Terror in Barcelona: Tote und Verletzte – Belgierin unter den Toten

Ein Lieferwagen rast in Barcelona in eine Menschenmenge, es gibt Tote und Verletzte. Die Polizei bestätigt, dass es sich um einen Terroranschlag handelt. Die Terrororganisation "Islamischer Staat" reklamiert die Tat für sich. Unter den Toten ist auch eine Belgierin.

Terroranschlag in Barcelona

Bei dem Terroranschlag mit einem Lieferwagen in der Innenstadt von Barcelona hat es nach offiziellen Angaben mindestens 12 Tote und mehr 80 Verletzte gegeben. Einige Medien berichten auch von mindestens 13 Toten. Damit korrigierte die katalanische Regierung am Donnerstagabend die Opferzahlen nach oben. Zunächst war von einem Toten und 32 Verletzten die Rede.

Unter den Toten ist nach Angaben von Außenminister Didier Reynders auch mindestens eine Belgierin. In der VRT sagte Reynders, das Außenministerium stehe in Kontakt mit der Familie der Frau.

Ein Lieferwagen war im Zentrum der Stadt gegen 17 Uhr in eine Menschenmenge gerast. Die katalanische Polizei bestätigte, dass es sich um einen Terroranschlag gehandelt habe.

IS bekennt sich – Zwei Festnahmen

Zu dem Anschlag hat sich am Donnerstagabend die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) bekannt. Das geht aus einer Mitteilung der sogenannten Nachrichtenagentur „Amaq“ hervor. Darin ist von mehreren Tätern die Rede.

Man könne derzeit noch nicht sicher sagen, was genau passiert ist, sagte ein Polizeisprecher. Ein Großaufgebot suchte nach den Tätern.

Nach Angaben des katalanischen Regierungschefs Carles Puigdemont sind insgesamt zwei Verdächtige festgenommen worden. Das sagte er am Donnerstagabend nach 21 Uhr in Barcelona vor der Presse.

Kurz nach 20 Uhr am Donnerstagabend hatte die Polizei bereits die Festnahme eines ersten Verdächtigen bestätigt. Sie dementierte hingegen, dass sich ein anderer Verdächtiger in einer Kneipe verschanzt habe.

Bei dem ersten Festgenommenen soll es sich um einen Mann handeln, der in einer Stadt nördlich von Barcelona gemeldet sei. Er komme aus Marseille und habe nordafrikanische Wurzeln, berichteten die katalanische Zeitung „La Vanguardia“ und das staatliche Fernsehen TVE unter Berufung auf Polizeikreise. Es werde nach mindestens einem weiteren Verdächtigen gefahndet. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es nicht.

Unbestätigt sind Berichte spanischer Medien, wonach ein weiterer Verdächtiger bei einem Feuergefecht mit der Polizei erschossen worden sei.

Augenzeugenberichte

Fotos von Anwohnern im Internet zeigten Leichen am Straßenrand. Die betroffene Gegend wurde weiträumig abgesperrt.

Augenzeugen sprachen im staatlichen spanischen Fernsehen von einem Täter, der Anfang 20 gewesen sein soll. Der weiße Lieferwagen sei ungebremst mit etwa 80 Stundenkilometern in die Menge gerast.

„Leute sind durch die Wucht des Aufpralls in alle Richtungen geschleudert worden“, zitiert die Zeitung „El País“ eine Augenzeugin. „Auch drei Fahrradfahrer wurden getroffen.“ Die Zeitung „La Vanguardia“ schreibt: „Zum Zeitpunkt der Kollision waren die Ramblas voller Menschen, denn es ist gerade Hochsaison.“

Der Fahrer des Lieferwagens soll ein Mann von etwa 1,70 Meter Größe sein und ein weißes Hemd mit blauen Streifen tragen, wie die Zeitung „El Periódico de Catalunya“ berichtete. Nach ihm werde gesucht, zitierte das Blatt die katalanische Regionalpolizei. Ob einer der beiden Festgenommen der gesuchte Mann ist, ist noch unklar.

Der Verkehr im Zentrum der Stadt sei zusammengebrochen, berichteten Augenzeugen.

Bei dem weißen Lieferwagen, der für das Attentat benutzt wurde, soll es sich nach Medienberichten um ein gemietetes Fahrzeug gehandelt haben. Ein zweiter Lieferwagen, mit dem die Attentäter womöglich hätten fliehen wollten, sei nahe Barcelona gefunden worden, schreiben die katalanischen Zeitungen „La Vanguardia“ und „El Periódico de Catalunya“ unter Berufung auf die Polizei.

Ein französischer Tourist erzählte dem Sender BFMTV, das Fahrzeug sei Zickzack gefahren, „um ein Maximum an Fußgängern zu erwischen“. „Das ist ein Lieferwagen, der in die Fußgängerstraße gerast ist“, sagte Henry, der den Angriff nach eigenen Angaben aus nächster Nähe miterlebte. „Ich bin einfach so nah wie möglich an einen Ort gerannt, wo ich mich schützen konnte.“ Die Person hinter ihm sei angefahren worden. „Als das Fahrzeug vorbei war, haben wir denen geholfen, die am Boden lagen“, sagte der Mann. „Die Polizei hat sehr gut reagiert.“ Er habe sich später in eine Bar geflüchtet, die zur Sicherheit den Fensterladen heruntergelassen habe.

Die Beamten waren mit einem großen Aufgebot am Ort und forderten die Bevölkerung auf, die Region zu meiden. Zahlreiche Krankenwagen waren im Einsatz. Viele Menschen liefen in Panik über die Straßen. Naheliegende U-Bahn-Stationen und andere öffentliche Verkehrsmittel seien geschlossen worden, hieß es.

Die Geschäfte auf den Ramblas hätten geschlossen und ihre Fensterläden heruntergelassen. Polizei ging durch und überprüfte, dass keine Terroristen da sind. Die Behörden riefen zu Blutspenden auf.

Auf den Ramblas wurden alle Läden und Lokale evakuiert. Die Menschen wurden dort von der Polizei hinausbegleitet, wie die katalanische Polizei auf Twitter mitteilte.

Belgische Touristen

Die Reiseveranstalter Tui und Thomas Cook haben damit begonnen, belgische Touristen in Barcelona zu kontaktieren. Die Metropole gilt als eines der beliebtesten Ziele der Belgier für Citytrips. Tui Belgien zählt derzeit 699 Touristen in Barcelona, Thomas Cook 124.

„Wir haben unseren Kunden sofort eine SMS geschickt, um sie über den Anschlag zu informieren. Auch haben wir sie gebeten, ein Lebenszeichen zu geben“, sagte Tui-Sprecher Piet Demeyere.

Die Reiseveranstalter rufen ihre Kunden dazu auf, den Anweisungen der lokalen Behörden zu folgen, die Umgebung von Ramblas zu meiden und sich über den Stand der Dinge auf dem Laufenden zu halten.

Es ist noch unklar, ob Kunden eine geplante Reise nach Barcelona nun stornieren können. Nach Angaben der beiden Reiseveranstalter wird darüber noch beraten.

Wer hierzulande einen Angehörigen in Barcelona vermisst, kann sich unter einer Hotline informieren. Die Nummer lautet: 02/501 81 11.

Das belgische Konsulat in Barcelona stehe in permanentem Kontakt zu den lokalen Behörden, erklärte Außenminister Reynders über Twitter.

Auch die spanischen Hilfsdienste haben eine Hotline für besorgte Angehörige geschaltet. Die Nummer in Spanien lautet: +34932142124.

Der spanische König Felipe VI. hat den Terroranschlag von Barcelona scharf verurteilt. „Das sind Mörder, einfach Kriminelle, die uns nicht terrorisieren werden“, schrieb der Palast auf Twitter. Zugleich drückte der Hof seine Solidarität aus: „Ganz Spanien ist Barcelona. Die Ramblas werden wieder für alle da sein“.

Internationale Reaktionen

Außenminister Didier Reynders schreibt in einer ersten Reaktion über Twitter: „Der mörderische Wahnsinn der Terroristen hat in Barcelona zugeschlagen. Wir zeigen uns solidarisch und denken an die Opfer und ihre Angehörigen“. Reynders veröffentlichte seinen Tweet auf Spanisch, Französisch und Niederländisch. Auch zahlreiche weitere Minister und andere Politiker sprachen den Opfern und dem Land Spanien ihre Anteilnahme aus, darunter Innenminister Jan Jambon und Premierminister Charles Michel.

Nach dem tödlichen Zwischenfall hat das deutsche Auswärtige Amt seine Sicherheitshinweise für Spanien aktualisiert. „Reisenden wird geraten, den Bereich weiträumig zu meiden, den Anweisungen der Sicherheitskräfte Folge zu leisten und sich über die lokalen Medien zu informieren“, teilte das Auswärtige Amt am Donnerstagabend mit.

Die deutsche Bundesregierung hat sich erschüttert über den Terroranschlag in Spanien gezeigt. „In tiefer Trauer sind wir bei den Opfern des widerwärtigen Anschlags in Barcelona“, schrieb Regierungssprecher Steffen Seibert auf Twitter. Man stehe in Solidarität und Freundschaft an der Seite der Spanier.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg teilte mit: „Wir stehen vereint im Kampf gegen den Terrorismus.“ EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani bekannte, die gesamte EU sei vereint in der Verteidigung des Friedens.

Die USA verurteilen laut Präsident Donald Trump den Anschlag von Barcelona. Man werde alles tun, was nötig sei, um zu helfen, twitterte Trump am Donnerstag in seiner ersten Reaktion. „Seid zäh und stark, wir lieben Euch!“ schrieb Trump. US-Präsident Donald Trump lässt sich nach Angaben des Weißen Hauses ständig auf dem Laufenden halten.

Russlands Präsident Wladimir Putin hat nach dem Anschlag die Bereitschaft zum gemeinsamen Kampf gegen den Terror bekräftigt. „Der Vorfall bestätigt einmal mehr die Notwenigkeit, dass die gesamten Weltengemeinschaft sich im kompromisslosen Kampf gegen die Kräfte des Terrors vereinigen muss“, schrieb Putin an den spanischen König Felipe VI.

Papst Franziskus hat den Opfern seine Anteilnahme ausgedrückt. Papst Franziskus verfolge mit „großer Sorge“, was in Barcelona passiere, erklärte Vatikan-Sprecher Greg Burke. „Der Papst betet für die Opfer dieses Attentates und möchte dem ganzen spanischen Volk seine Nähe ausdrücken, besonders den Verletzten und den Familien der Opfer.“

Rückblick

Der bisher blutigste Terroranschlag in Spanien ereignete sich am 11. März 2004. Damals hatten islamistische Attentäter in Madrid Bomben in Pendlerzügen gezündet und 191 Menschen getötet. Rund 1500 weitere wurden verletzt.

Seit vergangenem Sommer war es in Europa wiederholt zu Anschlägen mit Fahrzeugen gekommen. Im Juli 2016 raste ein Attentäter mit einem Lkw auf dem Strandboulevard von Nizza in eine Menschenmenge. 86 Menschen starben. Beim Anschlag mit einem gekaperten Laster auf den Berliner Weihnachtsmarkt kamen im Dezember zwölf Menschen ums Leben. Im Frühjahr 2017 gab es zudem tödliche Attacken mit Fahrzeugen in London und Stockholm.

dpa/belga/okr - Bild: Josep Lago / Pau Barrena / Lluis Gene (afp)

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11 Kommentare
  1. Damien Francois

    Und die Umma schaut zu – der Islam, Religion des Friedens. Was noch?

  2. Jean-Pierre DRESCHER

    Währenddessen werden islamische Terroranschläge in Deutschlands Städten vor den Parlamentswahlen als „trauriger Einzelfall einer psychisch labilen Einzelperson“ umgenannt.

  3. Damien Francois

    Zunächst waren es Terroristen, dann nur noch Einzeltäter, Gestörte, Frustrierte, und dann der Klimawandel, die koloniale Vergangenheit, das Streiken der Spermien bei den westlichen Männern, und was noch? Was wird noch alles auf den Tisch kommen, um diesen Wahnsinn mit den buntesten Entschuldigungen zu erklären? Ich kaufe am Wochenende ganz viele Kerzen, regenbogenfarbig, of course, und dann rezitiere ich das Mantra „Sie sind alle lieb! Sie sind alle lieb!“ und ab Montag ist alles gut.

  4. Jean-Pierre DRESCHER

    Merkt Euch eins – vor den Parlamentswahlen in der BRD gibts einfach keinen Terrorismus! Genausowenig ist laut der Tagesschau seit einer Woche die Rheintalbahn als Europas wichtigste internationale Güterstrecke für mehrere Monate vollkommen kaputt warum auch immer (Unterbruch kurz bevor vollbesetzter Sonderzug zur Zürcher Streetparade die Baustelle passierte). Terroristen, Verkehrsinfarkt, prekäre Arbeitsverhältnisse, Massenverarmung, Umweltzerstörung, Angst vor der Zukunft – alles nur Fake vor der alles entscheidenden Schicksalswahl für ganz Europa.

  5. Damien Francois

    Ja, Herr Drescher, und wenn man liest, daß die katalanische Polizei soeben meldete, daß keiner der Mörder und der Helfer (Marokkaner und ein „Pass-Spanier“ – auch Marokkaner) polizeilich bekannt waren, liegt die Vermutung sehr nahe, es handele sich um „Neue Konsumenten“. Und das wiederum, macht alle Bemühungen der Träumer, den Wahnsinn als „isoliertes Phänomen“ herunter zu spielen, hier in Europa zunichte, finden Sie nicht?

  6. Ernst Mathieu

    Manche scheinen ja auf dieses Verbrechen gewartet zu haben, um die eigenen Theorien zu beweisen.
    Von Schrecken oder Anteilnahme für die Opfer leider keine Spur.

  7. Damien Francois

    Herr Ernst, zünden Sie Kerzen an und teilen Sie Ihre Anteilnahme mit. Dieser Zirkus hat wohl leider keinen Sinn mehr heute. Jeden Tag werden Menschen von Moslems ermodert, hier, brutalst, und Sie kommen mit solche Sprüchen. Ehrlich. respekt den Toten gegenüber beweisen Sie dadurch überhaupt nicht. Sie können ja persönlich weiterhin die Augen verschliessen, und so tun als ob, aber hören Sie auf mir entweder direkt oder über einen Umweg vorzuschreiben wie ich zu denken habe, und was ich wann und wie sagen soll.

  8. Jean-Pierre DRESCHER

    Nur von heute: In Hessen wird ein 43-jähriger Vater vor den Augen seiner 2-jährigen Tochter getötet von einem 20-30 Jahre alten Mann mit Baseballcap, in Wuppertal sticht jemand einen 31-Jahre alten Mann tot und verletzt seinen Bruder schwer, in Nürnberg ballern junge Männer mit Schusswaffen aus dem Fenster einer Asylbewerberunterkunft auf die Straße bis die Mobile Einheit der Polizei das Gebäude stürmt.

    Motivlage in allen drei Fällen offiziel „unklar“…

  9. Damien Francois

    Auch in Frankreich töten die Neuen Konsumenten JEDEN TAG. Gestern, also parallel zu Finland, Wuppertal, uvm: „Divion. Un jeune meurt lors d’une rixe avec des migrants dans un foyer d’insertion (LA VOIX DU NORD). Schlägereien, Vergwaltigungen, Morde, JEDEN TAG. Schweden, eine Gesamt-No-Go-Zone wo sich 80% der Frauen nicht mehr sicher fühlen – die übrigen 20% sind wohl „Neue“; Städte wie Nîmes (FR), ditto; organiserte Pakistani-Banden, die WEISSE MÄDCHEN zur Prostitution zwingen, in England (zig Fälle); Chaos in Deutschland; und und und. Und es gibt Erleuchtete, die mit Kerzen und „Haben uns alle lieb“ reagieren. Wenn Moslems ein Verbrechen begehen, sagen sie dann: „Wir verurteilen jede Form von Gewalt“. Aber weh es ist ein Weißer, AUSNAHMSWEISE, wie in Charlotteville. Die Ultragewalt des linken Packs: „Es sind ja nur Pubertäre blah blah blah“. „Divide et impera“ funktioniert prächtig; Europa wird gespalten und noch schwächer. Weiter so, Herr Ernst! und Konsorten. Tssssssssssssss.

  10. Damien Francois

    Da es neue Entwicklungen gibt, muß ich doch hinzufügen: Herr Ernst, eine Theorie kann tatsächlich bloß ein Hirngespinst sein; wenn sie aber jeden Tag durch harte Fakten (sind sie nicht hart genug, die Fakten?) belegt wird, bewahrheitet sich diese Theorie, und wird dadurch zur bloßen Beschreibung der Realität. Ist Ihnen der Fall Kopernikus nicht bekannt?

  11. Peter Schallenberg

    Herr Ernst Mathieu: man gewöhnt sich (leider) an ständig neue Meldungen von Anschlägen, von Toten, von Verletzten. Dauernd Schrecken und Anteilnahme zu haben weicht zumindest bei mir einer latenten Angst, mitunter auch einer stillen Wut.

    Das ist eine Art Abstumpfung, ja, aber auch Verdrängung und meistens die einzige Möglichkeit, mit diesen Ereignissen umgehen zu können. Die Betroffenheit steigt erst mit der Nähe eines Ereignisses, Spanien ist gedanklich weit weg.

    Und natürlich sucht jeder Erklärungen! Aber ich wüsste nicht einen Foristen, der seiner Theorien wegen auf diese Verbrechen geradezu wartet. Dazu sind wir letztlich dann doch alle nur Menschen.

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