"Dream und Drama - genau deshalb passt es genau zu dem, was ich in den letzten Jahren so erlebt habe", erzählt Typh Barrow im Interview, in dem sie so nahbar ist wie eine Freundin, die man seit Ewigkeiten kennt. Es sei einiges passiert, insbesondere die Geburt ihres ersten Kindes, die viele Träume mit sich bringt, aber auch Umbrüche, die vieles in ihrem Leben auf den Kopf gestellt und zu zahlreichen Veränderungen im Privaten wie im Beruf geführt hätten.
"Es ist auch ein bisschen wie das Leben selbst, mit seinen Höhen und Tiefen. Ich fand, dass der Begriff 'Dreama' ein guter Sammelbegriff ist, um dieses Gefühl zusammenzufassen, und dass er auch gut zu der vielleicht etwas epischen Seite des Albums passt, die ich mir in den musikalischen Arrangements und im visuellen Erscheinungsbild vorgestellt habe", erzählt Typh Barrow.
Den Song "Miracle" schrieb sie für ihren Sohn, als sie schwanger war. Sie wollte die neun Monate der Schwangerschaft musikalisch für ihn festhalten. "Als ich den Song im Studio aufgenommen habe, wusste übrigens niemand, dass ich schwanger war. Aber ich hatte mir gesagt: Ich möchte eine Spur von diesem Moment hinterlassen, von all den Emotionen, die ich gerade durchlebe, und ihm dieses kleine Geschenk hinterlassen, das ich ihm machen kann, wenn er geboren ist - von diesem Moment, den wir gemeinsam erlebt haben."
Den Namen des Jungen gibt Typh jedoch nicht preis. Er solle später selbst entscheiden dürfen. "Denn er hat sich nicht ausgesucht, eine Sängerin als Mutter zu haben. Und ich möchte ihm die Wahl lassen, mit seinem Leben das zu machen, was er will, sich der Öffentlichkeit zu stellen, wenn er das möchte, oder auch nicht, wenn er alt genug ist."
"Wir leben in einer Zeit, in der alles übermäßig in den Fokus gerückt wird. Oder auch, dass man sich als Künstler manchmal fast gezwungen fühlt, einen Teil seines Privatlebens preiszugeben, um mehr Aufmerksamkeit, mehr Sichtbarkeit und mehr Neugierde um uns herum zu erzeugen."
Bei all dem Rummel verliere man schnell mal der Blick für das Wesentliche: den Moment. Und darum geht es beim Song "Now Now Now". "Es war dieses Bedürfnis, sich irgendwann zu sagen: Typh hör auf, der Zeit und der Zukunft hinterherzulaufen, hör auf, dich in die Zukunft zu versetzen, hör auf, der Vergangenheit nachzutrauern, denn eigentlich gibt es nur das Hier und Jetzt, das existiert und das wir in unseren Händen halten und von dem wir profitieren können, es auskosten - das ist das Leben."
Den Moment zu leben sei das eine, gesundheitliche Herausforderungen zu meistern das andere. So lebt Typh Barrow seit Kindertagen mit einer Zyste an den Stimmbändern. "Diese Zyste führte dazu, dass ich schon seit meiner Kindheit heiser klang. Und ich habe darunter in meiner Jugend ziemlich gelitten, denn wenn man jung ist, möchte man in Schubladen passen, man möchte wie alle anderen sein. Man hat keine Mädchenstimme wie die anderen. Was den Identifikationsprozess angeht, ist das nicht ganz einfach. Man wird in die Gruppe der Jungen gesteckt, man lässt es einfach zu."
"Und dann kam diese Diagnose, als ich meine Stimme verlor, und das war der Beginn eines Weges, auf dem ich begann, mich an diese Stimme zu gewöhnen, auch ein bisschen besser zu verstehen, warum ich diese Zyste hatte, welche Geschichte dahintersteckte und wie ich im Alltag damit umgehen sollte. Denn der Arzt hatte mir eine Operation vorgeschlagen und ich habe abgelehnt."
Zu ihren Vorbildern gehört übrigens Stevie Wonder. Den hat sie als Kind in der Plattensammlung ihres Vaters entdeckt und von Anfang an gefeiert. Vor allem das Lied Master Blaster aus dem Jahre 1980.
Typh Barrow ist derzeit auf "Dreama-Tour", um ihr gleichnamiges Album vorzustellen. Am 22. November um 18 Uhr ist sie im 'La Scène' in Malmedy zu sehen. Alle Auftritte sind zu finden auf der Webseite von Typh Barrow.
Julia Slot

