Schmunzelnde Streifzüge durch die Muttersprache

Wie kommt es, dass man sich etwas hinter die Ohren schreiben soll, wo man es dort doch gar nicht mehr lesen kann? Solchen und anderen sprachlichen Ausdrücken geht Professor Siegfried Theissen in der neuen BRF.be-Rubrik "Streifzüge durch die Muttersprache" auf den Grund. An jedem vierten Montag im Monat gibt es eine neue Folge.

Siegfried Theissen schreibt "Gedanken zur deutschen Muttersprache" für BRF.be

Liebe Leserinnen und Leser der BRF-Webseite,

ich habe vor, Sie in regelmäßiger Folge quer durch den sprachlichen Gemüsegarten zu führen: Da wird die Rede sein von der Herkunft unserer interessantesten Redewendungen (wie jemandem ins Fettnäpfchen treten, das man wörtlich nehmen sollte). Sie werden die tatsächliche Herkunft von sich etwas hinter die Ohren schreiben nicht glauben wollen. Auch falsche Etymologien, die so genannten Volksetymologien, sollen erwähnt werden (als Beispiele könnte man Fisematenten machen, Känguruh oder Pumpernickel nennen).

Die Herkunft der häufigsten Familiennamen in Ostbelgien dürfte Sie ebenfalls interessieren. Weiter erzähle ich Ihnen vom dubiosen Wahrheitsgehalt unserer Sprichwörter (Kein Rauch ohne Feuer! ist eins der verlogensten und gefährlichsten Sprichwörter!) und von lustigen Antisprichwörtern (Die Liebe macht blind, die Ehe öffnet die Augen).

Die Herkunft von einzelnen Wörtern (wie Soldat, Boulevard) und von Eigennamen abgeleiteten Substantiven – den so genannten Eponymen – (wie Boycot, Guillotine und Sandwich) soll ebenfalls ergründet werden. Wir werden sehen, dass die Sprache nicht immer logisch ist. Wie kämen wir sonst zu paradoxen Formulierungen wie ein gut sitzender Stehkragen oder ein eingefleischter Vegetarier?

Schlimmer noch: Man sollte die Sprache nicht immer beim Wort nehmen. Oft meinen wir etwas ganz anderes, als das, was wir zu sagen scheinen: Ja bedeutet meistens ja (aber auch das nicht in jedem Fall), doch ja, ja kann man oft als nein interpretieren („Red nur schön weiter, ich glaub dir kein einziges Wort!“). Wenn jemand sagt „Mir kommen gleich die Tränen„, dann meint er genau das Gegenteil, nämlich „Ist mir völlig egal“. Eigenartig ist nur, dass wir alle verstehen, was gemeint ist. Ob der Computer das auch kann? Und wie versteht er die Verschmelzung von ja und nein, „jein„?

Wir beschweren uns ja immer über die Überfremdung unserer deutschen Sprache – eine Überfremdung meistens englischer Herkunft – aber wussten Sie, dass viele Sprachen der Welt auch eine ganze Reihe deutscher Wörter aufgenommen haben? Die meisten findet man übrigens im Niederländischen. Ich habe mehr als hundert aufgezeichnet! (z. B. Angstgegner, gesundes Volksempfinden, hineininterpretieren, ins Blaue hinein, Prinzipienreiter oder sowieso). Und die werden nicht immer als positiv empfunden!

Weiter werden wir uns mit dem Irrsinn der politisch korrekten Sprache und mit den heutigen Entwicklungen beschäftigen, wo z.B. der Genitiv vom Dativ verdrängt wird. Sofern es nicht schon in „Flatten, Bob und Nonnenfürzchen“ von Heinen und Kremer erwähnt wird, werden wir auch unser ostbelgisches Deutsch unter die Lupe nehmen.

Sie sehen also, liebe Leser und Leserinnen (das war jetzt politisch nicht korrekt! Aber wieso kann Gleichberechtigung sich mit Vorrangstellung reimen?), dass Ihnen noch einiges bevorsteht! Ich hoffe jedoch, dass es Ihnen genau soviel Spaß machen wird wie mir selbst. Beim nächsten Mal wird die Rede sein von den Farben Blau und Grün in einigen Redewendungen.

Ihr Siegfried Theissen

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4 Kommentare
  1. Bruels Werner

    Bin vielleicht etwas voreilig, aber eine Erörterung des Begriffs „Blaupause“ könnte interessant sein.

  2. Norbert Schleck

    Entschuldigung, Herr Professor, aber den Ausdruck „jemandem ins Fettnäpfchen treten“ findet man nicht im Internet. Dagegen gibt es die Redewendung: „ins Fettnäpfchen treten.“ Einfach mal googeln. Genauere Quellenangaben sind hier im Gegensatz zu anderen Foren leider unerwünscht, weshalb meine erste Version wohl „unter den Tisch fiel“, auch eine Redewendung.

    Wenn man Ihr Programm liest, so wird klar, dass die Themen Ihnen in den kommenden Jahrzehnten nicht ausgehen werden.

    Es wäre zu hoffen, dass Sie auch das unsägliche Journalisten- und Schlagzeilendeutsch mit seinen oft unsinnigen Wortkombinationen aufgreifen werden, ebenso die „Binde-Strich-Manie“, auch „Deppenleerzeichen“ genannt, das Apostroph (Liebe Opa’s und Oma’s, Bon’s für’s Essen an der Kasse), die Anglizismen, die die deutsche Sprache regelrecht zersetzen, die willkürliche Getrennt- und Zusammenschreibung, das Kauderwelsch in der Werbung, usw.

    Solch eine kleine Nachhilfe könnte bei uns Ostbelgiern trotz (oder wegen?) unserer so gerne gerühmten „perfekten“ Kenntnis unserer Muttersprache durchaus nützlich sein.

  3. Maria van Straelen

    wie wärs mal mit einer Kampagne gegen dieses allerorts verwendete ‘ich bedanke mich’. Was für ein Egoismus und welche Selbstgefälligkeit ! Nein, selbst einfacher aber korrekt wäre: Ich danke Ihnen/Dir. Der bürokratische Ausdruck ´der Untergezeichnete‘ statt einfach Unterzeichner, hat sich ja wohl inzwischen selbst erledigt.

  4. Norbert Schleck

    Im Klappentext zur Jubiläumsausgabe einer ostbelgischen Zeitung heißt es, leicht gekürzt:

    „Mit dem Einstieg bei … kann das … seinen ‚full service‘ auf noch breitere Füße stellen. CrossMedia an einem Standort und aus einer Hand, wo der Kunde aus einem noch deutlich erweiterten Portfolio schöpfen kann, neuerdings inklusive Radiospot. Zudem setzen wir auf redaktionelle Synergien aus dem Zusammenspiel beider Medien, finden journalistische Printrecherchen mit knappen Statements eine zusätzliche Plattform ‚on the air‘.“

    Printrecherchen mit knappen Statements. Denglischer Mischmasch vom Feinsten.

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