François Poull hat gemeinsam mit dem Franzosen Jérôme Rousseau (Novosports), Spezialist für Inklusion und Behinderung, sowie Jean-Marc Rigal (Actibloom) aus Clermont-Ferrand, verantwortlich für den technologischen Teil, eine Anwendung entwickelt, die konkrete Werkzeuge für einen wirklich zugänglichen Sport bietet.
Bei Inclure handelt es sich um eine kostenlose App, die sowohl für Android als auch für iOS verfügbar ist. Sie funktioniert wie ein umfassendes Verzeichnis und bietet derzeit über 100 Videos mit sportlichen Aktivitäten, pädagogischen Übungen und geteilten Praxisbeispielen. Ziel ist es, die Sensibilität für Inklusion zu stärken - nicht durch getrennte Angebote wie im klassischen Behindertensport, sondern durch gemeinsame sportliche Praxis.
"Für uns steht die geteilte Praxis im Mittelpunkt", erklärt François Poull. "Menschen ohne Behinderung und Menschen mit besonderen Bedürfnissen spielen gemeinsam auf dem gleichen Spielfeld. Genau das verstehen wir unter gelungener Inklusion."
Nach dem Download der App erhalten die Nutzer Zugang zu einem Katalog sportlicher Aktivitäten, der nach Themen gegliedert ist. Zu jedem Video gibt es ergänzende Informationen wie die Ziele des Spiels, eine Beschreibung der Aktivität sowie klare Anleitungen, wie diese im Training oder Unterricht umgesetzt werden können. Die App richtet sich in erster Linie an Sportvereine, kann aber ebenso in Schulen, Vereinen oder auch im medizinischen und therapeutischen Umfeld eingesetzt werden.
Die Vision von Inklusion geht für das Projektteam weit über reine Integration hinaus. Zwar sei es bereits ein wichtiger erster Schritt, Menschen mit besonderen Bedürfnissen einzuladen und einzubeziehen. Wahre Inklusion bedeute jedoch, unterschiedliche Lebenswelten miteinander zu verbinden. Davon profitieren nicht nur die betroffenen Personen selbst, sondern alle Beteiligten: Werte wie Toleranz, Solidarität und gemeinsames Miteinander werden ganz selbstverständlich gefördert.
Bevor Inclure offiziell veröffentlicht wurde, testeten zahlreiche Expertinnen und Experten die App und brachten ihre kritische Sicht ein. Parallel dazu sind Praxisveranstaltungen vor Ort geplant, bei denen das Team in Sportvereine und Organisationen geht, um inklusive Sportangebote gemeinsam umzusetzen.
Derzeit ist die App auf Französisch verfügbar, doch das Projekt ist klar europäisch ausgerichtet. Übersetzungen in weitere Sprachen wie Italienisch, Deutsch oder Spanisch sind vorgesehen. Mithilfe künstlicher Intelligenz sollen die Inhalte und Anleitungen künftig mehrsprachig zugänglich gemacht werden.
Ein Schwerpunkt der App liegt auf dem Poull Ball, dem von François Poull entwickelten inklusiven Sport, dem rund 20 Videos gewidmet sind. Doch dabei bleibt es nicht: Insgesamt umfasst Inclure heute mehr als 100 Videos, und weitere Inhalte sollen in den kommenden Monaten folgen. Vorgestellt werden unter anderem inklusive Sportarten wie Baskin aus Italien, geteiltes Volleyball oder Boccia, eine an die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung angepasste Form des Boule-Spiels.
Grundsätzlich, so François Poull, könne jede Sportart inklusiv gestaltet werden, wenn man sie pädagogisch richtig anpasst. Deshalb wird jede Aktivität in der App nach drei Kriterien bewertet: Originalität, Zugänglichkeit und Bewegungszeit. Diese Einordnung hilft Trainerinnen, Lehrern und Übungsleitern dabei, passende Aktivitäten auszuwählen - dynamisch, innovativ und für möglichst viele Menschen zugänglich.
Mit Inclure verfolgt das Team ein klares Ziel: den inklusiven Sport nicht als Ausnahme, sondern als Selbstverständlichkeit zu etablieren.
Christophe Ramjoie