Vor drei Jahren floh Sofia gemeinsam mit ihrer Familie vor dem Krieg in der Ukraine. Heute lebt sie in Eupen - und startet nun auf internationaler Bühne für ihr Herkunftsland.
Turnen gehört seit ihrer Kindheit zu Sofias Leben. In Vinnitsja, einer Stadt in der Ukraine, stand sie bereits vor ihrer Flucht in der Turnhalle. "Dort habe ich schon geturnt", erzählt sie. Der Bruch kam mit dem Krieg und dem Umzug nach Belgien - ein Neuanfang in einem fremden Land, ohne vertrautes Umfeld, ohne gewohnte Trainingsstrukturen.
Heute trainiert sie regelmäßig im Verein und bereitet sich auf das bislang größte Ereignis ihrer sportlichen Laufbahn vor: die Weltmeisterschaft in Göttingen. Die Nervosität ist dabei durchaus spürbar. "Ja, schon, weil ich so etwas noch nie erlebt habe", sagt sie offen. Eine besondere Vorbereitung im Vergleich zum Alltagstraining gibt es für sie nicht: "Nein, also wie ein ganz normales Training."
Dass sie bei der WM für die Ukraine startet, ist für Sofia kein emotional aufgeladener Sonderfall, sondern eher eine sportliche Formalität. „Das ist mir egal. Ich wäre genauso gerne für Belgien gestartet“, erklärt sie. Wichtiger als nationale Zugehörigkeit ist für sie das Turnen selbst - und die Möglichkeit, sich überhaupt auf dieser Ebene zu zeigen.
In Göttingen wird Sofia gemeinsam mit drei weiteren Vereinskollegen antreten. Große Erwartungen formuliert sie nicht, vielmehr konzentriert sie sich auf das Wesentliche: "Ohne Stürze zu turnen, jede Disziplin, und einfach Spaß haben und mein Bestes geben."
Christophe Ramjoie