Bienenstöcke in der Stadt: Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Städte sind bei Imkern beliebte Orte für die Haltung von Honigbienen. Bienenstöcke mitten in Brüssel oder in Paris, das ist hipp und klingt nach einem guten Plan für die Natur! Ist es aber leider nicht unbedingt.

Eine fleißige Biene beim Pollensammeln

Bild: Martin Gerten/AFP

Neue Forschungen zeigen, dass ein Überschuss an Honigbienen für die anderen Wildarten schädlich ist. Französische Wissenschaftler haben drei Jahre lang in Pariser Parks und Gärten die Bewegungen der Bienen genau beobachtet und gesehen, dass an allen Orten, wo die Menschen die Honigbiene ansiedelte, die Zahl der dort lebenden Wildbienen abgenommen hat. An einigen Stellen hat sich der Bestand an Wildbienen sogar halbiert. Darauf hat die Forscherin Isabelle Dajoz von der Université Paris Diderot hingewiesen.

Der Grund dafür ist einfach. Die neuen Honigbienen sammeln aktiver und effizienter Nektar. Für die Wildbienen bleibt dann nicht genug übrig. Und nicht nur für sie. Auch andere Bestäuber wie Hummeln und Schmetterlinge haben es schwer und verschwinden.

Honigbienen sind zwar nicht unbedingt von Natur aus dominanter als andere Insekten. Aber sie haben die Unterstützung des Imkers. Sie werden bestens umsorgt: Der Imker schaut, ob es ihnen gut geht, er versorgt die Bienen mit zusätzlicher Nahrung. Was Honigbienen aber sowieso besser können als Hummeln ist zum Beispiel, Reserven anzulegen.

Wenn zu viele Bienen in einer Stadt leben, dann leidet also die Artenvielfalt. Außerdem interessiert sich die Honigbiene nicht für alle Blumen und Pflanzen. Dazu gehören zum Beispiel wilde Orchideen und Tomaten. Diese Pflanzen sind bei der Bestäubung auf Wildbienen angewiesen.  Wenn es aber immer weniger Wildbienen gibt, gibt es in der Folge auch weniger neue Orchideen oder Tomaten. Und das wiederum hat Konsequenzen für die Vögel in der Stadt, die sich von diesen Blumen und Pflanzen ernähren.

Die Forscher der Pariser Universität sagen ganz deutlich: Man soll aufhören, Bienenstöcke in den Städten aufzustellen. Einige Wissenschaftler fordern sogar,  die Bienenstöcke, die bestehen, wieder aus den Städten herauszuholen. In Paris gibt es immerhin 20 Bienenstöcke pro Quadratkilometer. Das ist zu viel, sagen die Wissenschaftler. Eine andere Möglichkeit gegenzusteuern wäre, mehr Grün zu pflanzen. Mit mehr Blumen in der Stadt und mehr Pollen gäbe es möglicherweise genug Nektar für alle Bienen.

vrt/jp/est

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