"Ich freue mich auf so ein Spektakel", sagt Beck. "Vor allem bei meinen Kindern ist es die erste bewusst erlebte Weltmeisterschaft. Sie sammeln schon Panini-Bilder, und dadurch steigt auch bei den Eltern die Vorfreude."
Aus Sicht eines ehemaligen Nationalspielers weiß Beck genau, wie sich ein WM-Turnier für die Akteure anfühlt. Trotz des enormen Medieninteresses und der weltweiten Aufmerksamkeit sei es für die Spieler wichtig, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. "Wenn du bei einem Turnier antrittst, bist du eigentlich im Tunnelmodus", erklärt er. "Man nimmt das große Drumherum gar nicht mehr so wahr. Alles wird organisiert, und man konzentriert sich auf den eigenen Körper und die eigene Leistung."
Das Salz in der Suppe
Natürlich sei eine Weltmeisterschaft immer mit großem Druck verbunden, gleichzeitig aber auch ein einzigartiges Erlebnis. "Für jeden, der daran mitwirkt - ob Spieler oder Organisator -, ist das ein Riesending."
Dass bei der kommenden WM mit 104 Spielen so viele Partien wie nie zuvor stattfinden, sieht Beck mit gemischten Gefühlen. Einerseits sei der Umfang "gigantisch", andererseits biete das erweiterte Teilnehmerfeld vielen Nationen die Chance, auf der größten Bühne des Weltfußballs vertreten zu sein. "Es ist schön, dass so viele Länder dabei sind", sagt er. "Und es macht eine WM auch besonders, wenn Mannschaften aus unterschiedlichen Kulturen und mit unterschiedlichen Spielstilen aufeinandertreffen. Das ist das Salz in der Suppe."
Deutschland mit großem Potenzial
Mit Blick auf die deutsche Nationalmannschaft erkennt Beck nach den enttäuschenden Turnieren der vergangenen Jahre eine positive Entwicklung. Unter Bundestrainer Julian Nagelsmann habe sich die Mannschaft stabilisiert und verfüge über großes Potenzial. "Deutschland hat sich nach der EM ein Stück weit gefunden", sagt Beck. "Die Basis ist gut. Es gibt erfahrene Führungsspieler wie Joshua Kimmich und Manuel Neuer, gleichzeitig haben junge Spieler wie Jamal Musiala und Florian Wirtz noch enormes Entwicklungspotenzial."
Dennoch warnt er davor, die Erwartungen zu hoch anzusetzen. Zunächst müsse das Team die Gruppenphase überstehen. Danach könne vieles möglich werden.
Ein besonderes Thema bleibt die Rückkehr von Manuel Neuer ins deutsche Tor. Für Beck ist die Entscheidung nachvollziehbar und sportlich absolut vertretbar. "Wir reden nicht über irgendeinen Spieler, sondern über Manuel Neuer", betont er. "Er gehört zu den größten Torhüter-Legenden überhaupt und hat seine Position neu definiert. Wenn er fit ist, kann er ein absoluter Gamechanger sein."
Dass mit Oliver Baumann gleichzeitig ein weiterer Top-Torwart zur Verfügung steht, wertet Beck als Luxusproblem. "Ich habe mich als Spieler immer gefreut, wenn die besten Spieler im Kader waren."
Bei der Frage nach den Titelkandidaten sieht der 38-Jährige Deutschland derzeit noch nicht in der ersten Favoritenreihe. Zwar sei ein erfolgreicher Turnierverlauf möglich, doch andere Nationen wirkten aktuell weiter entwickelt. "Ich glaube, es kommt für Deutschland noch ein bisschen zu früh", erklärt er. "Frankreich, England oder Spanien sind im Moment gefestigter und verfügen über mehr Erfahrung. Sie sehe ich eher in der Favoritenrolle."
Belgien immer ein Geheimfavorit
Als Wahlbelgier verfolgt Beck natürlich auch die Perspektiven der "Roten Teufel". Belgien zählt für ihn traditionell zu den Mannschaften, gegen die niemand gerne spielt. "Belgien ist immer ein Geheimfavorit", sagt er. "Die Mannschaft hat viel Qualität und einen sehr ausgewogenen Kader. Entscheidend wird sein, wie die Spieler ins Turnier kommen und welche Lösungen sie gegen kompakt verteidigende Gegner finden."
Wie bei allen Teams werde auch bei Belgien viel von der Form der Schlüsselspieler und dem Verlauf der Gruppenphase abhängen. Beck jedenfalls blickt gespannt auf die kommenden Wochen: "Ich freue mich auf die Belgier und bin gespannt, was sie diesmal auf den Platz bringen".
Für Fußballfans in Deutschland, Belgien und auf der ganzen Welt beginnt damit das Warten auf ein Turnier, das nach Einschätzung von Andreas Beck erneut unvergessliche Geschichten schreiben könnte. "So ein Spektakel", sagt er, "bleibt normalerweise für immer im Gedächtnis".
Radio-Interview mit Andreas Beck im Player:
Christophe Ramjoie