Als am späten Nachmittag die letzten Bahnen abgebaut und die technischen Geräte verstaut waren, erinnerte kaum noch etwas daran, dass die Ketteniser Sport- und Festhalle wenige Stunden zuvor Schauplatz der Provinzmeisterschaft im Fechten gewesen war. Für den Eupener Verein war die Veranstaltung zugleich eine Rückkehr: Vor 22 Jahren hatte er die Meisterschaft zuletzt in Eupen organisiert, damals noch in der IRMEP-Kaserne in der Eupener Unterstadt.
In der Zwischenzeit richtete der Verein die Provinzmeisterschaft zwar noch mehrfach aus, musste dafür aber nach Lüttich ausweichen. Mit der Sport- und Festhalle in Kettenis stand nun erstmals wieder eine geeignete Halle auf Eupener Stadtgebiet zur Verfügung. "Wir haben jetzt die Möglichkeit bekommen, die Halle hier in Kettenis zu nutzen. Das ist eine super Halle", freute sich Organisator Gerard Nols. Dieses Urteil habe er nicht exklusiv: "Jeder, der von außerhalb kommt, findet, dass es eine schöne und großzügige Halle ist. Das hat alles super gepasst."
Insgesamt gingen 74 Fechterinnen und Fechter in den drei Waffen an den Start. Den größten Anteil bildeten die Wettbewerbe im Degen, hinzu kamen Florett und Säbel. Entsprechend viel Betrieb herrschte über den Tag verteilt auf den Fechtbahnen. Sportlich wie organisatorisch konnte Nols am Ende ein positives Fazit ziehen. "Es gab einige Wettkämpfe mit insgesamt 74 Fechtern. Alles hat wunderbar geklappt. Ich bin sehr zufrieden."
Dass die Halle bereits vor 18 Uhr wieder nahezu vollständig geräumt war, täuschte allerdings über den enormen Aufwand hinweg, der hinter einer solchen Provinzmeisterschaft steckt. Die Vorbereitungen hatten bereits am Freitag begonnen. Die benötigten Fechtbahnen und technischen Geräte mussten abgeholt und mit zwei Pkw nach Kettenis transportiert werden. Allein die Bahnen haben es buchstäblich in sich. Sie bestehen aus leitendem Material und sorgen dafür, dass Treffer mit der Waffe auf dem Boden nicht als gültige Treffer registriert werden. "So eine Bahn wiegt schon ungefähr 20 Kilogramm und ist 14 Meter lang", so Nols. In der Halle müssen die Bahnen ausgerollt, gespannt und am Boden befestigt werden, damit sie während der Gefechte nicht verrutschen.
Damit ist es längst nicht getan. Die elektronischen Meldegeräte, die Treffer anzeigen, müssen aufgebaut, angeschlossen und getestet werden. Hinzu kommen Verpflegung und Betreuung der Teilnehmer sowie das Herzstück der Wettkampforganisation: das sogenannte Direktorium. "Dort läuft alles zusammen", erläuterte Nols. Die Ergebnisse der einzelnen Gefechte werden dort erfasst und ausgewertet. Auf dieser Grundlage entstehen die Platzierungen, ehe schließlich die Medaillen vergeben werden können.
Auch aus sportlicher Sicht hatte der gastgebende Verein Grund zur Zufriedenheit. 15 seiner Fechterinnen und Fechter nahmen an der Provinzmeisterschaft teil und stellten sich der Konkurrenz. Für Nols sind dabei nicht ausschließlich Medaillen und Platzierungen entscheidend. Der Eupener Verein versteht sich vor allem als Breitensportverein und ist nicht in erster Linie auf nationale und internationale Wettkämpfe ausgerichtet.
Gerade deshalb besitzt eine Provinzmeisterschaft vor der eigenen Haustür einen besonderen Stellenwert. "Wir sind kein Verein, der auf nationale oder internationale Wettkämpfe fixiert ist. Wir betreiben Fechten als Breitensport", betonte Nols. "Deshalb sind wir sehr froh, dass wir bei einer Veranstaltung wie der Provinzmeisterschaft unsere Fechter, die sonst eher selten zu Wettkämpfen fahren, dafür begeistern können."
Radio-Interview mit Gerard Nols im Player:
Christophe Ramjoie