Der Dorfsaal von Oudler steht unter Strom. Die Lichter dimmen, ein kurzer Moment Stille - und dann bricht es los: "Eye of the Tiger". Der Bass wandert durch den Boden wie ein pochender Pulsschlag, das Publikum erhebt sich, und auf die Bühne schreitet ein Mann, dessen Name in der Dartswelt Kultstatus besitzt: Raymond van Barneveld.
Der Niederländer, einst selbst ein junger Zuschauer, der zu seinen Helden aufsah, entwickelte sich Ende der 90er Jahre zu genau diesem Typ Spieler, den man nicht nur verfolgt, sondern in Erinnerung behält. Seine Partien wurden zu Erzählungen, seine ruhige Präsenz am Oche zu einem Markenzeichen. Und sein WM-Duell 2007 gegen Phil Taylor - dieses epische Finale - hallt bis heute durch die Dartsarena-Kultur, als wäre es erst gestern entschieden worden.
In Oudler trifft van Barneveld auf Daniel Jäger, der tapfer dagegenhält und ihm zwei Legs abluchst. Für Jäger wohl ein Moment, den er später vielleicht seinen Enkelkindern weiterreicht.
Neben van Barneveld sorgt eine weitere Größe für internationales Flair: Simon Whitlock aus Australien. Mit entspannter Präsenz und einem funkelnden Blick lobt er das Turnier über alle Maße - und vor allem das Publikum, das jeden gelungenen Wurf feiert.
Für Klaus Schneller geht an diesem Abend sogar ein stiller Traum in Erfüllung. Nach Jahren des Nacheiferns und Studierens steht er seinem Idol Simon Whitlock plötzlich gegenüber. Ein kurzes Gespräch, ein Foto, ein Händedruck - und sein Blick verrät, dass hier etwas Ersehntes auf die Bühne der Realität getreten ist.
Die Ostbelgien Darts Show trägt die Handschrift von Organisator Phil Leufgen. Wieder einmal ist der Dorfsaal restlos ausverkauft. Das Turnier in Oudler wurde zu einer kleinen Welt aus Legenden, lokalen Helden und Momenten, die im Gedächtnis haften bleiben.
Christophe Ramjoie





