Nach russischen Angriffen auf einen Zug von Kiew nach Warschau und auf die Grenzregion der Ukraine zu Polen hat die polnische Regierung Moskau eine Verschärfung des Konflikts vorgeworfen. Regierungschef Donald Tusk rief einen Krisenstab zusammen. Auch westliche Politiker sind bei ihren Reisen nach Kiew auf die Bahnverbindung von Polen in die Ukraine angewiesen.
Nach Angaben der ukrainischen Eisenbahn war die Lokomotive eines Passagierzugs von Kiew nach Warschau beim Grenzbahnhof Jahodyn angegriffen worden. Die Passagiere wurden rechtzeitig in Sicherheit gebracht, niemand kam zu Schaden. Die polnische Eisenbahn PKP teilte mit, sie habe den Zug von der ukrainischen Seite mit mehr als sechs Stunden Verspätung übernommen. Er setzte seinen Weg nach Warschau fort.
Nach Angaben von Polens Verteidigungsminister Radoslaw Kosiniak-Kamysz schlug im Westen der Ukraine außerdem eine Drohne einen Kilometer von Polens Grenze entfernt ein, eine weitere mit einem Abstand von fünf Kilometern. Polnische Kampfjets vom Typ F-16 sowie ein Aufklärungsflugzeug hätten die Situation kontrolliert. Der Luftraum über Polen wurde demnach nicht verletzt.
Der ukrainische Außenminister Sybiha sprach von barbarischen Angriffen, die nicht nur der Ukraine, sondern auch der EU und der Nato gälten. Er forderte mehr Unterstützung sowie ein vollständiges Handelsembargo und schärfere Sanktionen gegen Russland.
Wohnung von ukrainischer Tennisspielerin zerstört
Bei einem russischen Angriff auf Odessa ist die Wohnung der ukrainischen Tennisspielerin Dayana Yastremska vollständig zerstört worden. Die 26-Jährige veröffentlichte Fotos der brennenden Wohnung im Internet. Außerdem kritisierte sie die Tennisverbände für ihre Neutralitätspolitik gegenüber russischen Spielern. Bei dem Angriff in der Nacht zu Sonntag wurden nach ukrainischen Angaben 37 Menschen verletzt, zwei weitere werden noch vermisst.
Marinedrohne versenkt russisches Boot
Zudem hat die ukrainische Marine nach eigenen Angaben erstmals ein unbemanntes russisches Wasserfahrzeug mit einer eigenen Marinedrohne versenkt. Die Drohne habe das russische Boot im Schwarzen Meer mit einem schweren Maschinengewehr beschossen. Kiew spricht vom ersten Gefecht zwischen unbemannten Fahrzeugen in der Geschichte.
Bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf die russische Teilrepublik Tatarstan kamen zudem zwei Menschen ums Leben. Weitere vier Menschen wurden verletzt, als eine Drohne ein Wohngebäude traf.
dpa/belga/est/vk