Streit in der Profi-Schach-Welt

Seit einigen Wochen herrscht Aufruhr in der Schachwelt. Weltmeister Magnus Carlsen weigert sich, Schach gegen den Gegner zu spielen, der ihn Anfang dieses Monats überraschend geschlagen hat. Ein neues Supertalent oder ein Betrüger? Die Schachwelt ist gespalten.

Magnus Carlsen

Schachweltmeister Magnus Carlsen (Bild: Arun Sankar/AFP)

Am 4. September fand in der amerikanischen Stadt Saint Louis ein großes Schachturnier statt. Auf dem Programm: Weltmeister Magnus Carlsen aus Norwegen vs. Hans Niemann aus den USA. Carlsen ist seit 2013 der beste Schachspieler der Welt, Niemann ist 19 Jahre jung und im Rang viel niedriger. Keiner zweifelt daran, dass der Weltmeister gewinnen wird. Auch Carlsen nicht. Aber es kam anders: Zur Überraschung aller gewann Niemann.

Eine bittere Niederlage für den Meister! Anschließend verließ Carlsen das Turnier – ohne einen Ton darüber zu verlieren. Später hat er dann aber auf Twitter ein altes Interview des portugiesischen Fußballtrainers Mourinho gepostet, in dem dieser sagt: „Ich ziehe es vor, nichts zu sagen. Wenn ich etwas sage, komme ich in große Schwierigkeiten, und ich möchte nicht in große Schwierigkeiten kommen.“

Vor drei Tagen standen sich die beiden Schachspieler erneut gegenüber, diesmal in einem Online-Schachmatch. Und da kam es zum nächsten Eklat: Nach nur einem Zug, 13 Sekunden war die Partie erst alt, schaltete Carlsen seine Webcam aus und beendete das Spiel. Wieder ohne ein Wort zu sagen.

Und jetzt brodelt es in der Schachwelt. Im Raum stehen Betrugsvorwürfe gegen Hans Niemann. Man muss wissen, der 19-Jährige hat sich in wenigen Jahren von einem durchschnittlichen Schachspieler zu einem Großmeister entwickelt. Und er wurde im Alter von 16 Jahren zweimal bei Online-Schachspielen beim Schummeln erwischt. Nach dem Sieg über Magnus Carlsen Anfang September hat er das auch zugegeben.

In einem emotionalen Interview hat er gesagt, dass er das bereut und er weiß, dass er mit diesem Fehler leben muss. Bei einem physischen Spiel habe er aber noch nie gefuscht, beteuerte Niemann. Aber das glauben ihm viele eben nicht und denken, dass er sich auch den Sieg gegen Carlsen ermogelt haben könnte.

Aber auch Weltmeister Magnus Carlsen steht in der Kritik, weil er noch keine öffentliche Stellungnahme abgegeben hat. Es gibt nur die Anspielung aus dem Trainerzitat von Mourinho. Kritiker finden, Carlsen sollte so langsam mal Beweise vorlegen für seine Unterstellungen. Übrigens haben Untersuchungen der Schiedsrichter in Saint Louis keine Anhaltspunkte für unsportliches Verhalten im Rahmen des Turniers gefunden.

vrt/jp/sh

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