29. Theaterfest in St. Vith

Fünf Tage lang ist St. Vith eine Theaterhochburg. Bereits zum 29. Mal richtet das Agora-Theater das Internationale Theaterfest aus - mit Theater, Tanz, Musik und experimentellen Performances. Am Donnerstag stand eine Uraufführung auf dem Programm: "Shame, shame but different" - eine Koproduktion des deutschen Ensembles "Kopierwerk" mit der Agora und dem KOM'MA-Theater.

Eine schamlose Erkundung des schlimmsten aller Gefühle nennen sie ihr Stück „Shame, shame but different“. Sechs junge Menschen lassen ihre Masken fallen und erzählen ihre Geschichten über Scham und was sie auslöst. Das junge Ensemble „Kopierwerk“ hatte bereits im letzten Jahr bei den Theatertagen in St. Vith beeindruckt. Daraufhin wurden sie von der Agora gebeten, ein neues Stück für das Theaterfest zu kreieren.

Das Kopierwerk ist aus der Jugendclub-Arbeit in Krefeld und Duisburg entstanden. Mittlerweile sind die jungen Schauspieler Studenten und in ganz Deutschland verstreut. Das Fachpublikum zeigte sich begeistert von ihrer Spielfreude. Die Schüler reagierten verhalten.

Die Vielfalt beim Theaterfest ist groß: Tanz, Schauspiel, Performance – und ebenso vielfältig sind auch die Reaktionen, die die Stücke hervorrufen. „Jedes Stück auf seine Art und Weise stark und berührend“, sagt Line Lerho von der Künstlerischen Leitung des Theaterfest. „Und es ist sehr schön zu sehen, dass eine Vielfalt verschiedener Rückmeldungen da ist.“

Erneuerungsprozess

Die Suche nach Identität ist ein Thema, das sich durch das Theaterfest zieht. Das Motto stammt aus der vorletzten Produktion der Agora: Animal Farm – die Schlussworte daraus sind Leitgedanken für das diesjährige Theaterfest geworden: „Watch, Stop, Repeat, Erase Yourself“. „Es ist eine endlose Schleife: Der Blick nach außen ist genauso wichtig, wie der Blick von außen auf uns. Im Dialog mit den Zuschauern versuchen wir, uns zu definieren und teilweise eine neue Identität zu finden – im Sinne von eine eigene Stimme zu finden“, so Kurt Pothen, Künsterlischer Leiter der Agora.

Wohin will die Agora? Es beginnt mit einem neuen Erscheinungsbild. Erste graphische Entwürfe werden dem Zuschauer schon im Foyer präsentiert. Neun Jahre nach dem Tod des Agora-Gründers Marcel Cremer soll mit dem neuen Logo auch ein Erneuerungsprozess eingeleitet werden. „Es gibt auf jeden Fall Veränderung“, sagt Lerho. „Es ist etwas in Bewegung und gerade weil wir nicht wissen wohin, ist es so spannend.“

Und Pothen fügt hinzu: „In den 30 Jahren, in denen Marcel da war, war er der einzige Autor und Regisseur. Jetzt suchen wir nach Partnern und Mitkünstlern von außen, die uns bereichern und die wir andersherum auch bereichern mit den Möglichkeiten, die wir hier haben.“

Urbanität und Weltstädtischkeit

Für das Ensemble „Kopierwerk“ war das Theaterfest in St. Vith auf jeden Fall eine Bereicherung. „Es waren bisher hier außergewöhnliche Produktionen. Für mich ist das ein kleines Wunder. Ensslin meinte mal, es wäre der einzige Proberaum, den man nur mit Fallschirm erreichen kann. Es gibt keine öffentlichen Verkehrsanbindungen und es ist ein weiter Weg hierhin. Umso erstaunlicher ist es, was hier für eine Urbanität und Weltstädtischkeit herrscht und welches Niveau hier geboten wird. Das ist wirklich toll“, findet René Linke, Regisseur des „Kopierwerks“.

Das Theaterfest geht an diesem Wochenende noch mit einer Reihe von Aufführungen weiter: Am Samstagabend steht das parodistische Theater-Film-Stück „Blockbuster“ auf dem Programm. Und bereits ab 16 Uhr führt die Performance „Hit the road“ die Zuschauer durch St. Vith. Das Theaterfest geht am Samstagabend mit einem Live-Konzert der Band „KermesZ à l’Est“ im Triangel zu Ende.

Michaela Brück

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