Abschiedsmedaillen für Ski-Ikonen Vonn und Svindal

Zwei der Größten in der Geschichte des Skisports beendeten am Wochenende ihrer Karriere - und bekamen jeweils das nahezu perfekte Ende. Lindsey Vonn und Aksel Lund Svindal werden fehlen.

Abgang mit Bronze: Lindsey Vonn posiert mit all ihren Medaillen

Abgang mit Bronze: Lindsey Vonn posiert mit all ihren Medaillen (Bild: Jonathan Nackstrand/AFP)

Dem norwegischen Skikönig Aksel Lund Svindal jubelte das Kronprinzenpaar zu, auf Speed-Queen Lindsey Vonn wartete die skandinavische Wintersport-Legende schlechthin. Mit funkelnden WM-Medaillen haben sich die zwei großen Athleten am Wochenende vom alpinen Renngeschehen verabschiedet.

„Es ist für sie und Svindal unglaublich, die Karriere auf diese Weise zu beenden. Das ist wenigen vergönnt. Und dann auch noch nach solchen Verletzungen so zurückzukommen“, sagte Weltcup-Rekordsieger und Vonn-Stargast Ingemar Stenmark. Der Schwede empfing Vonn mit einem Blumenstrauß im Ziel.

Keine 24 Stunden nach Svindals Silbermedaille im Schneetreiben von Are raste Vonn am Sonntag auf den Bronze-Rang, danach zelebrierte die Amerikanerin ihr Karriere-Happy-End: „Wir hatten beide unser märchenhaftes Ende. Heute Nacht wird gefeiert“, sagte die Ausnahme-Sportlerin, die nur von Titelverteidigerin und Weltmeisterin Ilka Stuhec aus Slowenien sowie der Schweizerin Corinne Suter bezwungen worden war.

Lindsey Vonn bei der Abfahrt in Are (Bild: François-Xavier Marit/AFP)

Lindsey Vonn bei der Abfahrt in Are (Bild: François-Xavier Marit/AFP)

Trotz zwei lädierter Knie gelang Vonn der Coup, der ihr weitere Bestmarken in der Historie bescherte. Mit ihrer fünften WM-Medaille in der Abfahrt und den sechsten Weltmeisterschaften, bei denen sie in die Top drei fuhr, egalisierte sie Rekorde. Mit 34 Jahren und 115 Tagen ist sie die älteste Medaillengewinnerin der WM-Geschichte.

„Ich war in meinem Leben noch nie so nervös“, erzählte Vonn über ihr letztes Rennen. Wie es nun ohne den Skirennsport weiter geht, das konnte sie am Sonntag nicht voraussagen. Auf jeden Fall will sie sich schonen – kein Wunder nach unzähligen Verletzungen, die ihre Laufbahn fast noch mehr geprägt haben als die 82 Weltcup-Siege, Olympia-Gold 2010, zwei Weltmeistertitel und acht weitere Medaillen bei Großereignissen.

Die Aufmerksamkeit genoss sie schon ihr ganze Karriere – auch in Are. Goldmedaillengewinnerin Stuhec wirkte neben der Amerikanerin wie eine Statistin. Selbst der scheue Stenmark, dessen Weltcup-Rekord von 86 Siegen die Speed-Queen jahrelang vergeblich attackiert hatte, machte bei der großen Vonn-Jubelshow für die Kameras im Zielbereich mit.

Silber für Aksel Lund Svindal

Dort hatten am Samstag die Norweger einen sportlichen Feiertag erlebt – mittendrin im Jubel für Aksel Lund Svindal war das skandinavische Thronfolger-Paar als Ehrengäste. „Wir sind wirklich stolz“, schrieb die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit bei Instagram unter ein gemeinsames Foto ihrer Familie mit dem Routinier sowie dessen Teamkollegen und Abfahrts-Weltmeister Kjetil Jansrud in Are.

Svindal schrieb eine der emotionalsten Geschichten dieser Titelkämpfe. „Das war eine große Show“, sagte der Altmeister, ehe er sich in eine Party-Nacht und den Sportler-Ruhestand verabschiedete. Dass ihm die Winzigkeit von 0,02 Sekunden auf seinen guten Kumpel und Gold fehlten, war egal. „Der König hat abgedankt, lang lebe der König!“, schrieb die norwegische Zeitung „Aftenposten“.

Aksel Lund Svindal und Kjetil Jansrud auf dem Are-Podium (Bild: Jonathan Nackstrand/AFP)

Aksel Lund Svindal und Kjetil Jansrud auf dem Are-Podium (Bild: Jonathan Nackstrand/AFP)

„Es ist etwas schwer, aufzuhören, wenn es so gut läuft“, sagte Svindal bei der Siegerfeier, als er mit Jansrud auf dem Tresen stand, zwei Glückwunsch-Kuchen in den norwegischen Farben zu ihren Füßen. „Aber wenn es leicht wäre, hätten die letzten 16 Jahre nichts bedeutet“, ergänzte der sonst so coole, diesmal aber emotionale Hüne. In mehr als eineinhalb Dekaden im professionellen alpinen Ski-Zirkus holte er 36 Weltcup-Siege, zweimal Olympia-Gold und fünf WM-Titel.

2007 wäre er bei einem Sturz in Beaver Creek fast gestorben. Dazu kommen weitere Verletzungen im Gesicht und an der Achillessehne sowie die Kreuzbandrisse, deren Spätfolgen ihn nun zum Abschied bewegten. „Es ist eine Riesen-Ehre, mit ihm auf dem Podium zu stehen“, sagte der österreichische Bronzemedaillen-Gewinner Vincent Kriechmayr. Svindal sei „nicht nur einer der besten in der Geschichte des Sports, sondern auch einer der sympathischsten. Er ist ein Vorbild.“

Von Manuel Schwarz und Maximilian Haupt, dpa

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