Weywertz bleibt eine feste Größe auf der Landkarte des Nachwuchsfußballs. Bei der 24. Auflage des Euregio-Turniers verwandelte sich das beschauliche Dorf erneut in eine Bühne für junge Talente großer Traditionsvereine. Nachwuchsteams von Standard Lüttich, dem 1. FC Köln, Alemannia Aachen, Schalke 04 und dem RFC Lüttich lieferten sich spannende Duelle und sorgten für Fußball auf hohem Niveau. Doch das Erfolgsrezept des Turniers geht weit über die sportliche Qualität hinaus.
Während auf den Plätzen um jeden Ball gekämpft wurde, behielt einer stets den Überblick: Turnierleiter Freddy Bodarwé. Nach einem wetterbedingt turbulenten Auftakt konnte er am Sonntag bereits wieder entspannt lächeln. "Gestern hatten wir durch das Gewitter schon einiges an Trouble. Dass wir erst gegen drei Uhr mit dem Turnier starten konnten, war natürlich alles andere als optimal. Aber heute läuft es hervorragend. Bei strahlendem Sonnenschein und perfekten Bedingungen kann es so weitergehen", freute sich Bodarwé.

Der Organisationschef weiß jedoch, dass sein Aufgabenbereich weit größer ist als die reine Turnierleitung. Immer wieder ist Fingerspitzengefühl gefragt – besonders dann, wenn die Emotionen am Spielfeldrand hochkochen. "Manchmal muss man auch Streitschlichter sein", sagte Bodarwé schmunzelnd. "Unser Motto lautet schließlich, Freundschaften über Grenzen hinweg zu knüpfen. Wenn bei einem Derby wie Standard gegen den RFC Lüttich die Emotionen hochgehen, müssen wir die Erwachsenen daran erinnern, dass Kinder auf dem Platz stehen, die einfach Fußball spielen und Spaß haben wollen."
Dass das Euregio-Turnier Jahr für Jahr namhafte Vereine in die Eifel lockt, kommt nicht von ungefähr. Seit fast einem Vierteljahrhundert hat sich die Veranstaltung einen hervorragenden Ruf erarbeitet. "Wir wollen gar nicht mit den großen internationalen Turnieren konkurrieren. Unser Markenzeichen sind Herzlichkeit, Gastfreundschaft und das familiäre Miteinander. Genau deshalb kommen die Vereine immer wieder gerne nach Weywertz", betont Bodarwé.
Und tatsächlich treffen hier unterschiedlichste Fußballwelten aufeinander. Während Nachwuchsabteilungen großer Proficlubs um Pokale kämpfen, stehen auch kleinere Vereine mit derselben Leidenschaft auf dem Platz. "Hier versteht sich jeder mit jedem. Das macht dieses Turnier so besonders", so der Turnierleiter.
Zu den treuesten Gästen zählt seit vielen Jahren der FC Schalke 04. Die Königsblauen reisen regelmäßig mit ihren Nachwuchsteams nach Weywertz und fühlen sich längst wie zuhause. Nachwuchstrainer Sam Farokhi kennt das Turnier seit über einem Jahrzehnt und findet dafür nur lobende Worte.
"Sportlich bietet uns das Turnier jedes Jahr außergewöhnliche Herausforderungen", erklärte der Schalker Coach. "Wir treffen auf Gegner, gegen die wir während der Saison nur selten spielen. Zudem ist der Turniermodus einzigartig. Von Runde zu Runde wissen wir nicht, welcher Gegner als Nächstes wartet. Das verlangt den Spielern und Trainern viel ab und macht den Reiz aus."
Doch nicht nur die sportlichen Aspekte sorgen dafür, dass Schalke immer wieder zurückkehrt. "Das Besondere ist die Atmosphäre. Wir fühlen uns hier wie zuhause. Die Menschen empfangen uns unglaublich herzlich. Es ist fast wie eine große Familie. Dieser Austausch und dieses Miteinander machen das Turnier einzigartig", sagte Farokhi.

Erfolge konnten die Knappen in Weywertz ebenfalls reichlich feiern. Besonders gerne erinnert sich der Nachwuchstrainer an einen Triumph gegen den VfB Stuttgart, dessen Nachwuchs damals von Domenico Tedesco betreut wurde. "Wir waren mit einem jüngeren Jahrgang angereist und konnten uns trotzdem gegen die ältere Mannschaft durchsetzen. Das war natürlich ein besonderes Erlebnis."
Für Farokhi schließt sich nach dieser Saison ein Kapitel. Nach vielen Jahren im Nachwuchsbereich wechselt er innerhalb des Vereins in den Frauenfußball von Schalke 04. Die Verbundenheit zum Euregio-Turnier bleibt jedoch bestehen. "Ich hoffe sehr, dass ich auch im nächsten Jahr wieder hier sein kann. Gerade zum 25-jährigen Jubiläum wäre das etwas Besonderes."
Dieses Jubiläum wirft bereits seine Schatten voraus. Für Freddy Bodarwé und sein Team beginnen die Planungen schon jetzt. Ein eigenes Organisationskomitee soll die Zukunft des Turniers sichern und gleichzeitig neue Kräfte einbinden. "Wir möchten, dass diese Erfolgsgeschichte weitergeht. Wenn ich sehe, dass hier Jugendliche mit 16 Jahren gemeinsam mit langjährigen Vereinsmitgliedern wie unserem ehemaligen Präsidenten Ernst Pfeiffer anpacken, dann zeigt das, wie viel Herzblut in diesem Turnier steckt."
Radio-Interviews mit Freddy Bodarwé und Sam Farokhi im Player:
Christophe Ramjoie

