Dass sein Abschied nun offiziell ist, bringt für Reinertz vor allem Klarheit. "Für mich war wichtig, dass es jetzt eine Entscheidung gegeben hat", erklärt er. "Dass sie jetzt so ausfällt, führt sicherlich dazu, dass ich einen großen Teil meines Handballerlebens hinter mir lasse. Auf der anderen Seite war klar, dass dieser Tag irgendwann kommen wird."
Noch aber liegt der Fokus klar auf der Gegenwart: "Es sind noch vier Monate, wir haben noch Ziele, ein Pokalhalbfinale, hoffentlich ein Pokalfinale und eine Playoffrunde. Im Moment bleibt gar nicht so viel Zeit, darüber nachzudenken, was danach kommt."
Der Entschluss zum Abschied ist das Ergebnis eines längeren Prozesses. Reinertz nennt zwei zentrale Gründe. Zum einen gehe es um seine persönliche Karriereplanung: "Ich war und bin auf der Suche nach einem Einstieg in den Herrenbereich als Trainer. Ich wollte mich noch einmal vom Frauen- zum Männerhandball orientieren." Diese Perspektive habe ihm die KTSV Eupen langfristig nicht aufzeigen können. "Wir haben seit Oktober Gespräche geführt, und Anfang Januar war klar, dass mir der Verein diese Perspektive nicht so bieten kann, wie ich sie mir gewünscht hätte."
Zum anderen fehle ihm eine klare sportliche Vision im Damenbereich. "Mir fehlt das klare Projekt, die Identität: Wollen wir jedes Jahr um den Meistertitel spielen und die besten Spielerinnen der Großregion holen? Oder wollen wir ein Ausbildungsverein sein?" Diese grundlegenden Fragen seien aus seiner Sicht nie eindeutig beantwortet worden. "Da fehlt mir der Konzeptentwurf. Ich möchte keine halben Sachen machen."
Auch eine mögliche Rolle als Technischer Direktor konnte ihn nicht überzeugen. "Ich muss auf dem Feld stehen. Ich muss mit Mannschaften arbeiten, Hallenluft um mich haben", sagt Reinertz offen. Zudem habe es auch hier an klaren Strukturen gefehlt: "Da war kein Konzept, keine klare Definition der Aufgaben. Außerdem wusste man aus den Gesprächen, dass mich diese Aufgabe im Moment nicht interessiert."
Wie es sportlich weitergeht, will Reinertz bewusst offenlassen. "Der Sport ist sehr schnelllebig. Heute hast du Erfolg, in zwei Jahren kann alles ganz anders aussehen." Fest steht nur: Eine neue Aufgabe im Männerbereich wird kommen, voraussichtlich schon bald offiziell. "Jetzt gilt es erst einmal, das Projekt hier in Eupen erfolgreich zu Ende zu führen, dann Kraft zu tanken und ab Sommer mit voller Energie neu zu starten."
Innerhalb der Mannschaft kam die Entscheidung durchaus überraschend. "Ich habe den Verein direkt informiert und am nächsten Tag auch die Mannschaft. Mir war eine klare Basis wichtig." Trotz der Überraschung sei die Situation nun eindeutig. "Ich habe ihnen gesagt, dass wir diese letzte Saison vielleicht sogar mit zwei Prozent mehr Energie angehen können." Sein Anspruch ist klar: "Ich möchte nicht mit einer durchschnittlichen Saison gehen. Wir haben uns in den letzten zehn Jahren aus den Niederungen hochgearbeitet und sind zu einer festen Größe geworden. Ich will mit einer Saison gehen, die in Erinnerung bleibt."
Ein Titel zum Abschied wäre der perfekte Schlusspunkt. "Das wäre natürlich das Optimum", sagt Reinertz. "Im Pokal ist ein Finale realistisch, und in einem Finale ist alles möglich. Es ist kein absolutes Muss, aber wir werden alles in die Waagschale werfen." Ob Pokal oder Meisterschaft – der letzte Akt soll ein besonderer werden. "Das wäre fast wie im Film", sagt er mit einem Lächeln.
Ausführliches Radio-Interview mit Philippe Reinertz im Player:
Christophe Ramjoie