Champions League: Zehn Anderlechter halten gegen Bayern Schaden in Grenzen

Der RSC Anderlecht hat sich zum Auftakt der Gruppenphase der Champions League achtbar aus der Affäre gezogen. Im ersten Spiel der Gruppe B unterlagen die Veilchen, nach Platzverweis von Sven Kums nach zehn Minuten, Bayern München mit 0:3.

Der Anderlechter Trainer René Weiler veränderte sein Team im Vergleich zum 3:2-Erfolg gegen Lokeren vom letzten Freitag gleich auf vier Positionen. Im Tor stand Sels für Boekx, dann wurden Obradovic, Bruno, Onyenkuru rausrotiert. Die beiden Rumänen Chipciu, Stanciu und Sven Kums erhielten dafür einen Platz in der Startelf.

Bei den Bayern hat Carlo Ancelotti fünf Veränderungen im Vergleich zur ersten Saisonniederlage vom letzten Wochenende vorgenommen. Vidal fehlte gesperrt. Hummels, Rudy, Müller und Coman mussten auf die Bank. Süle, Robben, James und Ribery durften anfangen.

An den letzten Auftritt in der Allianz-Arena dürften die Veilchen wohl nicht die allerbesten Erinnerungen haben. 2008 gab es im Hinspiel des Achtelfinales der Europa League eine empfindliche 0:5-Niederlage. Ein Szenario, das der Schweizer Coach der Anderlechter, Weiler, tunlichst vermeiden wollte und seine Mannschaft daher sehr defensiv ausgerichtet hatte. Eine Fünferkette sollte es gegen die starke besetzte Bayern-Offensive richten. Diese Abwehrreihe hatte von Beginn an einiges zu tun.

In der 10. Minute kam der Kolumbianer James Rodriguez nach Hereingabe von links frei zum Kopfball, aber direkt in die Arme von Sels. Eine Minute später zog Kums den enteilten Lewandowskis im Strafraum um. Konsequenz war: Rot für Kums und Elfmeter für die Bayern. Der Pole trat selbst an und traf in der 12. Minute zum 1:0.

Die Bayern kontrollierten mit einem Mann mehr auf dem Platz das Geschehen, ohne aber echte Torgefahr auszustrahlen. Leander Dendoncker sorgte in der 27. Minute für eine Bayern-Chance. Zum Glück für die Veilchen landete der Ball aber nur an der hinteren Tornetzbefestigung. Der kurz zuvor eingewechselte Appiah sorgte in der 34. Minute für den ersten gefährlichen Anderlechter Vorstoß, der dann auch mit dem ersten Schuss auf das Tor von Manuel Neuer durch Adrien Trebel endete.

Anderlecht agierte trotz Unterzahl weiter mutig und hätte in der 41. Minute den Ausgleich erzielen müssen. Stancius‘ Schuss flog aber rechts am Tor Neuers vorbei. Dendoncker hatte sich zuvor stark über links bis zur Torauslinie vorgearbeitet. Die Bayern wurden noch einmal kurz vor Ende der Pause nach einem Eckstoß gefährlich. Sels konnte den Schuss von Martinez im Nachfassen festhalten.

Corentin Tolisso setzte in der 47. Minute eine erste Duftmarke der Bayern im zweiten Durchgang mit einem Schuss aus der zweiten Reihe, den Sels aber abtropfen lassen konnte. Der zweite Rumäne im Dienste der Anderlechter, Chipciu, sorgte zwei Minuten später erneut für eine Großchance der Veilchen. Zum zweiten Mal ließen die Anderlechter die Chance zum Ausgleich ungenutzt. Auf der Gegenseite scheiterte Niklas Süle mit seinem Kopfball am starken Sels im Anderlechter Tor. In der 58. Minute war das Debüt des Ex-Eupeners Onyekuru auf der großen europäischen Fußballbühne. Weiler brachte ihn für Stanciu.

Die Bayern erwiesen sich in der 65. Minute als unheimlich kaltschnäuzig. Nach Hereingabe von rechts von Joshua Kimmich tauchte Thiago Alcantara im Strafraul auf und traf eiskalt zum 2:0. Keine zwei Minuten später zappelte der Ball erneut im Anderlechter Tor. Der Kopfballtreffer Süles zählte aber nicht, weil der vermeintliche Torschütze zuvor Spajic irregulär weggedrückt hatte. Kimmich machte mit einer Körpertäuschung das dritte Tor der Münchener in der 90. Minute.

Am zweiten Spieltag der Gruppe B empfängt der RSC Anderlecht in 14 Tagen Celtic Glasgow. Glasgow musste sich am Dienstagabend mit 0:5 gegen Paris Saint-Germain geschlagen geben.

Daniel van Buyten unter den Zuschauern

Das Duell der beiden Rekordlandesmeister zwischen Bayern München und dem RSC Anderlecht wollte sich auch der ehemalige Bayern-Spieler Daniel van Buyten nicht entgehen lassen. „Wenn man die ganze Partie sieht, kann man sagen, dass Bayern sich ein bisschen schwer getan hat“, sagt Daniel Van Buyten nach dem Spiel im Gespräch mit dem BRF. „Natürlich, am Ende gewinnen sie trotzdem, aber ich denke, da ist noch ein bisschen harte Arbeit. Um in der Champions League weiter zu kommen, muss man ein bisschen mehr machen.“

Dass es schon in der Anfangsphase ein Rote Karte für Anderlecht gab, war schade für das Spiel. Nach Ansicht von van Buyten hätte man mit einer kompletten Anderlechter Mannschaft anderen Fußball gesehen: „Anderlecht hätte vielleicht in bisschen mehr gepusht, und Bayern hätte mehr zeigen müssen.“

cr/est - Foto: Virginie Lefour/BELGA

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