Bier ist mehr als ein Produkt: Offizieller Bericht zeigt Trends in der belgischen Bierkultur

315 Brauereien und 232 Bierbetriebe, die zusammen mehr als 1.850 verschiedene Biersorten brauen. Kein Land der Welt ist so berühmt für seine ausgeprägte und vielseitige Bierkultur wie Belgien. Zu dem Ergebnis kommt auch der aktuelle "Bericht Bierkultur".

Bierverkostung in der Borner Kunstgalerie

Archivbild: Volker Krings/BRF

Ende 2016 hat die Unesco die Bierkultur in Belgien als immaterielles Kulturerbe anerkannt. Das immaterielle Kulturerbe umfasst alle Traditionen, Bräuche, Gewohnheiten und Handwerkstechniken, die heute gepflegt und von einer Generation an die nächste weitergegeben werden und die Ausdruck einer kulturellen Identität und Vielfalt sind.

Bierkultur wird im ganzen Land gelebt

Die Bierkultur wird in ganz Belgien gelebt. Sie verbindet handwerkliches Können und Tradition mit Praktiken des sozialen Lebens. In jeder Provinz gibt es Brauereien, Biertestervereinigungen, Museen, Seminare, Veranstaltungen, Restaurants und Kneipen, die zur Kreativität und Vielfalt der belgischen Bierlandschaft beitragen.

Nun liegt der erste Bericht des „Observatoriums der belgischen Bierkultur“ vor – eine aktuelle Bestandsaufnahme aus den Jahren 2018 bis 2019. Mitgearbeitet hat daran auch Norbert Heukemes, Generalsekretär des Ministeriums der Deutschsprachigen Gemeinschaft und Experte in Sachen Bier: „Da die Bierkultur in Belgien immaterielles Kulturerbe ist, muss regelmäßig darüber berichtet werden, wie sich dieses kulturelle Element entwickelt, ob es Bedrohungen gibt. So lautet die Auflage bei der Unesco.“

„Dazu ist dieses Observatorium ins Leben gerufen worden, wo alle versammelt sind, die mit dem Thema Bier zu tun haben: Der Brauerverband, die Behörden, Vereine und Forschungsinstitute“, weiß Norbert Heukemes.

Die Unesco verlangt eigentlich alle sechs Jahre einen Bericht. „Doch wir wollten regelmäßiger – alle zwei Jahre – darüber berichten, wie die Tendenzen in der Bierkultur sind. Und das haben wir im ersten Bericht zusammengetragen“, erklärt Heukemes. „Wir konnten feststellen, dass sich diese ganz kleinen Brauereien sehr stark entwickeln. Man spricht schon nicht mehr von Micro-Brauereien, sondern von Nano- und Pico-Brauereien: Das sind Brauereien, die unter professionellen Verhältnissen vielleicht 20 bis 30 Hektoliter pro Jahr produzieren.“

Es gibt außerdem Kongresse zum Thema Bier, die es in dieser Form vor zehn Jahr noch nicht gab. „Es wird sich also wissenschaftlich mit Bier auseinandergesetzt“, so Heukemes.

Es wird weniger Pils getrunken, dafür mehr Spezialbier

„Wir sehen auch, dass Nachhaltigkeit an Bedeutung gewinnt“, sagt der Bier-Experte weiter, der selber Bier braut – nämlich das ‚Cabane‘. „Und es wird wieder versucht, eigene Gerstensorten anzubauen und den heimischen Hopfen populär zu machen. Es ist wichtig, dass wir als Observatorium darüber berichten.“ Interessant findet Norbert Heukemes auch, dass der Konsum von Pils-Bieren abnimmt, dafür mehr Spezialbier konsumiert wird.

Was noch auffällt im Bericht: Belgisches Bier jenseits der Grenze war früher schwer zu finden, das sieht nun anders aus: Es wird sogar mehr für den ausländischen als für den belgischen Markt selbst produziert.

Der Bericht ist als Download auf der Seite des Ministeriums verfügbar.

km/rasch

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