Halle: Täter plante Blutbad in Synagoge

Nach dem Anschlag auf eine Synagoge im deutschen Halle mit zwei Toten hat die Bundesanwaltschaft Haftbefehl gegen den festgenommenen 27-Jährigen beantragt.

Mutmaßlicher Attentäter in Halle (Bild: Andreas Splett/AFP)

Mutmaßlicher Attentäter in Halle (Bild: Andreas Splett/AFP)

Ihm werde zweifacher Mord und versuchter Mord in neun Fällen vorgeworfen. Im Auto des Mannes seien vier Kilogramm Sprengstoff gefunden worden. Er habe vergleichbare Taten nachahmen und selbst Nachahmer finden wollen, hieß es. Der Täter hatte offenbar geplant, ein Blutbad in der Synagoge anzurichten. Nachdem er an der verschlossenen Tür gescheitert war, erschoss er zwei Menschen und verletzte später zwei weitere durch Schüsse.

Die Durchsuchung der Wohnung fand nach MDR-Informationen in Benndorf bei Eisleben statt, wo der Mann mit seiner Mutter gelebt haben soll. Die Bundesanwaltschaft erklärte, geprüft werde auch, ob es Mittäter gegeben habe. Die Tat werde als rechtsextremistisch und antisemitisch motiviert eingestuft.

Der Bundesanwaltschaft zufolge soll der 27-Jährige noch am Donnerstag dem Haftrichter vorgeführt werden. Er war am Mittwochnachmittag auf der Flucht festgenommen worden. Den Anschlag auf die Synagoge hatte er per Helm-Kamera gefilmt und live ins Internet gestellt. Zudem gibt es im Internet ein Bekenner-Manifest.

Der Zentralrat der Juden hat schwere Vorwürfe gegen die Polizei erhoben. Dass die Synagoge in Halle an einem Feiertag wie Jom Kippur nicht durch die Polizei geschützt war, sei skandalös. Das sagte Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland. Diese Fahrlässigkeit habe sich jetzt bitter gerächt.

Die Brutalität des Angriffs übersteige alles bisher Dagewesene der vergangenen Jahre und sei für alle Juden in Deutschland ein tiefer Schock.

NRW-Synagogen besser schützen

Nach den tödlichen Schüssen nahe der Synagoge von Halle sind in mehreren deutschen Bundesländern die Sicherheitsvorkehrungen vor jüdischen Gotteshäusern verstärkt worden. Auch in Nordrhein-Westfalen würden die Schutzmaßnahmen vor israelisch-jüdischen Einrichtungen „beträchtlich erhöht“, sagte ein Sprecher des NRW-Innenministeriums. Das gelte vor allem für größere, exponierte Synagogen.

In NRW gibt es größere jüdische Gemeinden mit Synagogen unter anderem in Aachen, Düsseldorf und Köln.

Gedenken der Opfer von Halle: Messe im Aachener Dom

Das Domkapitel Aachen gedenkt am Freitag der Opfer der Schießerei von Halle. Um 10:00 Uhr wird es eine Messe im Aachener Dom geben.

Die deutsche Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) hat die Tat von Halle als „rechtsextremistischen Terroranschlag“ eines Einzeltäters bezeichnet. Der Schütze habe aus antisemitischen und rechtsextremistischen Gründen gehandelt, sagte sie am Donnerstag.

dpa/mitt/cd/jp/lo/rkr

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