische Geschichte eine Broschüre herausgegeben. Unter dem Titel „Gerettete Erinnerung“ dokumentiert es vergessene Kriegsschicksale aus der Provinz Lüttich. Das sei eine gute Vorbereitung auf die Ausstellung „Stolen Memory“, so Giesdorf. Sie ist in den kommenden zwei Wochen neben dem ZVS-Museum in St. Vith zu sehen. Danach wird der Container im Zentrum von Eupen aufgestellt.

Michaela Brück