Vatikan legt Handbuch vor: Missbrauchsverdacht in jedem Fall prüfen

Im Kampf gegen Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche fordert der Vatikan alle Kirchenoberen auf, auch kleinste Hinweise ernst zu nehmen. Dazu ist am Donnerstag in Rom ein Leitfaden veröffentlicht worden.

Darin heißt es, allen Informationen über mögliche Missbrauchsfälle müsse sorgfältig nachgegangen werden. Das gelte auch, wenn jemand die Vorwürfe anonym an die Kirche sende oder sie aus Sozialen Netzwerken kämen. Das Handbuch stammt von der vatikanischen Glaubenskongregation.

Bei einem Anti-Missbrauchsgipfel 2019 hatten Experten Vorgaben für den Umgang mit Verdachtsfällen und die Zusammenarbeit mit staatlichen Ermittlern angemahnt. Papst Franziskus hat mehrfach versprochen, dass konsequent gegen Täter vorgegangen werden soll. Er ergriff mehrere Maßnahmen. Opfer bemängeln aber weiter, dass Kirchenmänner vielerorts bei der Aufklärung bremsen und verschleiern würden.

Kardinal Luis Francisco Ladaria Ferrer erläuterte zu dem sogenannten Vademecum mit mehr als 160 Artikeln, es sei kein Gesetzestext. Vielmehr würden Bischöfe und Ordensobere in dem Ratgeber praktische Hinweise erhalten, wie sie mit Missbrauchsfällen umgehen sollten.

In dem Handbuch mahnt der Vatikan erneut die religiösen Institutionen zum offensiven Anzeigen der Taten bei staatlichen Stellen an. Es gehe darum, Minderjährige vor weiteren Übergriffen zu schützen. Es gibt auch Hinweise zu Persönlichkeitsrechten möglicher Täter, zum Umgang mit möglichen Fehlinformationen und vieles mehr.

dpa/km

3 Kommentare
  1. Marcel Scholzen eimerscheid

    Alles schön und gut. Das reicht nicht, um die Glaubwürdigkeit der Katholischen Kirche wieder herzustellen. Da müsste Grundlegendes geändert werden wie den Zwangszölibat oder das Priesteramt für Frauen.

  2. Alfons van Compernolle

    Herr Scholzen , ich kann Ihnen hier nur Zustimmen !! Allerdings auf eine grundlegende Reform der Kath.-Kirche koennen wir noch mindestens 150 Jahre warten. Grundsaetzlich sollte Kindermissbrauch auch in den Amtskirchen bei den Staatsanwaltschaften angezeigt werden. Wie man auf ARD / ZDF Text entnehmen kann, soll erst durch kirchliche Mandatstraeger geprueft werden , ob der jeweilige
    Missbrauch anzeigepflichtig ist oder eben nicht. KIRCHENRECHT , dann soll geprueft werden ob in dem betroffenen Land eine Anzeigepflicht besteht und erst dann, soll Strafanzeige etc gestellt werden.

  3. Marcel Scholzen eimerscheid

    Werter Herr van Compernolle.

    Wenn Kirchenverantwortliche das Kirchenrecht über das staatliche Gesetz stellen, dann ist das sehr bedenklich. Dann sind die nicht besser als Dschihadisten, für die der Koran auch über dem Gesetz steht. Missbrauchsfälle, ob in der Kirche oder anderswo, sind eine Angelegenheit für staatliche Behörden. Es dürfen keine Ausnahmen gemacht werden, wäre gegen alle Prinzipien von Demokratie und Rechtsstaat.

    Und eine grundlegende Kirchenreform wird es nicht geben. Lieber gehen Papst und Konsorten „mit Mann und Maus unter“ als sich zu ändern. Das Bedürfnis nach Religiosität und Spiritualität wird dann eben von anderen befriedigt. Gut möglich, dass die katholische Kirche auf dem Schutthaufen der Geschichte landet wie die antiken Götter.