Solange das Wetter mitspielt, wird auf den Ettersten-Wiesen Cricket gespielt. Rund 24 Spieler gehören inzwischen zum neu gegründeten Club. Viele von ihnen stammen aus Afghanistan, wo Cricket Nationalsport ist.
Gespielt wurde in Eupen allerdings schon lange vor der Vereinsgründung. Zunächst trafen sich die Spieler im Ostpark, später im Klinkespark. Die Bedingungen waren schwierig: zu wenig Platz, Bälle flogen in Richtung Spaziergänger und Nachbarbereiche, dazu kamen Sicherheitsbedenken.
Mit dem neuen Gelände hat sich das geändert. "Wir haben jetzt eine schöne große Fläche und einen großen Platz. Wir haben unsere Ruhe", sagt Murtaza Karimi. Der 24-Jährige lebt seit 2016 in Eupen und gehört zu den treibenden Kräften hinter dem Club. "Das hat ein bisschen gedauert, diesen Platz zu bekommen. Aber wir freuen uns sehr, dass wir jetzt hier unsere Spiele machen können."
Im vergangenen Jahr gründeten die Spieler offiziell ihren Verein. Unterstützung erhielten sie unter anderem von der König-Baudouin-Stiftung. Die Fördergelder flossen direkt in die Errichtung des Platzes. Mit Hilfe der Stadt Eupen konnte auf den Ettersten-Wiesen für vergleichsweise wenig Geld eine neue Sportanlage entstehen. Für die Spieler ist das ein großer Fortschritt. "Es ist viel besser als die vorherigen Plätze, wo wir früher im Ostpark oder im Klinkes gespielt haben", sagt Karimi.
Cricket verbindet die Spieler nicht nur sportlich. Viele kennen den Sport bereits aus ihrer Kindheit in Afghanistan. "Wir haben Cricket früher in Afghanistan gespielt, als wir Jugendliche waren. Cricket ist ja unser Nationalsport in Afghanistan", erzählt Karimi.
Beim Cricket treten zwei Mannschaften gegeneinander an. Eine Mannschaft schlägt den Ball und versucht, möglichst viele Punkte, sogenannte Runs, zu erzielen. Die andere versucht, die Schlagleute aus dem Spiel zu bringen. Gespielt wird mit Schläger und Ball auf einem länglichen Spielfeld, dem sogenannten Pitch.
Für die Eupener Spieler steht dabei vor allem das Miteinander im Vordergrund. "Cricket ist für uns besonders Zusammenhalt. Dass wir mit Freunden eine Beschäftigung haben, eine Sportart haben, wo wir spielen können und Freude für andere bringen."

Auch wenn der Club derzeit größtenteils aus Spielern afghanischer Herkunft besteht, soll er ausdrücklich offen für alle sein. "Jeder ist hier willkommen. Egal welche Nationalität, woher er kommt oder welche Hautfarbe er hat", betont Karimi.
Noch wird auf den Ettersten-Wiesen vor allem trainiert und es werden Freundschaftsspiele ausgetragen. Gespielt wird derzeit mit einem Tennisball. Langfristig soll es aber in den offiziellen Spielbetrieb gehen. "Unser großes Ziel ist, irgendwann an der Meisterschaft teilzunehmen", sagt Karimi. Dafür braucht der Club perspektivisch einen größeren Platz, auf dem auch offizielle Spiele ausgetragen werden können.
Die Ambitionen gehen sogar noch weiter. Irgendwann möchten die Eupener Spieler vielleicht einen von ihnen in der belgischen Nationalmannschaft sehen. "Wir haben jetzt Jungs, die sehr talentiert sind beim Cricket. Irgendwann werden wir das schaffen, damit einer von uns auch mal in der belgischen Nationalmannschaft spielen kann." Bis es soweit ist, wird auf den Ettersten-Wiesen weiter trainiert.
Christophe Ramjoie