Seit mehr als 70 Jahren spielt Judo eine wichtige Rolle im Leben von Oskar Willem. Der heute 90-Jährige ist ein Urgestein der japanischen Kampfsportart in Eupen. Und natürlich war er auch beim Euregioturnier in der Halle am Stockbergerweg wieder dabei. Zusammen mit Jean-Claude Smitz saß Willem an der Kasse. Selbst auf der Matte zu stehen, das ist für den 90-Jährigen dagegen schon seit längerer Zeit vorbei.
"Das ist nicht mehr drin. Judo ist ein schwerer Sport", sagt er. Beraten - das ginge natürlich noch, so Willem. "Aber mich technisch einmischen - das ist schwierig."
1954 begann Oskar Willem mit dem Judosport. Damals in der kleinen Halle neben dem Stadion am Stockbergerweg. Dort habe es lediglich eine kleine Matte gegeben, erinnert er sich. "Das war nur ein Filz. Das hat da angefangen im kleinen Kreis. Da waren wir keine zehn Leute."
Schon als Kind habe er gerne gerungen, sagt Willem. Da war später der Weg zu einem körperbetontem Sport wie Judo nicht mehr weit. "Als ich kleiner war in Deutschland, da war die Methode noch damals: Da gab es Klassenkämpfe, da musste sich immer einer stellen zum Kämpfen. Und meistens war ich dabei."
35 Dan-Träger ausgebildet
Als Trainer habe er dann später 35 Dan-Träger ausgebildet, sagt Willem und erinnert sich an große Zeiten des Eupener Judosports: Auch im Ausland, etwa in England oder in Frankreich, habe man Wettkämpfe bestritten. "Wir waren sehr gefragt", so Willem. "In der Mannschaft haben wir etliche Meister gehabt. Unter anderem Axel Urhausen und Peter Scholzen. Die waren belgische Meister", sagt er.
Mehr als sieben Jahrzehnte Beschäftigung mit Judo. Da sind natürlich die Techniken, da sind körperliche Voraussetzungen, aber für Oskar Willem ist in der japanischen Kampfsportart insbesondere eines wichtig: "Vor allen Dingen die Disziplin", sagt er. "Judo gibt Ruhe und Übersicht für Gefahren", meint Willem.
Einschätzungen eines Judo-Altmeisters. Heute ist die Sport seit langem fest im olympischen Programm verankert. Als sich Oskar Willem 1954 dem Judo zuwandte, sollte es noch zehn Jahre dauern, ehe in der Kampfkunst erstmals auch olympische Medaillen vergeben wurden.
Moritz Korff