Die fünf "Drytooling"-Routen am Borner Viadukt waren zuvor von der niederländischen Weltcup-Siegerin und Weltmeisterin Marianne van der Steen und dem Weltmeister Dennis Van Hoek eröffnet worden.
Van der Steen zeigte sich begeistert von den Möglichkeiten des Standorts. "Dieser Viadukt ist ein absolut besonderer Ort, den es in dieser Form nicht oft in Europa gibt. Es ist wirklich cool, dass diese Möglichkeit hier besteht", erklärte sie. "Alles ist so natürlich, das passt total zu unserem Sport. Beim Anblick der Bögen kamen mir gleich viele Ideen für Routen."
Beim Drytooling wird mit Eispickeln und einer Fußtechnik geklettert, die dem Steigen mit Steigeisen ähnelt. Statt ins Eis schlagen die Kletterer ihre Geräte in spezielle Klettergriffe. In Born konnten Anfänger zunächst mit Holzäxten erste Erfahrungen sammeln.
"Eisklettern ohne Eis nennen wir Drytooling", erklärte van der Steen. "Du hast die Eisgeräte, aber statt sie ins Eis zu schlagen, setzt du sie in kleine Griffe, die speziell für das Eisklettern funktionieren. Auch bei Wettkämpfen werden solche Griffe verwendet."
Für Einsteiger sei die Variante mit Holzgeräten besonders geeignet. "Die Holzgriffe sind nicht so scharf. Das ist der größte Unterschied. Zum Starten ist es viel sicherer und weniger gefährlich als mit den scharfen Geräten", so die Weltmeisterin. "Für Anfänger ist es besser, mit den Holzgeräten zu starten und dann, wenn das funktioniert, weiterzugehen."

Geklettert werden konnte in normalen Schuhen oder Kletterschuhen. Empfohlen wurden langärmlige Kleidung sowie eine lange Hose oder Leggings. Wer lieber auf herkömmliche Weise kletterte, konnte die Kletterbrücke ebenfalls nutzen.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand nicht allein der Leistungssport. Vor allem Familien und Menschen ohne Vorkenntnisse sollten die Möglichkeit bekommen, die ungewöhnliche Klettertechnik unkompliziert auszuprobieren.
Van der Steen sieht in dem Standort eine besondere Chance, den Sport einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. "Hier kann man jeden Tag herkommen und trainieren. Das ist etwas schwieriger bei mir zu Hause. Dort muss man zuerst trainieren und dann anrufen und spezielle Kurse besuchen. Hier ist es frei. Dadurch wird es möglich, dass viel mehr Leute es ausprobieren können."
Die Niederländerin verfügt selbst über eine große Trainingswand zu Hause. Der Borner Standort biete jedoch eine ganz andere Atmosphäre: "Wir haben zu Hause eine große Wand zum Trainieren, aber das ist etwas ganz anderes als so etwas hier."
Premiere fürs "Belgian Dry Tool Event"
Parallel zum Familienangebot fand in Born auch das erste "Belgian Dry Tool Event" für erfahrene Kletterer und Profis statt. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Kletterclub Ostbelgien gemeinsam mit dem belgischen Alpinverband, dem Club Alpin Belge de Liège und der Malmedyer Kletterwand The Wall.
Gemeinsam mit IceClimbingNL möchten die Initiatoren den Alpinismus in Belgien und den Niederlanden weiter fördern. Für Oktober ist zudem die Gründung einer belgischen Nationalmannschaft im Eisklettern geplant.
Viadukt beeindruckt die Weltmeisterin
Besonders angetan ist van der Steen von den charakteristischen Bögen des Viadukts. Für sie hat der Standort noch längst nicht sein gesamtes Potenzial ausgeschöpft. "Es ist viel spannender, in einem solchen Bogen als an einer vertikalen Wand zu klettern", sagte sie. "Dieser Spot hat noch so viel Potenzial."
Insgesamt verfügt die Kletterbrücke über elf Bögen. Nach Einschätzung der Weltmeisterin könnten diese langfristig für das Drytooling genutzt werden. "Es gibt hier elf Bögen, und ich glaube, dass alle elf für Drytooling genutzt werden könnten", erklärte van der Steen. "Vielleicht kann hier in ein paar Jahren sogar eine Europameisterschaft stattfinden. Aber zuerst müssen wir es ausprobieren - und dann geht es weiter."
Radio-Interview mit Marianne van der Steen im Player:
Christophe Ramjoie