Jana Backes hat es wieder geschafft: Beim Ironman auf Cozumel sicherte sie sich zum zweiten Mal das Ticket für die Weltmeisterschaft auf Hawaii - und diesmal wird sie es einlösen. "Dieses Mal war es der klare Plan", sagt sie. "Beim ersten Mal habe ich den Slot nicht genommen. Da war einfach noch nicht die richtige Zeit."
Der Weg zu dieser erneuten Qualifikation war jedoch alles andere als geradlinig. Kurz vor dem Rennen versagte das Hinterrad ihres Fahrrads - ein Szenario, das Triathleten in den Tagen vor dem Start Albträume beschert. "Wir hatten das Rad extra noch mal durchchecken lassen, alles war perfekt. Und plötzlich war das Hinterrad platt, keine Luft mehr reinzubekommen. Das war wirklich ein Schreckmoment." Tränen inklusive, wie sie offen erzählt, doch sie beruhigte sich, das Rad wurde provisorisch gerettet, und sie ging an den Start.
Schon beim Schwimmen zeigte sich, dass Cozumel nicht nur Wettkampfort, sondern Karibikpostkarte ist: klares Wasser, Sicht bis auf den Boden, Fische und Korallen. "Ich habe noch nie so ein Meer gesehen", erzählt Jana. Die berühmte Strömung, die Athleten dort normalerweise nach vorn schiebt, ließ sie diesmal jedoch im Stich. "Ich hatte wirklich das Gefühl, die ersten zwei Kilometer gegen die Strömung zu schwimmen."
Auf dem Rad wartete die nächste Prüfung: harter Wind entlang der Küstenstraße. Die paradiesische Kulisse konnte daran wenig ändern. "Wind und ich werden in diesem Leben keine Freunde mehr", sagt sie mit einem matten Lächeln. "Aber vielleicht war es eine gute Generalprobe für Hawaii. Da gehört Wind ja quasi zum Inventar."
Auch beim Laufen - ihrer Paradedisziplin - merkte sie sofort, dass es ein harter Tag werden würde. "Die Beine fühlten sich nicht so an, wie sie sollten." Hitze, Sonne, ein empfindlicher Magen: ein Trio, das den Marathon zum mentalen Duell machte. Pepsi wurde zur Laufbegleitung, Kühlung zur Überlebensstrategie. Doch dann fand sie ihren Rhythmus. Ihr Verlobter motivierte sie an der Strecke, gab Abstände durch. "Ich habe den Rückstand von 20 Minuten auf eineinhalb Minuten verkürzt. Mit ein paar Kilometern mehr hätte ich sie vielleicht noch bekommen", sagt Jana. "Aber ob meine Beine das noch ausgehalten hätten, das ist die andere Frage."
Nach 9:50:07 Stunden erreichte sie das Ziel - knapp über ihrer Bestzeit, aber erfüllt. "Ich war selten so zufrieden nach einem Rennen. Ich weiß, dass ich alles rausgeholt habe. Und das fühlt sich gut an." Dazu kam, dass sie eine alte Herausforderung überwand: ihre Angst vor Salzwasser. "Ich hatte als Kind immer Probleme damit. Deswegen bin ich vorher sogar extra an die belgische Küste gefahren, um zu testen, ob ich es schaffe." Am Ende waren nicht die Wellen das Problem, sondern Seeläuse: winzige Larven, die unangenehme Stiche verursachen. "Die haben mich komplett zerbissen. Das war schlimmer als das Salzwasser."
Nun richtet sich ihr Blick auf Hawaii 2026. Der Mythos Kona wirkt wie ein Magnet. "Der Gedanke an Hawaii macht vielen Gänsehaut - und mir auch", sagt Jana. "Ich freue mich darauf, meine eigenen Erfahrungen zu machen. Und ich habe großen Respekt davor, gegen die Besten der Welt anzutreten."
Aus einem windumtosten Renntag in der Karibik wird so der Auftakt zu einem Weg, der im Herbst 2026 auf Big Island weitergeht. "Ich werde alles dafür tun, bestmöglich vorbereitet zu sein. Auf der Langdistanz kann immer alles passieren. Aber ich will nächstes Jahr das Beste aus mir herausholen."
Radio-Interview mit Jana Backes im Player:
Christophe Ramjoie