Die Saison der Mannschaft war dabei außergewöhnlich: In 28 Spielen blieb Beveren ungeschlagen, gewann 24 Partien und spielte viermal unentschieden. Für Brüls ist dieser Titel ein emotionaler Höhepunkt seiner Laufbahn. Zwar sei bei vielen seiner früheren Vereine die Meisterschaft nie das große Ziel gewesen, doch intern habe man in Beveren von Anfang an den Aufstieg angestrebt.
"Dass wir jetzt auch noch so früh in der Saison Meister geworden sind, ist natürlich ein super Gefühl", sagt Brüls. Die größte Stärke der Mannschaft sei in dieser Spielzeit der Zusammenhalt gewesen. "Die Mentalität hat gestimmt. Wir wollten jeden Tag im Training das Maximum herausholen. Manchmal gibt es einfach Jahre, in denen alles zusammenpasst - und dieses Jahr war so eines."
Der erfahrene Spielmacher hatte daran seinen Anteil. Mit vier Toren und zwölf Assists war er ein wichtiger Baustein in einer Mannschaft, die Woche für Woche überzeugte. Insgesamt kommt Brüls in seiner Profikarriere auf 66 Tore und 113 Vorlagen. Auch bei der AS Eupen hinterließ er Spuren: Für die Ostbelgier absolvierte er 84 Spiele, erzielte sechs Treffer und bereitete vier weitere vor. Ein Wert, der den Ostbelgiern auch heute noch gut tun würde.

Die Meisterschaft hat für Brüls zudem eine persönliche Geschichte. In der Aufstiegsrunde der vergangenen Saison unterlief ihm ein Fehler, der den damaligen Aufstieg kostete. Danach wandte er sich in einem offenen Brief an die Fans, entschuldigte sich und versprach, alles daranzusetzen, den Verein im nächsten Jahr in die erste Liga zu führen.
Dass dieses Versprechen nun eingelöst wurde, macht den Titel für ihn umso bedeutender. "Die Geschichte hat ein Happy End", sagt Brüls. Einige Anhänger hätten ihm später erzählt, dass sie seinen Brief noch einmal hervorgeholt hätten - ein Moment, der viele emotional berührt habe.
In seiner Karriere war Brüls nie der klassische Vorzeigeathlet. Selbstkritisch spricht er über seinen Lebensstil in jungen Jahren, über Cola, Imbissbuden und gelegentliches Rauchen. Mit zunehmendem Alter habe sich das jedoch deutlich verändert. "Natürlich ist man als junger Spieler weniger diszipliniert. Heute ist vieles anders geworden." Seine offene Art sei ihm aber immer wichtig gewesen. "Ich habe immer gesagt, was ich denke. Warum sollte ich mich verstellen?"
Trotz mancher Kritik blickt Brüls zufrieden auf seine Laufbahn zurück. Viele hätten gesagt, er hätte vielleicht noch mehr erreichen können, doch er selbst ist dankbar für das, was er erlebt hat. Vor allem seine Leidenschaft für den Fußball ist geblieben. "Ich liebe den Fußball heute noch genauso wie damals, als ich angefangen habe."
Ein Ende der Karriere ist deshalb noch nicht in Sicht. Gespräche über eine Vertragsverlängerung bei Beveren laufen bereits, und vieles deutet darauf hin, dass Brüls den Verein auch in der 1. Division A unterstützen wird. Große Rekordmarken bei den Einsätzen verfolgt er dabei nicht. Zwar hat er mit rund 600 Spielen eine beeindruckende Zahl erreicht, doch der Weltrekord liegt derzeit beim brasilianischen Torhüter Fábio mit über 1.391 Profispielen. Für Brüls zählt etwas anderes: "Solange ich morgens ohne Probleme aufstehen kann und noch den Unterschied auf dem Platz machen kann, spiele ich weiter."
Langfristig kann er sich auch eine Zukunft als Trainer vorstellen, vielleicht sogar einmal als Spielertrainer. Vielleicht sogar bei dem Verein, wo für ihn die Liebe zum Fußball seinen Lauf genommen hat, dem KFC Grün-Weiß Amel. Zunächst aber möchte er weiter als Profi auf dem Platz stehen. Und auch in dieser Saison hat Beveren noch ein klares Ziel: Nach Aufstieg und Meisterschaft soll die Spielzeit unbedingt ungeschlagen beendet werden.
Am kommenden Spieltag trifft Beveren auf den RFC Liège - ein Spiel, das auch für die AS Eupen im Kampf um die Play-off-Plätze wichtig sein könnte. "Auf unsere Schützenhilfe können sie zählen", verspricht Brüls.
Ausführliches Radio-Interview mit Christian Brüls im Player:
Christophe Ramjoie