UN-Generalsekretär António Guterres hat an die iranischen Behörden appeliert, keine Gewalt gegen Demonstranten anzuwenden. Das Recht auf freie Meinungsäußerung müsse uneingeschränkt geachtet werden, schrieb Guterres.
Er sei "schockiert" angesichts der Berichte über Gewalt gegen Demonstranten, die in den vergangenen Tagen zu Todesfällen geführt hätte. Er forderte "maximale Zurückhaltung" der Sicherheitskräfte. Außerdem forderte Guterres angesichts der landesweiten Internetsperren, den Menschen im Land wieder den Zugang zu Informationen zu ermöglichen.
Solidaritätskundgebungen in der ganzen Welt
Aus Solidarität mit den Demonstranten im Iran haben sich Sonntagnachmittag rund 700 Menschen vor der iranischen Botschaft in Brüssel versammelt. Auch in anderen Ländern gab es Kundgebungen vor iranischen Botschaften.
Bei den anhaltenden Protestkundgebungen im Iran sind nach Angaben von Menschenrechtlern mehr als 500 Menschen getötet worden.
Trump: "Iran will verhandeln"
Angesichts der Massenproteste erhöht US-Präsident Trump den Druck auf die Islamische Republik. "Der Iran will verhandeln", sagte er an Bord des Regierungsflugzeugs Air Force One vor Journalisten. Man werde sich vielleicht mit Vertretern des Irans treffen, ein Treffen werde vorbereitet. Worüber der Iran mit den USA Gespräche führen möchte, führte er nicht aus.
Trump erwägt, die Demonstranten im Iran mit Satelliteninternet zu unterstützen. Irans Staatsführung hat den Internetzugang für die Menschen fast vollständig gesperrt, auch Telefonverbindungen schienen teils nicht mehr zu funktionieren. Damit will sie die Kommunikation zwischen den Demonstranten erschweren. Zudem soll die Veröffentlichung von Berichten, Fotos und Videos über die Massenproteste so unterdrückt werden.
Schah-Sohn ruft zum Umsturz auf
In dessen rief Reza Pahlavi, der Sohn des 1979 gestürzten Schahs, in einer neuen Botschaft an die Protestbewegung zur nächsten Phase des Aufstands auf, "um die Islamische Republik zu stürzen".
Neben der Besetzung zentraler Straßen in Städten seien jetzt auch alle Institutionen, die für die Staatspropaganda und die Unterbrechung der Kommunikation verantwortlich seien, "legitime Ziele", erklärte Pahlavi. Wegen der Internetsperre ist aber unklar, inwieweit man im Iran seine Forderungen zu sehen bekommt.
Iranische Staatsmacht mobilisiert Anhänger
Als Reaktion auf die Massenproteste hat der iranische Staat jetzt seine eigenen Anhänger mobilisiert. Staatliche Medien zeigten Fernsehausschnitte, auf denen Demonstrationen in mehreren iranischen Städten zu sehen sein sollen. Teilnehmer schwenkten Flaggen und zeigten Bilder von Sicherheitskräften, die bei den Unruhen getötet worden waren.
dpa/belga/vrt/est