Globaler Aktionstag fürs Klima – Kritik an „leeren Reden“ in Glasgow

Bitte kein "Bla, bla, bla" mehr: Erst am Freitag waren Tausende Menschen in Glasgow für mehr Klimaschutz auf die Straße gegangen. Am Samstag sollen es noch mehr werden. Im Fokus steht erneut eine junge Schwedin.

Demonstranten beim Aktionstag fürs Klima in Glasgow (Bild: Daniel Leal-Olivas/AFP)

Demonstranten beim Aktionstag fürs Klima in Glasgow (Bild: Daniel Leal-Olivas/AFP)

Tausende Menschen haben sich im Zuge der Weltklimakonferenz in Glasgow zu einem großen Protestmarsch für mehr Klimaschutz in Bewegung gesetzt. Die Demonstranten begannen am frühen Samstagnachmittag, langsam durch die Stadt zu marschieren. Ziel der Protestteilnehmer ist der Park Glasgow Green.

Der Protest zur Halbzeit der COP26 ist Teil eines globalen Aktionstags, der nach Schätzungen der Organisatoren Hunderttausende weltweit auf die Straße bringen wird. Mehr als 300 Aktionen waren nach Angaben der Veranstalter rund um den Globus geplant, davon 120 in Großbritannien.

Zentral ist die Klimademo in Glasgow, bei der auch wieder die durch Fridays for Future berühmte Klimaaktivistin Greta Thunberg aus Schweden redet. Auch Landwirte, Gewerkschaften, religiöse Gruppen und andere wurden zu dem Marsch durch die schottische Großstadt erwartet. Auch eine belgische Delegation ist bei der Kundgebung dabei.

Auch Klimaproteste in Brüssel

Am Samstagmittag hat es auch eine Protestaktion in Brüssel gegeben. Dutzende Aktivisten der Bewegung Extinction Rebellion legten sich auf die Rue de la Loi aus Protest gegen die aktuelle Klimapolitik. Das sorgte für erhebliche Verkehrsbehinderungen in der Hauptstadt. Die Polizei nahm einige Menschen fest.

Die Demonstrierenden sind wütend, weil immer mit dem Finger auf den einfachen Bürger gezeigt werde. Dabei solle man besser auf die politische und wirtschaftliche Elite schauen. Die stecke sowieso unter einem Hut, sagt Marjolein Moreau von Extinction Rebellion Belgien.

Bereits bei einem Protestmarsch am Freitag war Thunberg mit Tausenden weiteren Demonstrantinnen und Demonstranten durch Glasgow gezogen. In einer Rede hatte sie der Politik Tatenlosigkeit beim Klimaschutz und Festhalten am Status quo vorgeworfen. „Dies ist nicht länger eine Klimakonferenz. Dies ist jetzt ein Greenwashing-Festival des globalen Nordens, eine zweiwöchige Feier des Business as usual und des Blablabla“, hatte sie über die Weltklimakonferenz gesagt, die insgesamt schon jetzt ein „Fehlschlag“ sei.

Klimaaktivistin Greta Thunberg am 5.11. in Glasgow (Bild: Daniel Leal-Olivas/AFP)

Klimaaktivistin Greta Thunberg am 5.11. in Glasgow (Bild: Daniel Leal-Olivas/AFP)

Das Abkommen zum Schutz der Regenwälder und einem Ende der Entwaldung bis 2030 symbolisiere eher, was schieflaufe: „Dass man sich auf Abkommen einigt, deren Ziele viel zu weit in der Zukunft liegen, und ohne konkreten Plan, wie sie eingehalten werden.“ Auch die Übereinkunft zur Methan-Reduzierung ist aus Sicht von Neubauer „nicht radikal genug“, um die globalen Klimaziele einzuhalten.

Größtes derartige UN-Treffen jemals

In Schottland ringen rund 200 Staaten darum, wie das Ziel noch erreicht werden kann, die Erderwärmung auf ein erträgliches Maß von maximal 1,5 Grad zu begrenzen. Geplantes Ende der Konferenz ist der 12. November. Die COP26 dürfte dabei trotz aller Hürden wegen der Corona-Krise das größte derartige UN-Treffen jemals sein. Zu diesem Schluss kommen die auf Klimathemen spezialisierten Journalisten von Carbon Brief nach einer Auswertung der vorläufigen Anmeldungen. Offiziell registriert wurden demnach 39.509 Delegierte – fast doppelt so viele wie bei der letzten Klimakonferenz 2019 in Madrid.

Die Klimaschützer kritisieren dagegen seit längerem, dass es sich um den am schwierigsten zugänglichen Klimagipfel jemals handele. Sie versuchen auf den Protesten deshalb, vor allem Aktivisten aus ärmeren Weltregionen in Afrika, Asien und Südamerika zu Wort kommen zu lassen. Durch den unterschiedlichen Zugang zu Corona-Impfstoffen sowie Reisebeschränkungen und Visaregeln war vielen Interessierten eine Reise nach Glasgow unmöglich.

Landwirtschaft umweltfreundlich und nachhaltig umbauen

Am Samstag verpflichteten sich auf der COP26 45 Staaten dazu, schnell mehr Geld und Anstrengungen in den Naturschutz zu stecken und ihre Landwirtschaft umweltfreundlich und nachhaltig umzubauen. Dies teilte die britische Regierung mit, die dem Treffen vorsitzt. Sie wies darauf hin, dass etwa ein Viertel der klimaschädlichen Treibhausgas-Emissionen weltweit aus der Agrar- und Forstwirtschaft und anderen Formen der Landnutzung stammen. Daher müsse die Art und Weise, wie wir Nahrung anbauen und konsumieren, dringend reformiert werden – zumal der Bedarf weiter steige. Welche Staaten sich dem Bündnis angeschlossen haben, wurde zunächst nicht mitgeteilt.

Die angekündigte Allianz zur Agrarpolitik ist eine weitere, eher unverbindliche Ankündigung auf der COP26, die auf Freiwilligkeit beruht und kaum mit Details unterfüttert ist. Schon in den vergangenen Tagen hatten Greenpeace und andere Umweltorganisationen mit Blick auf öffentlichkeitswirksam und „blitzartig“ verkündete Zusagen Dutzender Staaten zum Kohleausstieg, Waldschutz und der Reduzierung von Methan-Emissionen kritisiert, zu vieles davon sei rein freiwillig und im Kleingedruckten gebe es viele Schlupflöcher.

belga/dpa/vrt/est/sr/vk

6 Kommentare
  1. Marcel Scholzen Eimerscheid

    In Glasgow hat doch wirklich seinen Spaß. Die großen Kinder von der UN und die weniger großen von Friday for Fun. Bei den großen zahlt Vater Staat die Reisekosten und und bei den weniger großen Papa und Mama.

  2. Guido Scholzen

    Fährt Greta dieses Mal auch mit dem Boot nach Hause oder mit nem Privat-Jet wie über 400 andere Teilnehmer der High-Society?

    Was sind Klimaschützer? Es sind nützliche Idioten für „Öko“-Lobbyisten, denen der Umweltschutz egal ist.
    Klimaschützer sind nicht sozial, sondern sozialistisch; das sieht man auf dem Bild oben mit dem Plakat „Net Zero“. Es geht um die Abschaffung der sozialen Marktwirtschaft zugunsten einer neuen sozialistischen Planwirtschaft. In diesem Neo-Marxismus ist die „soziale Frage“ (Ausbeutung der Arbeiterklasse durch die herrschende kapitalistische Klasse) ersetzt worden durch die „Klimafrage“ (Ausbeutung der Natur ebenfalls durch die herrschende kapitalistische Klasse).

    Was ich hier schreibe kann jeder im ‚Kleingedruckten‘ von sogenannten Klimaschutz-Organisationen nachlesen.

    Wehret den Anfängen!

  3. Dieter Leonard

    „Nützliche Idioten“?

    O-Ton G. Scholzen:

    – Es gibt keinen anthropogenen Klimawandel;
    – Es gibt keinen Treibhauseffekt;
    – CO2 kann keinen Einfluss auf die Erderwärmung haben;
    – Es hat zu keinem Zeitpunkt der Pandemie eine Korrelation zwischen steigenden Inzidenzzahlen, Erkrankungen, Hospitalisierungen, Intensivbehandlungen und Todesfällen gegeben;
    – …

    Diese Liste ließe sich, gewürzt mit links-grün-versifften Beschimpfungen und reaktionären Phantasien fast endlos fortsetzen.

    Aber dafür ist mir der Sonntag zu schade.

  4. Guido Scholzen

    Herr Leonard,
    Sie sind ein nützlicher I….Informant.
    Danke für Ihre Meinung.

    Eine Frage habe ich noch:
    Kommt der Strom für Ihre durch eine Wärmepumpe betriebene Fußbodenheizung schon von der Fotovoltaik-Anlage, oder warten Sie an diesem windarmen Sonntag noch auf Strom vom Windrad im Nachbardorf, damit es warm wird bei Ihnen im Wohnzimmer?

    Was eben gerade geschildert wurde, sind Vorgaben von Courant d’Air und anderen Energiewende-Organisationen, wie unsere Wohnwelt in Zukunft aussehen soll.
    Greta sei dank.

  5. Norbert Schleck

    “ Es geht um die Abschaffung der sozialen Marktwirtschaft zugunsten einer neuen sozialistischen Planwirtschaft. In diesem Neo-Marxismus ist die „soziale Frage“ (Ausbeutung der Arbeiterklasse durch die herrschende kapitalistische Klasse) ersetzt worden durch die „Klimafrage“ (Ausbeutung der Natur ebenfalls durch die herrschende kapitalistische Klasse).“

    Also, wenn ich das richtig verstehe, dann will die „herrschende kapitalistische Klasse“ nun die Natur statt wie bisher die „arbeitende Klasse“ (nicht zu vergessen: „hart“) ausbeuten?

    Was haben wir denn alle bisher gemacht? Haben wir nicht die Natur über ihre Rgenerationsfähigkeit hinaus ausgebeutet?
    „Wir“, denn wir alle sind daran beteiligt.

    Zu Allerheiligen drängten sich 430 000 Flugpassagiere in Zaventen, 2019 vor Corona 728 000. Alles „ausgebeutete Arbeiter“ oder „herrschende kapitalistische Klasse“?

    Seltsam, dass Scholzen und Co. solche Angst vor einem Schulmädchen und ein paar „Berufschulschwänzern“ haben, dass sie ihnen zutrauen, aus dem Hintergrund gesteuert von den Verschwörern Bezos, Yinping, Putin, Musk, Zuckerberg u.a., eine Weltrevolution auszulösen.

    Kokolores hoch drei!

  6. Marcel Scholzen eimerscheid

    Werter Herr Schleck.

    Sie unterschätzen die Gefahr, die von militanten Klimasktivisten ausgeht.

    Jede politische oder religiöse Bewegung ist am Anfang recht harmlos. Dann entsteht eine Eigendynamik, während der sich gemäßigte und radikale trennen. Hier einige Beispiele : die Rote Armee Fraktion (RAF), die sich aus den 68er entwickelt hat oder die Bolschewiken, den späteren Kommunisten, die sich aus den russischen Sozialdemokraten entwickelt haben. Damals wie heute stammen die Anführer solcher Gruppen aus gutem wohlhabendem Hause, waren gut ausgebildet.

    Es gab ja schon gewaltsame Aktionen von militanten Klimasktivisten wie der Hungerstreik vor dem Reichstag in Berlin, das Besetzen von Braunkohlebaggern, etc. Ich glaube nicht dass es dabei bleibt.