Terror in Barcelona: Hauptverdächtiger möglicherweise flüchtig

Die Ermittlungen in Spanien kommen voran. Die Polizei hat mehrere Verdächtige erschossen und weitere festgenommen. Der Haupttäter ist aber möglicherweise noch auf der Flucht. Die spanische Regierung hält die Terrorzelle derweil für zerschlagen. Die katalanische Polizei und die Regionalregierung wollen das allerdings weder dementieren noch bestätigen.

Spanischer Polizist auf der Promenade Las Ramblas

Spanischer Polizist am Samstag auf der Promenade Las Ramblas

Nach der Terrorattacke mit einem Lieferwagen in Barcelona ist der Haupttäter möglicherweise noch auf freiem Fuß. Die Polizei bezweifelt inzwischen, dass der bisherige Hauptverdächtige tatsächlich der Fahrer des Tatfahrzeugs war.

Der 17 Jahre alte Moussa Oukabir war nach Angaben der Polizei zusammen mit vier anderen Verdächtigen in der Nacht zum Freitag bei einem Antiterror-Einsatz in Cambrils südlich von Barcelona erschossen worden. Medienberichten zufolge richtet sich die Aufmerksamkeit der Polizei auf einen derzeit flüchtigen 22 Jahre alten Marokkaner. Dabei handele es sich um den Bruder eines der getöteten Terrorverdächtigen von Cambrils.

Die Ermittler gehen derzeit davon aus, dass die Terrorattacken in Spanien nicht das Werk von Einzeltätern, sondern einer organisierten Islamisten-Zelle waren. Die Ermittler ordneten der mutmaßlichen Terrorgruppe am Freitag drei Vorfälle zu: Den schweren Anschlag mit einem Kleintransporter auf Barcelonas Flaniermeile Las Ramblas, bei dem am Donnerstag 13 Passanten getötet wurden, einen vereitelten Angriff in der Küstenstadt Cambrils und die Explosion in einem Wohnhaus in der Ortschaft Alcanar.

Terrorzelle zerschlagen?

Die spanische Regierung hält die Terrorzelle mittlerweile für zerschlagen. Polizei und Regierung scheinen aber uneins: Die katalanische Polizei und die Regionalregierung halten die Terrorzelle noch nicht für total zerschlagen. Damit widersprechen sie der Sicht der spanischen Regierung.

Er wolle die Aussage der Regierung weder dementieren noch bestätigen, sagte ein Sprecher der katalanischen Polizei, vor Journalisten. Die katalanische Polizei leite diese Ermittlungen, gemeinsam mit der spanischen Nationalpolizei und der Zivilgarde. „Wir werden informieren, wann wir die Zelle für als zerschlagen erachten“, sagte er.

Die spanische Regierung lehnte es auch ab, die Terrorwarnstufe anzuheben. In Spanien gilt bereits seit zwei Jahren die zweithöchste Terrorwarnstufe 4. Sie bedeutet, dass ein „erhebliches Risiko eines terroristischen Anschlags“ besteht. Allerdings würden die Sicherheitsvorkehrungen ab sofort verschärft.

Hausdurchsuchung in Alcanar

Am Samstagmorgen hat die Polizei hat in der Stadt Ripoll nördlich von Barcelona das Haus eines Imam durchsucht. Die Sicherheitskräfte hätten nach DNA-Proben gesucht, berichtete die Zeitung „El País“ unter Berufung auf Polizeikreise. Es gebe die Vermutung, dass es sich bei einer der beiden Leichen, die in der von einer Explosion zerstörten Wohnung in Alcanar gefunden worden waren, um den muslimischen Geistlichen handeln könnte.

Die Einsatzkräfte kündigten „mehrere kontrollierte Explosionen“ in Alcanar an und erklärten, die Bevölkerung solle sich nicht beunruhigen.

Rückblick

Augenzeugen berichteten, in Barcelona sei der Fahrer eines weißen Lieferwagens mit etwa 80 Stundenkilometern in die Menge auf den Las Ramblas gerast. Ein Tourist sagte, der Fahrer sei Zickzack gefahren, „um ein Maximum an Fußgängern zu erwischen“. 13 Menschen kamen ums Leben, mehr als 100 wurden verletzt. Unter den Toten ist auch eine Belgierin. Den Anschlag im Herzen Barcelonas reklamierte die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) für sich.

Nur Stunden später wurde im Badeort Cambrils eine Frau von fünf flüchtenden Terroristen getötet. Die Gruppe stand nach Angaben der Polizei kurz davor, einen ähnlichen Anschlag wie in Barcelona zu verüben. Die Männer hätten jedoch die Flucht ergriffen, als sie mit ihrem Auto von der Polizei gestoppt wurden. Die Verdächtigen seien davongerast und hätten Passanten angefahren, hieß es. Dabei wurden sieben Menschen verletzt, eine Frau starb später.

Bei dieser Polizeiaktion soll auch der Fahrer des Tatfahrzeugs in Barcelona getötet worden sein, wie Medien ohne Nennung eines Namens oder von Einzelheiten berichteten. Die Sicherheitskräfte hatten zuvor mitgeteilt, sie fahndeten nach einem 17-Jährigen mit dem Namen Moussa Oukabir als Haupttäter. Er soll seinem älteren Bruder dessen Pass gestohlen und damit den Transporter angemietet haben, mit dem Anschlag auf der Flaniermeile Las Ramblas verübt wurde. Ob Moussa Oukabir auch der Fahrer des Transporters war, war unklar.

Vier Festnahmen

Die Polizei vermutet, dass die Terroristen ihre Attacken schon seit längerer Zeit in dem 10.000-Einwohner-Ort Alcanar südlich von Tarragona vorbereitet haben, wo sich am Mittwoch die Explosion in dem Wohnhaus ereignet hatte. Dabei hatte es einen Toten gegeben. Am Freitag wurde dort spanischen Medienberichten zufolge eine zweite Leiche gefunden. In dem Gebäude sollen nach Informationen der Zeitung „El Pais“ etwa 20 Gasflaschen gelagert worden sein. „Alles begann in Alcanar“, titelte das angesehene Blatt. Die Polizei gehe davon aus, dass der Terrorzelle etwa zwölf Mitglieder angehörten.

In Ripoll 100 Kilometer nördlich von Barcelona, in Cambrils und im nochmals weiter südlichen Alcanar nahm die Polizei bis Freitag vier mutmaßliche Terroristen fest. Keiner von ihnen sei bis dahin durch terroristische Aktivitäten in Erscheinung getreten.

Die katalanischen Rettungsdienste teilten mit, die Opfer der Anschläge von Barcelona und Cambrils stammten vermutlich aus 34 Ländern. Die Zahl sei vorläufig. Wie viele Opfer aus welchem Land stammen, war noch ungewiss.

Barcelona gedachte der Opfern mit einer Schweigeminute. Auf der berühmten Plaça de Catalunya versammelten sich am Freitag um 12 Uhr unter anderem auch König Felipe VI. und Ministerpräsident Mariano Rajoy sowie zahlreiche weitere Politiker und Behördenvertreter.

Trump sichert Unterstützung zu

US-Präsident Donald Trump hat Spanien seine Unterstützung ausgesprochen. Die Vereinigten Staaten würden dem Land bei den Ermittlungen beistehen und helfen, die Verdächtigen zur Rechenschaft zu ziehen, sagte Trump nach Angaben des Weißen Hauses in einem Gespräch mit dem spanischen Ministerpräsidenten.

dpa/rkr/mg/fs - Bild: Pascal Guyot/AFP

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Ein Kommentar
  1. Damien Francois

    Retour à la case départ, la valse de la „Verarscherei“ continue… Terrorzellen? Fällt ihnen nichts Neues ein? Hatten wir doch alles schon, vor einigen Jahren, bereits. Also sind es doch organisierte Banden. So so… Also doch nicht Einzeltäter, Gestörte, Labile, Junkies oder Besoffene (seltsam, nicht, ist das doch alles verboten, in der „Friedensreligion“), Frustrierte und Eifersüchtige, Einsame und Pubertäre, nicht der Klimawandel, nicht die westlichen Spermien, die ja nichts mehr wert sind, nicht die koloniale Vergangenheit, und und und? Also doch Terror?! Da haben wir ja wieder etwas dazu gelernt! Sind die Medien nicht großartig? Sie erklären und die Welt. Ich sollte wirklich dankbar sein, denn ich hatte das alles ja nicht so richtig verstanden…

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