Für Kohnen, der erst seit wenigen Tagen im Amt ist, hätte der Start kaum besser verlaufen können - auch wenn er selbst den Moment noch gar nicht vollständig realisiert hat. "Ganz ehrlich gesagt, hab ich noch nicht so wirklich drüber nachgedacht, weil ich noch gar keine Zeit hatte, das zu reflektieren. Der Moment ist ein verrückter, sehr intensiver Moment", erklärte der Trainer.
Die Ernennung zum Interimscoach kam für Kohnen überraschend. Am Ostermontag, mitten im Familienkreis, erreichte ihn der Anruf von Clubchef Mehdi Bayat, der alles veränderte. Schnell war ihm klar, dass er die Gelegenheit ergreifen würde: "Mein großer Wunsch ist es, Cheftrainer zu werden - und das ist eine Chance, die ich einfach ergreifen muss."
Viel Zeit zur Vorbereitung blieb nicht, doch genau das sieht er im Nachhinein auch als Vorteil. Ohne lange Analyse ging es direkt in die Arbeit - mit sofortigem Erfolg.
Der Sieg gegen Antwerp war dabei mehr als nur ein gelungener Einstand. Nach schwierigen Wochen gelang es der Mannschaft, "den Hebel umzulegen", wie Kohnen es formulierte.
Dennoch warnt er vor zu hohen Erwartungen: "Wir haben zehn Spiele nicht gewonnen, da sind Dinge nicht gut gelaufen. Das muss ich wieder in Ordnung bringen." Der Fokus liege deshalb weniger auf kurzfristigen Ergebnissen als auf Struktur und Stabilität innerhalb der Mannschaft.
Kohnen setzt dabei auf klare Prinzipien, die ihn bereits auf seinem Weg aus dem Amateurfußball geprägt haben. "Fußball ist sehr einfach im Grundsatz. Man verkompliziert ihn oft", sagt er und betont vor allem die Bedeutung von Kommunikation und zwischenmenschlichem Umgang. Diese Stärken will er nun auch im Profibereich einbringen.
Für die kommenden Wochen bleibt der neue Cheftrainer realistisch. Planung sei im Fußball nur bedingt möglich, entscheidend sei der Blick von Spiel zu Spiel. Gleichzeitig ist ihm bewusst, wie besonders seine aktuelle Position ist: "Wir reden hier von vielleicht 60 bis 70 Positionen im Profifußball - und ich habe eine davon."
Nach dem gelungenen Auftakt richtet sich der Blick nun nach vorne. Bereits am kommenden Spieltag wartet die nächste Herausforderung im Walloniederby gegen Standard Lüttich, bei dem Charleroi den positiven Schwung mitnehmen möchte. Ein weiterer Erfolg könnte der Startschuss für eine Trendwende sein.
Ausführliches Radio-Interview mit Mario Kohnen im Player:
Christophe Ramjoie