Der größte Unterschied zum VAR: Es gibt keinen Video-Schiedsrichter, der das Spiel permanent überwacht. Stattdessen entscheiden die Cheftrainer, wann eine Szene überprüft werden soll.
Jeder Trainer erhält zu Spielbeginn zwei Challenges. Mit einer kreisenden Handbewegung signalisiert er den Wunsch nach einer Überprüfung und übergibt dem vierten Offiziellen eine Review-Karte. Dabei muss sofort angegeben werden, welche Spielsituation überprüft werden soll. Eine einmal eingereichte Challenge kann nicht mehr zurückgezogen werden.
Eine Überprüfung ist ausschließlich in vier Fällen möglich: Torentscheidungen, Strafstoßsituationen, direkte Rote Karten und Verwechslungen bei Gelben oder Roten Karten.
Ist der Ball noch im Spiel, lässt der Schiedsrichter zunächst weiterspielen. Erst bei der nächsten Spielunterbrechung sieht er sich die Videobilder in der Referee Review Area am Spielfeldrand an. Die endgültige Entscheidung liegt immer beim Schiedsrichter.
Challenge bleibt bei erfolgreicher Überprüfung erhalten
Ähnlich wie im Hockey gilt: Ändert der Schiedsrichter nach der Videoüberprüfung seine Entscheidung, behält der Trainer seine Challenge. Bleibt die ursprüngliche Entscheidung bestehen, verfällt sie. In einer möglichen Verlängerung erhält jede Mannschaft eine zusätzliche Challenge.
Spieler dürfen selbst keine Überprüfung beantragen, können ihren Trainer jedoch auf eine mögliche Fehlentscheidung aufmerksam machen.
Weniger Technik als beim VAR
Football Video Support benötigt deutlich weniger technische Infrastruktur als der klassische VAR. Neben den vorhandenen TV-Kameras werden lediglich zwei zusätzliche HD-Kameras an den Strafräumen installiert. Ein Review Operator stellt dem Schiedsrichter die relevanten Kamerabilder zur Verfügung.
Auch Abseitsentscheidungen können künftig überprüft werden. Bei jedem Tor wird automatisch eine Abseitslinie gezogen. Geht es um ein mögliches Abseits vor einem Strafstoß oder einer Roten Karte, muss der Trainer dafür jedoch eine Challenge einsetzen.
Einführung bereits ab Saisonbeginn
Eigentlich war die Einführung des Systems erst für die Saison 2027/28 vorgesehen. Auf Wunsch der Vereine wurde der Start jedoch vorgezogen. Nach erfolgreichen Tests bei Spielen von Jong AA Gent sowie in internationalen Wettbewerben der FIFA, der spanischen Frauenliga und der italienischen Serie C feiert Football Video Support nun seine Premiere im belgischen Profifußball.
Mit FVS schließt die Challenger Pro League die Lücke zwischen Spielen ohne Videohilfe und dem vollständigen VAR-System. Ziel ist es, mit vergleichsweise geringem Aufwand mehr Gerechtigkeit bei spielentscheidenden Szenen zu schaffen.
Christophe Ramjoie