Kommentar: Netzgebühr für Photovoltaik ist fair

Photovoltaik-Besitzer sollen ab 2019 dafür zahlen, dass sie das Stromnetz nutzen. Experten schätzen, dass für eine durchschnittlich dimensionierte Heimanlage Kosten zwischen 330 und 560 Euro entstehen. Viele Photovoltaik-Besitzer laufen Sturm gegen die angekündigte Regelung. Die Maßnahme ist fair, verspielt aber wieder Vertrauen.

BRF-Programmchef Olivier Krickel

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Wer behauptet, mit einer Photovoltaikanlage werde man zum Strom-Selbstversorger, betreibt Augenwischerei. Solange keine Batterie den selbstproduzierten Strom speichert, hängt man vom Netz ab – der Photovoltaikbesitzer sogar doppelt. Tagsüber wird er darüber den überschüssigen Solarstrom los, wenn‘s dunkel wird, saugt er Nicht-Solarstrom über das öffentliche Netz zurück. Strom immer im ausreichenden Maß, egal, ob die Sonne scheint oder nicht, diesen Service erhält der Photovoltaikbesitzer bisher völlig kostenlos. Vorausgesetzt er speist übers Jahr genauso viel Strom ein, wie er entnimmt.

Das führt mancherorts sogar zu ökologisch perversen Nebeneffekten. Dann etwa, wenn es für Photovoltaikbesitzer plötzlich wieder wirtschaftlich wird, mit Elektroöfen zu heizen, weil er etwa mehr Strom produziert hat, als er verbrauchen würde. Geheizt wird bekanntlich in der dunklen Jahreszeit, wenn wenig Sonne scheint und der meiste Strom doch wieder aus konventionellen Quellen – sprich der Atomkraft – stammt. Das Vorhaben vom Atomstrom loszukommen, wird ins Gegenteil verkehrt.

Bisher bezahlen das Stromnetz letztlich alle, die keine Photovoltaikanlage betreiben. Denn die Netzgebühren berechnen sich über den Nettoverbrauch aus dem Stromnetz. So etwas nennt man Schneeballsystem. Wenn alle Privathaushalte mit Photovoltaik ausgestattet wären, gäbe es keinen mehr, der für das Stromnetz bezahlt. Daher wird es höchste Zeit, diese ungerechte Praxis zu beenden. Schließlich machen die Netzkosten rund die Hälfte der Stromrechnung aus.

Eine Netzgebühr schmälert die Rendite von Solaranlagen – kein Zweifel. Doch gerade für diejenigen, die noch von der großzügigen Verteilung von „Grünen Zertifikaten“ profitieren, sollte immer noch eine weit überdurchschnittliche Rendite übrig bleiben. Solche Anlagen haben sich oft nach etwa vier bis fünf Jahren amortisiert, sind also heute schon abbezahlt. Sie produzieren aber weiter Strom und Anrecht auf „Grüne Zertifikate“ und damit bares Geld.

Bei neueren Installationen ohne exzessive Förderung sieht die Rechnung freilich schlechter aus. Das ändert aber nichts an der Maxime, dass derjenige, der ein Gut wie das Stromnetz nutzt, auch dafür zahlen muss.

Die Folgen der Überförderung von Solarstrom fallen der Allgemeinheit und damit der Politik nicht erst seit gestern auf die Füße. Unvergessen ist der Streit um die rückwirkende Förderkürzung bei den „Grünen Zertifikaten“ vor vier Jahren. Die Solarförderung bleibt das Paradebeispiel für schlechte Politik: Gut gemeint ist eben nicht gut gemacht und Ideologie hebelt nun mal weder Physik noch ökonomische Mathematik aus. Gleichzeitig schwindet das Vertrauen in Politik und Rechtsstaat. Wer mehr verspricht, als er halten kann, sorgt dafür, dass sich am Ende jeder als Verlierer fühlt.

Olivier Krickel - Foto: Achim Nelles/BRF

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Ein Kommentar
  1. Marcel Scholzen eimerscheid

    Der Kommentator hat Recht. Photovoltaik wäre dann eine feine Sache, wenn man die Energie in einer Batterie speichern könnte. Das jetzige System Ist nichts anderes als eine technische Spielerei auf Kosten der Allgemeinheit bzw Augenwischerei, die Erzeuger und Verbraucher nur etwas vermeintlich umweltfreundliches vorgaukelt.

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