"Die Norweger sind ja sowieso ein sehr fußballinteressiertes Land, größtenteils wegen der Premier League", erzählt Roald Vannieuwenhuyse. Dass Norwegen nach rund 26 Jahren wieder bei einer Weltmeisterschaft dabei ist, sorge für eine außergewöhnliche Stimmung. "Das ist einfach Wahnsinn."
Die Begeisterung zeigt sich im ganzen Land. Selbst einfache Fanartikel sind kaum noch zu bekommen. "Meine Tochter will ein Norwegen-Trikot haben, aber die sind seit zig Wochen ausverkauft. Die kriegst du halt nicht mehr zu kaufen", berichtet er. Auch auf Tauschbörsen würden Fans vergeblich nach Trikots suchen: "Die Leute fragen speziell danach, aber es ist nichts vorhanden, alles ist ausverkauft".
Die WM verändert sogar den Alltag. "Die Wirtschaften, die eigentlich nach zwei Uhr nachts keinen Alkohol mehr verkaufen dürfen, dürfen jetzt bis sechs Uhr morgens weitermachen, weil die Spiele zu sehr späten Zeiten stattfinden." Für Vannieuwenhuyse ist klar: "Das komplette Land ist in einer Euphorie. Es ist Wahnsinn".
Als Belgier in Norwegen stellt sich natürlich die Frage nach seiner persönlichen Fußball-Leidenschaft. Wem drückt er die Daumen - Belgien oder Norwegen? "Ich würde schon sagen Belgien", sagt er mit einem Lächeln. "Ich würde mir wünschen, dass Belgien weiterkommt." Gleichzeitig gönnt er den Norwegern den Erfolg sehr: "Meine Tochter wünscht sich Belgien und Norwegen, aber sie wäre dann doch lieber dafür, dass Norwegen gewinnt. Und irgendwie würde ich es denen auch gönnen".
Für ihn ist es schön zu sehen, was der Fußball im Land auslöst. "Es ist schon schön, die Leute glücklich zu sehen. Fußball ist eigentlich das einzige Thema."
Auch neben dem Platz sorgen die Norweger bei dieser Weltmeisterschaft für positive Schlagzeilen und sammeln viele Sympathiepunkte. Vannieuwenhuyse überrascht das nicht. "Eigentlich nicht. Ich finde, der Norweger an sich ist ein sehr offener Mensch." Zwar werde oft gesagt, Norweger seien nicht besonders kontaktfreudig, doch seine eigenen Erfahrungen seien ganz anders. "Ich habe nie erlebt, dass sie mich als Ausländer oder als Dazugezogenen irgendwie ausgegrenzt haben."
Stattdessen beschreibt er die Menschen als "sehr gastfreundlich" und ergänzt: "Sehr, sehr nette Leute, muss ich sagen".
Vor dem Viertelfinale gegen England glaubt Vannieuwenhuyse an die Chancen der norwegischen Mannschaft. "Ich glaube, England ist möglich." Danach könnte es allerdings schwieriger werden. Trotzdem könne die außergewöhnliche Stimmung im Land die Spieler zusätzlich antreiben: "Die ganze Euphorie trägt die Jungs auch ein bisschen, dass sie vielleicht noch einmal 110 oder 115 Prozent geben".
Am Ende zählt für ihn auch der Faktor Glück. "Im Fußball ist alles möglich. Man braucht halt auch ab und zu ein bisschen ein Quäntchen Glück." Und vielleicht erlebt Norwegen ja sogar noch ein ganz großes Märchen: "Es wäre schon schön, die im Finale zu sehen - vielleicht sogar Weltmeister zu werden. Ich glaube, das wäre lustig".
Radio-Interview mit Roald Vannieuwenhuyse im Player:
Christophe Ramjoie