Für Fourgon ist genau das der Reiz seines Berufs: Fußball, Reisen und Storytelling miteinander zu verbinden. "Man macht das ja, weil man Fußball liebt", sagt Fourgon. "Wenn man das auch noch kombinieren kann mit der Arbeit, das ist wie gewonnen." Dabei gehe es ihm nicht nur um spektakuläre Spielszenen oder Jubelbilder. Vielmehr interessiert ihn der Mensch hinter dem Profi. "Hinter einem Spieler stecken viele Facetten. Das ist nicht nur das, was man am Platz sieht."
Der Markt für persönliche Spielerinhalte wächst rasant. Während Vereine ihre offiziellen Kanäle bespielen, setzen immer mehr Profis auf eigene Content Creator, die sie im Alltag begleiten. Fourgon sieht darin eine neue Form des Sportjournalismus und der Fußballkommunikation. Nicht das reine Ergebnis stehe im Mittelpunkt, sondern die Geschichte dahinter. "Wie denkt ein Spieler nach einem Spiel? Wie schaltet er ab? Was sind seine Hobbys? Das interessiert die Leute heute."
Besonders Social Media und YouTube hätten die Wahrnehmung verändert. Fourgon arbeitet inzwischen auch an längeren Videoformaten mit Spielern, um Fans tiefere Einblicke zu geben. "Man sieht 90 Minuten und daran wird ein Spieler gemessen. Aber dahinter steckt viel mehr." Genau diese Geschichten wolle er sichtbar machen - Momente abseits des Rasens, Familienleben, Zweifel oder Drucksituationen.

Der Zugang zu den Spielern unterscheidet seine Arbeit von der klassischer Sportfotografen. "Wir sind direkt mit ihnen im Austausch", erklärt er. Oft begleite man die Profis nicht nur im Stadion, sondern auch beim Essen oder auf Reisen. Dadurch entstehe Vertrauen - und ein authentischer Blick hinter die Kulissen.
Trotzdem sieht Fourgon keinen Konkurrenzkampf mit traditionellen Sportfotografen. "Ich sehe das nicht als Konkurrenzkampf. Man sollte voneinander lernen." Der Unterschied liege vielmehr im kreativen Ansatz. Während Agenturfotografen vor allem dokumentarisch arbeiten müssten, hätten Creator mehr Freiheit bei Farben, Perspektiven oder Videostil. "Der Spieler will Sachen haben, die nicht die anderen 30 Leute fotografieren."
Gerade diese Nähe zum Alltag der Spieler macht den Content für Fans spannend. Fourgon nennt Beispiele aus dem Profi-Alltag, die Zuschauer normalerweise nicht mitbekommen: Schlafmangel nach der Geburt eines Kindes, mentale Belastung nach mehreren Spielen auf der Bank oder familiäre Probleme. "Das Geld wird dir auch keinen Schlaf zurückgeben", sagt er. Solche Geschichten könnten helfen, Fußballer wieder stärker als Menschen wahrzunehmen.
Auch organisatorisch sieht Fourgon Unterschiede zwischen den Fußballländern Europas. Während in Deutschland vieles professionell geregelt sei, fehle in Belgien teilweise noch eine klare Struktur bei Akkreditierungen und Medienabläufen. Dennoch plädiert er dafür, jungen Creatorn den Zugang zu ermöglichen. "Ich will hier keinem den Job wegnehmen. Ich will nur Content machen."
Für Fourgon selbst ist die Mischung aus Fußball, Reisen und kreativem Arbeiten aktuell kaum zu toppen. Ob Bundesliga, internationale Stadien oder Drehs im Urlaub - sein Beruf lebt von der Nähe, den Emotionen und den Geschichten, die nicht beim Schlusspfiff enden.
Ausführliches Radio-Interview mit Jordi Fourgon im Player:
Christophe Ramjoie